Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 35
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Ridda Rümelin, manchen

Stuckreliefs in der Kuppelhalle des Kunftgebäudes in Stuttgart

Rondellen beherrfcht. Diefes Bild oeranfchaulicht die Radierung
non 1812 (Rbb. Seite 34),

Das 19. Jahrhundert hat dann diele ganze Anlage mit dem
Schlofjplat] ausgelchmückt, es entltand der Königsbau, lo dal) der
gärtnerilch prächtigeSchlo^pla^ nun abgekhloflen dalag. Der urfprüng-
liche Kolonnadenbau fand eine gemilderte Verwirklichung in der Er-
ftellung zweier Kaltanienalleen. Über dielen Zuftand gibt uns eine Stein-
zeichnung nom Anfang der fechziger Jahre Auflchlufj (Abb. unten).
Später kam dann der Olgabau neben das Theater, und der Schlofjplatj
rourde durch zroei weitere Baumreihen für lieh abgelchloflen.*) Die An-
lagen wurden hinter der Schlofjleite erltmals durchlchnitten, und damit
waren die denkbar fchwieriglten \70rauskf3ungen für die Aeubebauung
des alten Hoftheaterplatjes gegeben. Theodor non Tilcher wählte

*) Damit mar die organifche Einheit uon Schlofjhof und Schlofjplat;
zerltört, der harmonilche Kontralt ztoifchen den Saffaden des Schlaffes und
des Königsbaues aufgehoben, diefer lei;fere in feiner beabfichtigfen Wirkung
fehuuer beeinträchtigt. Es ift deshalb fehr zu ruünfchen, daf; man recht bald
einer Anregung Theodor uon Tifchers folgt und menigftens die dem Schlöffe zu-
nächftftehende Baumreihe befeitigt und auch fonft mehr Ruhe und Einheit-
lichkeit in die Anlagen des Schlofjplatjes zu bringen uerfucht. Der Herausgeber.

dafür, durch den Zweck des Gebäudes lehr untcrltütjt, eine gedrückte
Anlage, einmal als Bindeglied zwilchen Schloß und Olgabau, lo-
dann als Überleitung zu einer uorgeahnten oollen Plat3mauer am
Beginn der Anlagen, oder aber als Ablprung zu dem durch die
Befähigung der darum herumziehenden Strafje wiederentltehenden
Garten.

Damit wäre die Entwicklung diefer Schlo^anlage bis in die
neuelte Zeit uerfolgt. Es ift denn auch bis zum Anfang des
19. Jahrhunderts die Gefchichte der baugelchichtlichen Entwicklung
Stuttgarts hauptlächlich die Gefchichte diefer Schlofjanlagen. Reben
dem etwas zurückftehenden Wachstum des eigentlichen Stadt-
bildes entwickelten lieh diefe zu einer ausgedehnten Refidenz.
So hatte das 19. Jahrhundert die eigentliche Entwicklung der
Stadt zu Dollbringen. Zunächft beginnen einige Strafjenziige das
Gebiet nördlich des neuen Schlaffes der Bebauung zu erkhlie^en,
auch fiidlich, dahinter, wird die erffe Straf3e angelegt. Das nörd-
liche Gebiet indes, mit der oberen Vorftadt nerbunden, entaiickelt
fich zu einem neuen Stadtteil, in den auch eine Anzahl neuer
Staatsgebäude gekeilt wurden. Aber immer war diefe Bebauung
noch eine laiche des Talkeffelbettes. Als dann in der zweiten

Umgebung des Schlaffes
in ihrer künftigen Geftalt

I. llcues Schlaf;. II. Altes Schlot;. 111. Königs-
bau. IV. Kunftgebäude. V. Reue Bahnhof-
gegend. VI. Bahnhof. VII. lleue marftall-
bebauung. VIII. Hoftheater. IX. neuer
inarftall. X. Akademie

Schlof3plat3 zu Anfang der 1860 er Jahre, nach einer Steinzeichnung uon Friedrich Wagner

Architektonifche Rundfchau 1015
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