Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 28.1912

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1912

Hrchitektonische Rundschau

Seife 19

schräg durch das System sehneidenden Strase C erkennen.
Zugleich zeigt die Gegenüberstellung non sig. 2a und 2b,
tuieoiel deutlicher diese JTlängel in der oon Hoffmann
geruählten Darstellung (2a) hernortreten, als in der sonst
üblichen, bei der die Baublöcke angelegt und die Strasen
weiß gelassen ruerden.
Säg. 3 gibt einige Straßenkreuzungen aus dem alten
Plane für den Stadtteil siidlich der Rkropolis, wo durch






sig. 5.



die Hügel und den krummen Cauf des llissos die regel-
mäßigen Straßenführungen unmöglich gemacht sind. Säg. 4
hebt die ungünstigen Straßenbilder heroor, die im alten


?ig. 4.




sig. 5.

Plane roestlich der Rkropolis (Tafel 69,i) durch das spiß-
ruinkelige Rbzroeigen mehrerer Straßen non der Piräus-
straße entstanden mären. Im neuen Plane ist dies geschickt
durch eingefügte Pläße nermieden. Van ungünstigen Plaß-
anlagen und deren Verbesserung sei nur ein Beispiel ange-
führt (sig. 5), Plaß B in Tafel 68,i (alterPlan). Durch geringe
Ablenkung einiger Straßen ist da eine bessere Plaßgestaltung
erzielt und das nahe Zusammentreffen des Verkehrs aus
fünf Straßen nermieden (Tafel 68,i [neuer plan]: e). „Rn der
nordroestlichen Seite ist abseits nom Verkehr ein Brunnen
gedacht. Dort könnten Bänke aufgestellt roerden, die im
Schatten der Bäume an dem kühlenden Wasser einen er-
holenden Aufenthalt gestatten. Rn der nordöstlichen Seite
aber gibt ein großer schattiger Plaß den Kindern die
ITlöglichkeit zum Spielen.“
Besonders lehrreich ist die norbildliche Einfachheit, mit
der Hoffmann diese ITlängel zu uerbessern roeiß. mit gleicher
Sorgsalt hat er in allen Einzelheiten überall die oer-
schiedenartige Verroendung und Ausbildung der Pläße
norgesehen, hier als Sammelplaß und Rusroeichestelle des
Verkehrs, als JTlarkt für die nom Cande hereinströmenden
Bauern, dort als Schmuckplaß mit Rrchitekturstücken und
Bildroerken, für Spiel und Grholung (Tafel 67) oder als
Vorlage für öffentliche Gebäude. Ruch für diese bezeichnet
er stets die geeigneten Pläße, immer in der doppelten Ab-
sicht, sie selbst möglichst günstig zu stellen und durch sie das
Stadtbild zu beleben, bedeutende Augenpunkte zu schaffen
und die Gipförmigkeit der Straßen zu durchbrechen, mie
er es mit seinen Schulen usro. in der trostlosen Öde der
Arbeiterniertel Berlins mit so großem Grfolge getan hat.
Rn die bereits bebauten und in der Bebauung be-
griffenen Stadtgebiete schließen sich im Horden und Süden
die erst für spätere Zeit in Betracht kommenden Gelände,
für die eine non der Rücksichfnahme auf bereits Vorhandenes
freie Planung möglich mar. Hier ist die uornehme Regel-

mäßigkeit Dollkommen durchgeführt. Hach Süden, zroischen
Philopappos und Phaleron, dem nur 5 km entfernten
JTleere zu, ist das Gntstehen eines benorzugten Stadtteiles
roohl mit Sicherheit anzunehmen. Gine breite Promenaden-
und Korsostraße soll dorthin führen. Als ITlittelpunkt
dieses Teiles roird ein großer runder Plaß oorgeschlagen,
den ein geschlossener Kuppelbau, umgeben oon Garten-
anlagen mit oier großen sontänen und offenen Säulen-
hallen, beherrschen soll (Tafel 70). Aus jeder Richtung
ergeben sich daraus immer coechselnde, überaus reiche
und malerische Architekturbilder. Hur ein Gelände am
ITleer bei Alt-Phaleron (Tafel 70), das in der mitte bis
zu 20 m ansteigt, ist den Uferlinien folgend in etcoa
100 Bausfellen für Villen eingeteilt, die so geheilt sind,
daß möglichst oielen der Ausblick auf das ITleer gesichert
ist. Auf der höchsten Stelle ist ein Hotel oder Restaurant
geplant, dahinter einige Spielpläße.
sür die in der Großstadt erforderlichen Grünflächen
boten die der frischen Seeluft zugänglichen Hügel selbst-
oerständliche Gelegenheiten. Ihre Ausnußung ist aus den
Plänen ohne weiteres oerständlich. Dagegen roird die
meisterhafte Feinfühligkeit und die meist oerblüfsende Gin-
fachheit der mittel, mit der Hoffmann die alten Kunstcoerke
wieder zur Geltung zu bringen und dem Ganzen dienstbar
zu machen weiß, erst aus der eingehenden Grläuterung ooll
oerständlich. Das jeßt auf ödem Plaße stehende Theseion
(Tafel 68,2: m) soll, mit einem Olioenhain umgeben,
Stimmung und ITlaßstab wiedergewinnen; das Cysikrates-
denkmal und die kostbaren Rette der Gräberstraße sind
oon ihrer hörenden Umgebung durch wenige zweckmäßig
gehellte Bäume zu trennen; für den unoergleichlichen
Reichtum an jeßt aufgehellten Bildwerken und Architek-
turen aller Art wird der Weg zur Belebung gewiesen:
sie hier und da, je nach Art und Bedeutung, aufzuhellen,
teils einzeln oder gruppenweise, teils im sreien oder in
geschüßten Hallen, und so die ganze Stadt zu einem
sreilichtmuseum einzigher Art zu machen, in dem der
sremde nicht nur in gewohnter Gile die Hauptsehens-
würdigkeiten abfährt, sondern das er mit immer neuem Ge-
nuß und gleichem Grfolg nach allen Richtungen durchhreift.
Wahrlich, man kann es nur oon Herzen münsehen,
daß die mit so unoergleichlichem Grbe der Vergangenheit
begnadete Stadt sich des Wertes dieser Arbeit auch in
ihren Ginzelheiten ooll bewußt wird und daß sie für ihre
allmähliche Verwirklichung Sorge trägt.
Uns aber, wenn wir auch zumeist mit weniger glück-
lichen Verhältnissen der Gage und der Überlieferung zu
rechnen haben, könnte der Stadtplan für Athen mindehens
durch die raffinierte Ginfachheit der mittel, durch seine
hrenge Sachlichkeit und sorgsame Rücksichtnahme auf die
Grenzen der ITlöglichkeit Wege zeigen, wie wir die Unter-
lassungssünden derVergangenheit und die drohende Öde der
Zukunft mit erschwinglichen lllaßnahmen bessern und
oerhüten könnten. Die heutige Gntwicklung der Großstädte,
die durch so oiele nahezu gleichwertige saktoren bedingt
wird und mit so enormen Besißwerten zu rechnen hat,
dürfte nur seiten durch Gntmürfezu leiten sein, deren monu-
mentale Gntfaltung Verhältnisse oorausseßt, wie sie nur
für die einheitlichen läeugründungen der Antike oder für
die ausschließlich oom sürstenwillen beherrschten und allein
um „Das Schloß“ gruppierten Anlagen des 18. Jahr-
hunderts oorhanden waren. C. Zeßsche.
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