Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

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1908

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 9

Maison des jardinieres in Timgad.

Notizen.

Altrömische Jardinieren. ln den Ruinen von Timgad, dem »afri-
kanischen Pompeji «, findet man im Hofraum *) eines Hauses, das danach
»Maison des jardinieres« benannt worden ist, eine hübsche und zweck-
mäßige Einfassung für eine der Hauswand parallel laufende Blumenrabatte,
die den bei uns gebräuchlichen Kübeln, Kästen und Blumentopfreihen
dann vorzuziehen ist, wenn es sich um die Anordnung einjähriger Pflanzen
mit kräftigem Wachstum handelt, die reichliche Mengen Erde zur Entwick-
lung ihrer Wurzeln bedürfen. Der römische Blumenkasten hat 5—6 cm
dicke Betonwände, liegt unmittelbar vor der Hauswand und ist an 70 cm
hoch und 50 cm weit, faßt somit eine bedeutende'Menge Erde und bietet,
noch dazu, wenn die Kastenwand von der Sonne getroffen und die Erde
erwärmt wird, der Entwicklung der Pflanzen die denkbar günstigsten Be-
dingungen. Ausdauernde Pflanzen würden in unserm nordischen Klima
in diesen Kästen erfrieren, wenn letztere nicht durch Vorlage eines ent-
sprechenden Frostschutzes dem Eindringen der Kälte entzogen würden.
Legt der Gärtner unmittelbar am Hause und gleichlaufend mit der Front
eine Blumenrabatte an, so erhebt sie sich meist nur handhoch über der
Ebene des Platzes, der mit Fliesen belegt oder mit Kies bestreut ist. Zier-
liche und niedrige Pflanzen mit kleinen und zarten Blüten kommen selbst
für den daneben Sitzenden nicht recht zur Geltung; sie sind dem Auge
zu fern. Anders ist es, wenn das Blumenbeet wie in Timgad, um 70 cm
gehoben, dem Auge um so viel näher gerückt ist. Dann kommen alle

Landhäuser für Letchworth
bei Hitchin. 1. Preis.

Architekten: Robert Bennett
und Wilson Bidwell.

Aus »The Building News«.

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Einzelheiten in Farbe und Zeichnung zur Wirkung, ohne daß man sich
zu bücken braucht, um sie genau zu betrachten. Und erst in dieser höheren
Lage kommen die Pflanzen mit nickender und hängender Blüte zur rechten
Geltung. Abgesehen ferner von der fast unbegrenzten Dauer der Beton-
wände läßt sich der Grundriß beliebig anordnen, so daß damit recht
wirkungsvolle vorgeschobene Sockelbildungen gewonnen werden können,
die zu der innigen Verbindung des Hauses selbst mit der Bepflanzung des
umgebenden Gartens vorteilhaft beitragen. Sthdt.

Zu Preisen für schöne Wohnungsfassaden (ausgeführter Gebäude)
hat die Stadtverwaltung zu Frankfurt a. O. für das laufende Jahr 1000 Mk.
bewilligt.

Eine Schweizerische Landesausstellung in Bern wird für das Jahr
1913 vorbereitet. — Eine Ausstellung für Handwerk und Gewerbe,
Kunst und Gartenbau im Regierungsbezirk Wiesbaden wird 1909 in
Wiesbaden veranstaltet. Die Ausstellung soll zugleich dem gesamten
deutschen Kunstgewerbe Gelegenheit geben, seine Erzeugnisse dem inter-
nationalen Fremdenpublikum Wiesbadens vorzuführen. Die Ausstellung
soll vom 1. Mai bis Ende August dauern.

ln Münster ist das Westfälische Landesmuseum eröffnet worden,
in Meldorf das alt-dithmarscher Bauernhaus als getreue Nachbildung
eines alten dithmarscher Gehöfts mit gesamter Einrichtung. — ln Köln
und Hamburg werden die Kunstgewerbemuseen erweitert.

*) Der Höfraum des afrikanisch-römischen Hauses entspricht nicht ganz dem Atrium
des italienisch-römischen Hauses; es ist ein wirklicher Hof mit Platten belegt ohne Impluvium
und die Gartenbeete, die letzterem eigentümlich sind.

