Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 28.1912

Seite: Tafel 110-111
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Gine der interel'santesten niederdeutsehen Siedlungen im Oldenburger
Tande ist das uralte Heidedorf Dötlingen, malerisch unter herrlichen Gichen
und Buchen an der Hunte, einem kleinen Hebenflufj der Weser, gelegen.
Crtf leif etrua zehn Jahren durch eine in retpektuoller Gntsernung uorüber-
führende Hebenbahn dem Verkehr zugänglich gemacht, hat es noch heute

seine urspriingliche Gigenart uneingeschränkt beroahrt. In seiner Rahe
erhebt sich inmitten der Heide auf dem hohen Steiluser der Hunte das
abgebildete Tandhaus. Von der Terrasse schroeist das Rüge über den slufj
hintueg auf die schier unbegrenzte, uon einigen Gehöften belebte Heide
bis zu den aus der Gbene mächtig aufragenden Türmen uon Wildeshausen


Condhous Wertgen in Dötlingen, 1. Ansicht uon Südosten. 2. Halle. 3. Ansicht uom 51u^ aus. 4. Kaminplat] in der Halle. 5. Grundrisse.

ssrchitektonische Rundschau 1912.

Tafel 110/11 1.



und Visbeck. Diese heroorragende, uon weither sichtbare Tage machte es
dem Architekten besonders zur Pflicht, das Haus so zu gestalten, daf3 es
mit der Tandschaft oerruachsen erscheint. Gs lag daher nahe, auf die boden-
ständige Baurueise zurückzugreisen. Weif3 gepuf3te, ganz leicht grün getönte
ITlauern auf dunkelgrauem Unterbau, kräftiges, grün gestrichenes Holzruerk
der Veranda und sensterläden, sauber roeif3 lackierte senster und ein mäch-
tiges, das ganze einheitlich zusammenfassendes und überdeckendes Stroh-
dach, in feuersicherer Deckung mit dem charakferistischen Heidefirst, sind
die Ausdrucksmiftel, mit denen dies erreicht wurde.
Da das Haus nur während des Sommers bewohnt wird, enthält es im
Grdgescholt nur zwei Wohnräume: eine geräumige Halle mit einem gemüt-

lichen Kaminplal3 und daneben ein Wohnzimmer, dazu die das Haus an der
Süd- und Weslseite umziehende Veranda mit oorgelagerter Terrasse. Die
Zimmer sind oerhältnismäfjig niedrig. Die Höhe des Grdgeschosses beträgt
2,90 m i. £., die des Dachgeschosses 2,75 m i. T.
Das Innere ist gleich sachlich und reizuoll durchgebildet. Die Halle
erhielt Täfelung und Holzbalkendecke aus dunkelbraun getöntem Kiefern-
holz. Die massioen sufjböden im Rur, in der Veranda und auf der Terrasse
bessehen aus in uerschiedenen sRustern oerlegten Oldenburger Klinkern,
ssus dem gleichen Rlaterial ist der Kamin in der Halle. Cine Pumpe im Keller
hebt das Wasser für den Wirtschaftsbedarf aus einem 25 m tiefen Brunnen
zu einem über den Kehlbalken aufgestellten Behälter empor. Unter dem etwa
40 cm starken Strohdach bleibt das Wasser, obgleich dieser
Behälter dicht unter dem Dach steht, auch in den heilsten
Sommertagen frisch und kühl.
Die getarnten Arbeiten, auch die innere Ginrichtung und
die IRöbel, wurden oon einsachen ländlichen Handwerkern in
Dötlingen und Wildeshausen ausgesührt. Jn letjtgenanntem Orte
fand sich noch ein alter Drechslermeister, der die auf den Ab-
bildungen sichtbaren Stühle ohne besondere Anleitung und in
recht guter Arbeit herstellte.



Architekt: Regierungsbaumeister a. D. Carl Krahn in Bremen.

Paul neff Verlag (max Schreiber) in Gelingen a. Fl
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