Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

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Schilling und Graebner, Dresden

Reubau der Ortskrankenkaffe in Dresden

Groipadtbaufen im Sinne des modernen Städtebaues

Von Dr.-fng. 1TIa ckern) s ky, Dresden

Jm Haufe der leßten Jahrzehnte ift kaum über etwas fo niel
gefchrieben morden als über Städtebau. Seit dem Crfcheinen
des berühmten Buches non Camillo Sitte über den „Städte-
bau nach feinen künftlerifchen Grundfätjen“ im Jahre 188h hat
fich die Hiteratur über diefen roichtigen Zroeig unterer Archi-
tektur oon Jahr zu Jahr
bedeutend erweitert, es
ift uiel darum geftritten
morden, ob der feldmeffer,
der Ingenieur, derVerkehrs-
techniker oder der Architekt
hier das entfcheidende und
let3te Wort zu fprechen
habe, und es hat nicht
an heftigen Kämpfen ge-
fehlt, um diefer oder jener
Richtung noch mehrGeltung
zu oerfchaffen. Dabei roill
es faft fcheinen, als ob man
über dem fleißigen Studium
und dem Streiten hin und
her die praktifche Haupt-
fache ganz oernachläffigf
hätte: den Bau der Städte.

Was der Ingenieur, der
Sozialpolitiker, der feld-
meffer und der Verkehrs-
techniker leihen, ift durch-
aus erforderlich und fonach
berechtigt, aber fie alle er-
bauen im leßten Grunde
nicht die Stadt, fondern
beftellen nur das feld und
legen die Saat für die
künftige Crnte. Die Stadt
aber bauen die Archi-
tekten, fie find in letzter
£inie üerantroortlich für
ihre Zweckmäßigkeit, ihre
Hygiene und ihre Schönheit.

Die neueren Garten-
ftädte, bei deren Aufbau
zum eilten Riale moderne

Städtebauliche Regeln praktifch oerroirklicht wurden, möchte ich für die
Bewegung des modernen Städtebaues als ebenfo wichtig bezeichnen
wie die ganze Städtebauliche Hiteratur. Hier konnten erftmals die
gefundenen Grundlage in großem Rlaße zur lebendigen form um-
gewandelt werden, der Schnelle Aufbau der Gartenstädte lief] die

Gedanken rafch zur Tat
werden, der Schöpfer des
ftädtebaulichen Grundriffes
durfte gleichzeitig den Auf-
rif3 feiner ftädtebaulichen Ge-
bilde emporwachfen fehen.
Wie feiten erleben das
Städtebauer in anderen
fällen 1

Alan hat dort nicht
nur an den Grundriß ge-
dacht, fondern fich Schon
beim (entwerfen des Be-
bauungsplanes über feinen
Aufrif] Rechenschaft ge-
geben. Wie große Vernach-
läffigungen in diefer Be-
ziehung heute noch be-
gangen werden, kann man
aus zahlreichen Program-
men zu Wettbewerben für
Bebauungspläne entneh-
men, die weder über die
Art der neu zu errichten-
den Gebäude, noch über
ihre Höhen und räumlichen
Ausdehnungen Vorschriften
enthalten. Cs ift felbft-
nerftändlich, daß man eine
zweckmäßige Blockeintei-
lung nur oornehmen kann,
wenn man hierüber ganz
genau unterrichtet ift.

Die Vorfchriften aber
über Höhe und grund-
räumliche Ausdehnung der
Gebäude werden durch die
Bauordnung geregelt. Bau-

Schilling und Graebner,
Dresden

Reubau der Ortskranken-
kaffe in Dresden. Cingang.

Architektonische Rundtchau 1913
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