Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 1

Yorraum und Garderobe. — Fensterwand.

Architekt: Ludwig Paffendorf in Köln.

ornamentalen Schmuckes am besten gelungen. — Dieses
Wiederauftreten einzelner, dem Ganzen völlig untergeordneter,
aber doch die konstruktive Nüchternheit erfreulich belebender
Zierformen findet sich auch bei den Möbeln, wie bei den
Füllungen der Paneele in Olbrichs Speisezimmer. Dieses, wie
das daneben liegende Wohnzimmer im ganzen wie im einzelnen
trefflich, atmet eine wohltuende Wärme und Behaglichkeit, in
der vielleicht ein glücklicher Einfluß rheinischer Art auf Olbrichs
ursprüngliche Gestaltungsweise zu erblicken ist. Die schwarzen
Möbel von Olbrichs Gartenhalle stehen in Form und Aus-
führung nicht auf derselben Höhe.

Die schon von der vorjährigen Dresdener
Kunstgewerbeausstellung bekannten Möbel eines
Damensalons, nach Olbrichs Entwurf in w*eißlackier-
tem Holz ausgeführt, vermögen auch hier nicht recht
zu überzeugen, wenn auch das Schränkchen als
einzelnes Stück vollendet erscheint.

Das Damenzimmer von Karl Bertsch ist mit
einfachen Möbeln in angemessenen Formen aus-
gestattet, entbehrt aber infolge der kalten Wirkung
der graubraunen Bezüge und der grünen Wand-
flächen der behaglichen Stimmung. Niemeyers Speise-
zimmer atmet im ganzen eine annehmbare spieß-
bürgerliche Behäbigkeit, der sich der übermäßig tiefe
Glasschrank in der Ecke mit den anschließenden
Fliesenwänden der Anrichteschränke freilich nicht
recht einfügt.

Bruno Pauls Schlaf- und Toilettezimmer, mit
Möbeln aus grauem Ahornholz mit kleinen Ein-
lagen, in Anspruchslosigkeit der Form wie in
zweckmäßiger Ausführung gleich ausgezeichnet,
macht einen vornehmen, ruhigen Eindruck, zu dem
die von Margarethe v. Brauchitsch entworfenen
Stickereien der Kissen und Besatzverzierungen der
Bettdecken und Vorhänge recht gut passen.

Das Speisezimmer von Bruno Paul entspricht dem Bedarfe
eines bürgerlichen Haushalts. Die Möbel sind in Mahagoni-
holz mit den bei seinen Arbeiten immer wiederkehrenden geo-
metrischen Einlagen ausgeführt. Die Vorhänge sind nach Ent-
wurf von M. v. Brauchitsch in Leinen gestickt. Die beiden
kleinen Schränke an der einen Längswand zeigen die schlichten
Formen und guten Verhältnisse, die Paul seinen Kastenmöbeln
zu geben weiß. Dagegen erscheint das Büfett an der gegen-
überliegenden Wand weniger gut im Verhältnis und reichlich
groß für den Raum. (Schluß in der 2. Beilage.)

Vorraum und Garderobe.

Architekt: Ludwig Paffendorf in Köln.
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