Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 24.1908

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Architektonische Rundschau

2. Beilage zu Heft 10.1908

Alleinige Inseratenannahme bei Rudolf Mosse, Annoncen-Expedition für sämtliche
Zeitungen Deutschlands und des Auslandes, Stuttgart, Berlin, Breslau, Dresden,
Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Leipzig, Magdeburg, München,
■ Nürnberg, Prag, Strassburg, Wien, Zürich -.—..—.- ■ ■ •

Insertionspreis 25 Pf. für die
D viergespaltene Petitzeile n

Kunstweise war und wie verständnisvoll sie sich ihrer annahmen. Auch, um
dem Tode seinen Schrecken zu rauben; davon legen einige Abbildungen
von Grabmälern auf dem ehemaligen Assistentsfriedhof in Kopenhagen
Zeugnis ab. Warum ist eigentlich die Periode von Zopf und Empire die
letzte gewesen, die wirklich stimmungsvolle Grabmäler schaffen konnte?

Den Schluß der Sammlung bilden einige Wiedergaben aus dem
Schlößchen Liselund auf der Insel Möen. In seiner so traulichen wie
eleganten Art zeigt es uns, wie man damals zu leben verstand. —

Man sieht die 40 Tafeln an mit steigendem Interesse; man liest den
Text und sieht die Tafeln nochmals durch und man hat dann einen Einblick
gewonnen in eine Kulturepoche und in ein Volkstum zugleich. Der Text ist
so wertvoll wie die Bilder, und auf ihn soll ganz besonders verwiesen werden.

Wer daran geht, einen neuen Bau zu gestalten, möge vorher auf-
merksam Blatt für Blatt dieses Werkes ansehen. Nicht um Vorbilder für
sein Schaffen zu sammeln, sondern um innere Sammlung zu gewinnen,
still zu werden. —

Das schöne Werk ist auf das wärmste zu empfehlen. Ludwig Otte.

Bücherbesprechungen.

Haus in Heiligenhafen, Mühlenstraße 29.
Verkleinert.

Aus »Zopf und Empire von der
Wasserkante«.

Zopf und Empire von der Wasserkante.

Herausgegeben von Carl Zetzsche, Architekt in Berlin.

Verlag von J. Engelhorn, Stuttgart.

40 Tafeln in Lichtdruck mit reich illustriertem Text. Preis in Mappe 24 Mark.

Vor zwei Jahren hatte sich Carl Zetzsche ein Verdienst erworben
durch Herausgabe eines Sammelwerkes über Zopf und Empire, dessen
Material den Städten von Mittel- und Norddeutschland, Erfurt, Braunschweig,
Bremen u. a., entnommen war. Er hat damit manchem Kunstgenossen ins
Gewissen geredet: So einfach kann man’s machen, und damit so trauliche
und feine Wirkungen erzielen!

Was er bietet in dem neuen Werke: »Zopf und Empire von der
Wasserkante«, ist, entsprechend der spröden Eigenart des holsteinischen
und schleswigschen Bürgertums, noch einfacher. Das untenstehende kleine
Bildchen, das dem Werk als Vignette dient, ist dafür bezeichnend.

An der Hand meisterhafter Abbildungen führt Zetzsche uns durch
ganz Schleswig-Holstein bis nach Kopenhagen. Von dort aus empfingen
die kleinen Städte jener ehemals dänischen Provinz ihre Anregungen, die
sie dann das ist ganz besonders zu betonen — in selbständiger Weise
verwerteten.

Neben ganzen Fassaden, die fast überall noch die schon in früheren
Jahrhunderten geübte Bauweise durchklingen lassen, sind es vorwiegend
Haustüren und Haustüroberlichte, die zur Darstellung gelangen. Ganz be-
sonders liebevoller Durchbildung haben sich diese Bauteile zu erfreuen ge-
habt. Zum Ausdruck kommt in ihnen die tiefe Sinnigkeit jenes Volksstammes,
der Fernerstehenden nur als selbstbewußt und abgeschlossen erscheint.

