Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 28.1912

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ssrchifekfonische Rundichau

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Duftgärten; es gab reichen plastischen und architektonischen
Schmuck und Diele andere Rhythmen und Cinfälle für den
uerfeinerfen ästhetischen Sinn des Besifjers.

Rber auch die ojirtschaftliche Seite rourde nicht oer-
nachlässigt: grosje Obst- und Gemüsegärten entwickeln sich
in den Rchsen der Wirtschaftspartien des ausgedehnten
Schlasses. Gärtnerroohnungen, Geroächshäuser für alle
Zwecke sind da, Ulauern für Pfirsiche und edlen Wein
trennen die einzelnen Teile und schü^en seine Elu^kulturen.
Und um alle diese hundertfachen Cinzelheiten herum zieht
sich oon der Höhe der oberen Schlofjterrasse aus eine
breit angeschüttete, mehrere Kilometer lange Plauer, non
deren Höhe man alles Wesentliche des Parks erreichen
und genießen kann. Diese ITlauer ist als Wall, Stütjinauer
und Rrkadengang (Kegelbahn) und ‘in den Elu^gärten
durch Obstbepflanzungen ihrerseits mit dem Organismus
des Ganzen innig uerbunden. Rlles hat, roie diese
Grenzmauer auch, dann seine wohl durchdachte, zweck-
entsprechende üppige Bepflanzung aufzuroeisen.

Dieser grofje Rpparaf aber hatte seine Beschränkungen
durch die hohen Kotten der Rnlagen. Cs mufjte auf eine
geruinnbringende roirtschaftliche Verwertung anderer Teile
der Besitjung Rücksicht genommen werden. Der grosje
Teich, der aus tiefliegenden Wiesen mit ganz wenig
Badenregulierung durch Rnstauung eines durchgehenden
slüfjchens entstand, dient einer großen rationellen sisch-
zucht, und ausgedehnte Beeren-, Buschobst-, Crdbeeren- und
Spargelplantagen außerhalb der Ringmauer dienen mit
ihren allmählich entgehenden Cagerräumen und Keltereien
sowie einer Konseruenfabrik dazu, den Unterhaltungs- und
erweiterungsbetrieb zu stabilisieren und wirtschaftlich oor-
wärts zu bringen.“

Cbenso wertuoll wie dieser Cntwurf non Flügge als
Parkanlage sind die Rrbeiten der Hamburger Garten-
architekten Schnackenberg & Siebold und ihres künst-
lerischen ITlitarbeiters Harry ITlaafj, unter ihnen in erster
Cinie die Gartenanlage für P. Delius in Versmold in West-
falen (Tafel 79). Die Stellung des non dem Rrchi-
tekten Hugo Wagner in Bremen erbauten Hauses wurde
durch zwei im Obst- und Gemüsegärten oorhandene
alte Bäume uon charakteristischem Wuchte bestimmt,
und zwar so, dal) die Vorfahrt zwischen diesen hin-
durch eine Perspektioe auf den eigentlichen Hauseingang
eröffnete, wodurch gleichzeitig die uon Staudenrabatten
und einer lebenden Hecke eingefaßte Vorfahrt einen räum-
lichen Rbschlufj erhielt. Wenn auch diese Vorfahrt seltener
benutzt wird, so wird sie doch einen willkommenen Ruf-
enthaltsort an heifjen Tagen bilden, so dafj es nahe lag,
hier am Hause in einer Rische einen Wandbrunnen und
aor denselben einen Plattenplaß oorzusehen und mit
Sumpfstauden zu bepflanzen. Von hier tritt man in den
Staudengarten, der unmittelbar an das Baus an der
Stelle des Wintergartens anschließt und hierdurch mit
demselben einen organischen Zusammenhang bildet. Hier
sallen hohe Stauden, wie ITtaluen, singerhut, Rittersporn,
bis in die Höhe der sensfer wachten und teilweise über
die sensterbrüstung hinausragen. Dieser Staudengarten
liegt genau in der Perspektioe einer oorhandenen Rllee
alter Obstbäume und sall in der ITlitte eine Sonnenuhr
erhalten, zu welcher einige Plattenwege hinführen, mit
moosartigen Stauden bepflanzt, lieben dem Stauden-
garten liegt um einiges oertieft oor der großen unbedeckten

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Terrasse des Wohnhauses der Rosengarten, seitlich durch
Rasenböschungen und Hecken und nach dem Hause zu
durch eine lebende Trockenmauer abgeschlossen. Den
hinteren Grenzabschlusj bildet ein wiederum etwas höher
gelegener freier Sißplaß, der oor einer alten oorhandenen
doppelten und hohen Hainbuchenhecke liegt.