Zeitschriftenschau.

Die „Zeitschrift für Geschichte der Architektur“ bringt in
Heft 6 einen Beitrag von Hans Rott-Heidclberg Bauspäne von einer
anatolischen Reise«, in dem die frühchristlichen Bauten des kappa-
dozischen Hochlands geschildert werden, bei denen die Kreuzform mit
Vierungskuppel und schon in vormuhamedanischer Zeit der Hufeisenbogen
in Grundriß und Aufriß auftritt.

In der „Deutschen Bauzeitung“ tritt Albert Hoffmann gegen einen
zur Zeit vorliegenden, vom Stadtbauamt aufgestellten Entwurf zur Umge-
staltung des Dresdner Theaterplatzes dafür ein, die künstlerischen
Absichten, die in den Plänen Chiaveris, Pöppelmanns und Cuvilliers aus-
gesprochen sind, soweit jetzt noch möglich durchzuführen und den Theater-
platz nach der Elbe zu nicht durch Gebäude an Stelle des italienischen
Dörfchens« zu schließen, sondern durch Terrassenanlagen den Blick von
und zur Elbe offen zu lassen. Wenn zur Bekämpfung der in Dresden
besonders gewichtigen Besorgnis vor dem ungünstigen Eindruck dieses
»Loches« auf die Piazzetta Venedigs hingewiesen wird, so ergeben sich
dort vielleicht etwas andre Wirkungen durch die engere Umschließung
mit verhältnismäßig höheren Gebäuden und den weiten Ausblick, den man
von der Tiefe der Piazzetta auf das Meer genießt. Daraus würde sich
natürlich kein Gegenbeweis, sondern nur die Notwendigkeit ergeben, den
aus dieser Vergleichung erkennbaren künstlerischen Grundsätzen ent-
j sprechend Rechnung zu tragen.. Der Mahnung Hoffmanns, nichts zu
übereilen und mit der Beseitigung des italienischen Dörfchens zu warten,
bis der Neubau der Augustusbriicke vollendet und damit eine einheitliche
Prüfung der nunmehrigen Wirkung möglich ist, werden sich alle anschließen,
die das unvergleichliche Städtebild zu würdigen wissen.

-f-S-t-¥-

ln „Architekten“ (Kopen-
hagen) ist ein Entwurf des
Architekten Leuning Borch in
Kopenhagen mitgeteilt für ein
Landhaus, das Redakteur Sieg-
fried Andersen sich bei Själsö
bauen lassen will, sobald die
Anpflanzung des Gartens weiter
vorgeschritten ist. Die hier wie-
dergegebene Ansicht zeigt die
dem bis nahe an das Haus
reichenden See zugekehrte Süd-
seite des Gebäudes, an der nach
Westen vor dem Herrenzimmer
das Treibhaus, dann das große
Wohnzimmer und das Speise-
zimmer mit anstoßender über-
deckter Veranda liegen. Die
Ausführung ist in glücklicher
Übereinstimmung mit der Landschaft und den durchweg alten Gebäuden
der Umgebung ganz im Charakter des alten dänischen Bauernhauses mit
niedriger langgestreckter Front und hohem Strohdach geplant. Das Innere
soll nach und nach künstlerisch ausgestattet werden. Das Ganze gibt von
neuem ein recht erfreuliches Beispiel, wie gut sich den erweiterten An-
sprüchen an Wohnlichkeit unter Beibehaltung der alten bodenständigen
Formen genügen läßt.

ln „The Building News“ finden wir die reizvolle Anlage der Bradford-
Armenhäuser in Helpston bei Peterborough. Mr. James Bradford, der
sich vom Bahnhofsportier seines Heimatortes zu vermögender Stellung
emporgearbeitet hat, hat sie diesem gestiftet; Lord Fitzwilliam hat das
weite Grundstück dazu gegeben und die Architekten Clayton & Black in
] Brighton haben den Entwurf geliefert. Die Häusergruppe, die mit zwei

Armenhäuser in Helpston
bei Peterborough.

Architekten: Clayton & Black.

Aus »The Building News«.
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