Innenansichten und in-
nere Details, namentlich Öfen,
sind besonders gegeben aus
dem Palais zu Eutin, einem
äußerlich charakteristisch an-
spruchslosen Bau. Lübeck ist
nur mit einer einzigenTafel ver-
treten, was hoffentlich darauf
schließen läßt, daß der Heraus-
geber in einer zweiten Folge
diese prächtige Stadt und ihre
Gestaltung in der Periode von
Zopf und Empire besonders
behandeln will. Sie verdientes.

Einen glanzvollen Ab-
schluß des Werkes bilden die
Darstellungen aus Kopen-
hagen. Hier kommt auch die
große Architektur zum Wort in
Hansens prachtvollem »Alten
Rathaus«; daneben reizvolle
Beispiele bürgerlicher Kunst.

Wer dänisches Wesen kennt,
das immer feine, höfliche und
heitere Sichgeben, kann sich
wohl vorstellen, wie willkom-
men und sympathisch den Ko-
penhagenern einst die neue Haus in Tönning, Johann-Adolfstraße 29.

Das süddeutsche Bürgerhaus. Eine Darstellung seiner Entwicklung in
geschichtlicher, architektonischer und kultureller Hinsicht an der Hand
von Quellenforschungen und
maßstäblichen Aufnahmen.

Von Dr.-Ing. H. Göbel.

30 Tafeln in Mappe nebst
Textband von 426 Seiten mit
311 Abbildungen. Dresden,

Verlag von Gerhard Kiiht-
mann, 1908. Preis 48 Mk.

Mit großem Fleiß und
liebevoller Hingabe hat der
Verfasser die bürgerlichen
Bauten an der Bergstraße stu-
diert und seine reiche Ausbeute
mit einer Fülle von Einzel-
heiten aller Art in ansprechen-
der zeichnerischer Darstellung
auf 30 Tafeln zusammenge-
stellt. Im Textteil schließt sich
an die geschichtliche Einlei-
tung — einen Abriß der
wechselvollen Schicksale der
Gegend — eine Darstellung
der Grundrißentwicklung im
16. bis 18.Jahrhundert, in der
zunächst die Bauten an der
Bergstraße behandelt und auf
typische Übereinstimmungen
geprüft, dann die Entwicklung
namentlich des süddeutschen
Wohnungswesens überhaupt
unter Benutzung der zeitge-
nössischen Fachliteratur und
Entwürfe Umrissen wird. Der
zweite Hauptteil behandelt
die architektonischen und kon-
struktiven Einzelheiten (Bau-

Hoftür in Flensburg, Neustadt 15. (Verkleinert.)
Aus »Zopf und Empire von der Wasserkante«.

materiahen, Raumausbildung, Treppe, Rauchrohre und Ofen, Aborte, Dach),
der dritte die Gestaltung des städtischen Bauwesens in öffentlich-rechtlicher
Beziehung (Verkehr, Feuersicherheit, Gesundheit, Gestaltung des städtischen

Bauwesens in privatrechtlicher
Beziehung, Verwaltung). Auch
der Textband ist mit einer
großen Anzahl von Abbildun-
gen — photographischen Auf-
nahmen und Grundrissen von
Bauten an der Bergstraße und
Einzelheiten zu den Ausfüh-
rungen des zweiten und dritten
Teils, z. T. aus den zeitge-
nössischen Werken — ausge-
stattet. Die umfassende Heran-
ziehung des kulturgeschicht-
lichen Zusammenhanges, wie
Schilderung der Zunft- und
Lehrverhältnisse, die umfang-
reiche Benutzung und Anfüh-
rung von Quellen aller Art,
Mitteilung von Preisen, u. a.
eines vollständigen Bauan-
schlags, machen die reichhal-
tige Arbeit zu einem schätz-
baren Beitrag für die Bearbei-
tung der Geschichte des deut-
schen Bürgerhauses, so daß
des Verfassers Absicht als gut
erreicht zu bezeichnen ist. Eine

Aus »Zopf und Empire von der Wasserkante». Sorgfältigere Durchsicht ill
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