Der bekannte Gartenarchitekt s. Gildemeister in Bremen
folgt in seinen Rnlagen der Überlieferung der alten Haus-
und Candhausgärten. FFlit einer gründlichen gärtnerischen
Vorbildung oereinigt er feines Verständnis für die heutigen
Bedürfnisse und für die oeränderfen Cebensbedingungen.
Rn seinen Gärten schäßen wir oor allem, dafj er die
blühenden Pflanzen wieder zu ihrem Rechte kommen
läfjt. Seine reiche Kenntnis der Blumenwelt und sein
ausgeprägter sarbensinn oerbinden sich mit einem feinen
Gefühle für Raumwirkung und Rhythmus; so schafft er
Gärten, die uns durch ihre mohlabgemessenen sarben-
stimmungen und üppige Blütenpracht überraschen. Dafj
Gildemeister ohne Verwendung oon Holz und Stein aus-
zukammen sucht, kann nur als besonderer Vorzug an-
erkannt werden. Gildemeisters Gärten sind oon einer
bescheidenen, wohltuenden Schönheit, wie wir sie für
unsere bürgerlichen Gärten brauchen, damit sie wieder
zum behaglichen Verweilen einladen.

Die hier oorgeführten Blätter (Tafel 79—83 und Seite 1,
111 und VI) sind einer 1911 oom Hofkunsthändler Carl
G. Oncken in Oldenburg und mir oeranstalteten Russtellung
über Gartenbaukunst entnommen. Cs ist in Oldenburg der
Versuch gemacht worden, durch eine Reihe oon Rrchitektur-
ausstellungen auf das Eaienpublikum eines kleineren Kreises
einzuwirken. Schon im srühjahr 1911 wurde eine erste
Russtellung über das „Eandhaus“ oeranstaltet, deren Be-
schickung über Crwarten gut war. Ihr folgte im Sommer
eine Russtellung „Der Garten“. Ruch an dieser beteiligte
sich eine grofje Rnzahl tüchtiger Künstler, die in etwa
370 Blatt dem Publikum die neueren Bestrebungen auf
dem Gebiete der Gartenkunst Darführten. Diese Russtellung
hatte nicht nur für das Publikum, sondern auch für die
beteiligten Gartenarchitekten größtes Jnteresse, weil eine
so grofje Sammlung oon Originalentwürfen noch nicht
oereinigt worden war. Glänzend oertreten war die Ham-
burger Gartenbaufirma Jacob Ochs, deren künstlerischer
Eeiter der häufiger genannte Eeberecht FRigge ist, ebenso
die Gartenarchitekten Schnackenberg & Siebold in Ham-
burg, sowie deren künstlerischer ITUtarbeiter Harry ITlaafj,
ferner sr. Gildemeister-Bremen, J. P. Grofjmann-Berliri,
Chr. Roselius-Bremen, Professor C. Högg-Dresden, Professor
P. Behrens, Rlfred Wünsche, Rlfred Rltherr, Wittmann-
Köln, H. Bernoully-Berlin, Tessenow-Dresden und oiele
andere. Der Crfolg dieser zweiten Russtellung war kein
geringer: einmal waren die getarnten sachleute auf das
äufjerste entrüstet, daß man es gewagt hatte, ihren srieden
zu stören — dies allein war ein Crfolg , sodann aber
ist als schönster Crfolg dieser Russtellung zu oerzeichnen,
dasj der ITlagistrat der Stadt sich entschlossen hat, für die
gärtnerische Gestaltung einer großen Park- und Teichanlage
gegen jede frühere Gewohnheit einen engeren Wettbewerb
unter Gartenarchitekten auszuschreiben.

Weit mehr als alle Veröffentlichungen sind für engere
Kreise derartige Russtellungen mirksam, wenn die Voraus-
seßung erfüllt wird, dafj nur wirklich hochstehende Rrbeiten
dem Eaienpublikum oorgeführt werden.
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