Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 28.1912

Seite: 44
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/architektonische_rundschau1912/0054
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Seise 44

Architektonilche Rundschau

1912



ssbb. 12. Der Sand in Cüneburg.

ssbb. 9. Wasserturm an der Stern-
Ichanze in Hamburg.
Strafe haben durch die beiden
Kirchtürme einen Zielpunkt. Die
Katharinenkirche rourde dabei
roegen der Richtung des Chores
nach Olten schrdg zu den Platg-
und Straßenachlen aufgeltellt,
wodurch lieh oielleicht unbeab-
lichtigt der künltlerilche Vorteil
ergab, daß die Türme für die
Strafen körperlicher in die Gr-
Icheinung traten, als roenn ihre
Hauptflächen parallel zu jenen
Achten Händen. Tral3 der Frei-
legung hat der Hagenmarkt
noch heute eine anlprechende
Wirkung, roenn man den Blick
in die geschlolsene Ccke richtet,
über die der ferne Turm der
Andreaskirche Itimmungsooll
hereinlugt. Schaut man jedoch
gegen die Katharinenkirche,
dann oermifjt man die Häulergruppe, die einst
den Türmen der Katharinenkirche oorgelagert
roar und deren Wirkung bedeutend Iteigerte,
roie lieh aus alten Bildern und Stichen er-
kennen läßt. Im JTlittelalter stand an dieser
Stelle das Rathaus des Stadtteiles „Hagen“,
das Ipäter zum Theater umgebaut rourde.
Im Verhältnis zur Höhe der den Piaß um-
gebenden Häuser ilf seine gegenwärtige Grund-
fläche zu weitläufig, namentlich seitdem das
malerische Beben des Ittarktes in die abseits
eingebaute lllarkthalle oerlegt morden ilt.
Flach einem früher oan Hermann Pfeifer ge-
machten Vorlchlage würde eine Gliederung
dieses Plaßes durch doppelte regelmäßige
Baumreihen etroa an der Stelle des alten
Theaters lieh erzielen lallen, wodurch auch
der jezt etwas ilaliert stehende Heinrichs-
brunnen an malerildiem Reiz und an Größen-
roirkung gewinnen würde.
Die Türme lind, roie gezeigt rourde, zur
Crzielung guter Bildroirkungen, belonders auf
Pläßen, falt unentbehrlich. Gleichzeitig über-
tragen lie die belebenden ^Funktionen der
Pläße im Stadtgrundrille auf die SfadF-
lilhouette. Crlf durch die Türme ordnen
lieh die Häulermalsen zu Gruppen, die in
ihrem Zulammenroirken den künltlerilchen
Wert der Silhouette ausmachen.
FFtan lehe daraufhin die Werke non
ITlerian, Braun und Hohenberg durch. Die
hier zulammengeltelllen, trefflich lilhouef-
fierten Stadtbilder lallen die großzügige
Auffüllung der ganzen Stadt als eines ein-



ssbb. 11. Vicenza, Piazza della Biaoa und Piazza dei Signori. Schnitt ö—H.


ssbb. 14. ITlarktplats in Pirna.


ssbb. 13. sslfstadtmarkf und ITlartinikirchplat}
in Braunschmeig.


ssbb. 15. Hagenmarkt in Braunschmeig,
Der frühere Zustand ilt schrdg einsehraffiert.

ssbb. 10. Wasserturm am Waisen-
haule in Hamburg.
heitlichen, organilchen Kunlt-
roerkes, namentlich auch im Zu-
lammenhange mit der umgeben-
den Fandlchaft, erkennen. Ihnen
zur Seite stellen lieh die alten
Stadtbilder - Radierungen aus
der Vogelperlpektioe (Ftürnberg,
Augsburg ulro.) loroie auch die
alten Stadtmodelle (Flational-
muleum in ITlünchen, Germani-
Iches FAuleum in Dürnberg ulro.).
Jm Anlchlulle an diele er-
mähnten Stadtbilder ein Wort
über die zeichnerilche Darltel-
lung oon Plaßgrundrillen! Zu
deren Verständnis ilt es erfor-
derlich, zunächlt die einmünden-
den Straßen auf eine geroille
Fänge anzudeufen, lo daß ihre
Richtung deutlich erkennbar ilt.
serner mülsen auch roirksame
Ablchlülse der Zugangsltraßen zu Pläßen im
Grundrisle eingetragen werden.
JTlultergültig lind die in „Rohault de
sleury, Fa Toscane au moyen age, “ oer-
öffentlichten Plaßgrundrilse, die eine deutliche
Stellung der lAanumentalbauten und Türme
loroie die Anordnung non Foggien und Ar-
kaden erkennen lallen, die als raumerroei-
ternde Gebilde für die Plaßroirkung oon
großer Bedeutung lind.
Hier lei noch der schöne Plan Don Rom
mit Ginzeichnung der JAonumentalbauten in
„Fe Tarouilly, Gdifices de Rome moderne,“
rühmend heroorgehoben. So bilden auch in
den noch im Grlcheinen begriffenen „Kunst-
denkmälern des Königreichs Bayern“ (ITUin-
chen, R. Oldenbourg) die beigefügten ge-
roilsenhaften Stadtgrundrille nach denKatalter-
blättern einen roertoollen Beltandteil.
Beider fehlt lonst in den meilten Ver-
öffentlichungen oonBauroerken dieDarltellung
oon deren Umgebung in einem Fageplan, aus
dem lieh der ganze Wirkungskreis dieses Bau-
werkes erkennen läßt, bei hohen Turmbauten
allo der ganze Stadtplan.
Grit wenn man neben dem Gigengrund-
rille eines Haupfbaues auch seine Stellung
im Stadtgrundrille kennt, kann man lieh ein
umfallendes Urteil über die architektonilche
Bedeutung des betreffenden Gebäudes bilden.
In den meilten sällen roird man dann mit
einem geringeren Aufwand an architekfoni-
Ichem Reichtum einen harmonilcheren Gelamt-
eindruck erzielen.
loading ...