Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 26
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Treiftehendes Arbeifereinfamilienhaus mit 5 Wohnräumen in der Kolonie Gronauerwald

bei Berg.-Gladbach

(Aus dem Werke: flrbeiferroohnhausfypen. Von Dr.-Incj. Walter Kojjntann. Verlag von Gerhard Kühtmann, Dresden)

ffärken der äußeren und inneren Wände. — für die einzelnen Ar-
beiten find felbtoertändlich einheitliche Durchfchnittspreife ange-
nommen morden, da die wirklichen, nach den Herftellungsorten
erheblich uerfchiedenen Kotten zur Vergleichung nicht geeignet maren.

Um nun die Aufteilung nölliger, fchroer überfichtlicher Koften-
anfchläge für jedes der achtzehn eingehend befprochenen Beifpiele
zu oermeiden, hat Ko ß mann die Anfchläge in der Weife fchematifiert,
daß für einfach zu ermittelnde Bauteile oder -mallen die entfprechen-
den Arbeiten zufammengefaßt rourden und dafj alle diejenigen
Arbeiten, deren Koffen nicht mehr unmittelbar uon der Art der
Grundrißlöfung und des Aufbaues beeinflufjt roerden (Kanalifation,
Wafferleitung, Einfriedigung, Straßenbau u. dergl.) aus dem Vergleich
ausfchieden. Gin Beifpiel mird diefe überaus praktifche und über-
fichtliche Art der Zufammenfatfung am beiten erläutern:

Die Koften eines Quadratmeters Zroifchendecke über dem Grd-
gefchoß feßen fich roie folgt zufammen:

Balkenlage mit Balken, 14/22 cm ffark (bei einem Holz-
preife uon Ul. 50.— für den Kubikmeter, den laufenden
llleter zu Ul. 1.54 + Zulage für Abbinden Ul. 0.35
für den laufenden Uleter — Ul. 1.89), unter Verroendung

uon 1,30 m pro Quadratmeter.Ul. 2.45

darüber kieferner fußboden, 36 mm ffark, gehobelt,

gefpundet.2.70

Deckeneinfchub (Packung).,1.50

Deckenpuß auf Rohrfchalung.„ 2.—

Deckenanftrich.0.20

Anftrich des fußbodens (zroeimal Ölfarbe). 0.60

pro Quadratmeter Ul. 9.45

In derfelben Weife find die Koffen für
1 qm Zroifchendecke über dem Keller, l qm
nicht unterkellerten fußbodens, 1 qm Dach-
fläche, 1 Stück Dachbinder, 1 Haustür, 1 qm
oder 1 Stück Zimmertür (20 bzro. 40 Ul.),
1 fenffer uon 1,5 qm, für eine normaltreppe
und einen Rormalabort ermittelt morden.

Durch diefe Zufammenfaffungen roird nun
die Aufteilung der Koftenanfchläge für die
einzelnen Beifpiele ungemein uereinfachf und
deren Vergleich untereinander foroie auch mit
beliebigen anderen, efroa aus dereigenen Praxis
fich ergebenden Gntroürfen lehr erleichtert.

Um nun einen Alaßftab für die Beur-
teilung der Wirffchaftlichkeit zu geroinnen,
bezieht Koßmann die Gefamfkoffen jedes
durch Abbildungen mifgefeilfen Typus auf
den Quadratmeter roirklich benußter Wohn-
fläche. Dadurch heben fich alle diejenigen
Typen, die als folge ihrer befonderen Grund-
rißlöfung einen unzuläffigen Aufroand mit
nebenräumen (oor allem mit Treppen- und
Vorplaßanlage) treiben, non felbff durch die
Höhe der Baukoften ab und teilen fich
gegenüber den günftigeren Ölungen als un-
roirtfchaftlich dar.

Die im einzelnen dargeftellten und uer-
glichenenTypen find uerfchiedenen Siedlungen
der leßten Jahrzehnte entnommen: der Köln-
Ghrenfelder Arbeiterroohnungsgenoffenfchaft,
der Adersfchen Wohnungstiffung in Düffel-
dorf, der Gartenftadf Hellerau, den Arbeiter-
roohnungskolonien uon Krupp in Elfen, den
Baugenoffenfchaften in Velbert, Hilden, Duis-
burg, Schliß, Gaualgesheim, Bensheim und uor
allem der muftergültigen Kolonie Granauer-
roald (Berg.-Gladbach). Wie der Verfaffer aus-
drücklich erklärt, find bei der Auswahl äfthe-
tifche Gefichfspunkte nicht berückfichtigt mor-
den, fo daß mir uns nicht roundern dürfen, zroifchen den Typen manche
mißglückte Geftaltung zu finden. Gs kam eben lediglich auf den
Vergleich der Wirffchaftlichkeit an, der freilich durch eine uer-
beffernde Umgeffalfung des Aufbaues, z. B. die Weglaffung des
unfchänen, unpraktifchen, in Koftenanfchlag doch nicht berück-
fichtigten fachroerkes in Beifpiel 7 nicht beeinträchtigt morden märe.

Dieter Vergleich gliedert fich naturgemäß nach Bauart und
Umfang der entfprechenden Typen und zeigt uns, uon roie großem
Ginfluß die Grundrißanorduung, insbefondere die Anordnung der
Treppe auf die Wirffchaftlichkeit des Arbeiterroohnhaufes ift. So
fchroanken z. B. die Koten für die Rußeinheit (d. i. 1 qm Wohn-
fläche) des Reihenhaufes zroifchen 80 und 58 Ul., des Doppelhaufes
zroifchen 101 und 61 Al. und des Ginzelhaufes zroifchen 87 und
72 Ul. Ulan lieht alfo auch hier den Grfahrungsfaß betätigt, daß
das Reihenhaus am billigten, das Ginzelhaus am feuerten zu
ftehen kommt und das Doppelhaus eine recht günffige Zroifchen-
ftufe bildet.

Von den beiden hier bildlich roiedergegebenen Beifpielen gehört
das Haus der Gartenftadf Hellerau uon Riemerfchmid dem Typus 2
mit drei Räumen an. Der Verfaffer bemerkt dazu:

„Der Koftenanfchlag hat für diefes Haus den Preis uon Ul. 74.—
pro Quadratmeter Wohnfläche ergeben. Diefer Preis roird . . . hoch
erfcheinen. In erfter Cinie ift das dem Umffande zuzufchreiben, daß
die Abmeffungen des ganzen Haufes fehr klein find, das Haus mithin
als Ganzes eine abfoluf befonders billige Ofung darteilt. Gs ift ja
felbtuerffändlich, daß mit der zunehmenden Verkleinerung des Haufes
bei überall gleichbleibenden Konftruktionsftärken derrelatioe Preis für
die erzielte Wohnfläche roächft. So empfehlenswert alfo der oorliegende
Gedanke der Eöfung ift, fo liegt fie leibt doch fchon an der Grenze

flrchitektonifche Rundfchau 1915
Seife 26
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