Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 42
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friedrich Schultj, Stadt- Wetterhäuschen am

baurat in Bielefeld Oberntor in Bielefeld

prächtigen Kaftanien, dämpfen begütigend die unerfreulichen Diffo-
nanzen, die auf Koften einer ftädtebaulich großen Vergangenheit
feit der mitte des 19. Jahrhunderts in Düffeldorf einzogen.

Es iff natürlich nerfehlt, für Dinge, die in den Anfchauungen
einer ganzen Zeit begründet find, einzelne Perfonen oder die Stadt
oerantmortlich zu machen, Es mar eben künftlerifch ein Unglück,
dafj der grofje kommerzielle Auffchwung Düffeldorfs mit feinen
Stadterroeiterungen und Umbauten in der Rltftadt, der feit den
fiebziger Jahren des dahingegangenen Jahrhunderts geradezu mit
Siebenmeilenftiefeln norroärtsfchritt, in eine Zeit fiel, die bau-
künftlerifch den unerfreulichften Tiefffand darftellt, die Reurenaif-
fance der „Gründerzeit“.

Aber in Düffeldorf roächft doch allmählich die Einficht, dafj
man zur Ehrenrettung der rheinifchen Kunft- und Garfenftadt bau-
künftlerifch etroas unternehmen mufj. Die beiden Rachbarftädte
Effen an der Ruhr und Köln dürften ja das künftlerifche Geroiffen
Düffeldorfs nicht ruhen laffen.

Effen, die ganz zu Unrecht als düfter und fchmufjig oer-
fchriene Jnduftrie- und Kohlenftadt, hat in den lebten Jahren eine
bauliche Entroicklung aufzumeifen, mit der Düffeldorf gar nicht
mehr wetteifern kann. Villen- und Arbeiterkolonien der firma
Krupp und der Stadtoerroaltung, die ftädtebaulich roirkungsooll
angelegte Kolonie der ITlargarete-Krupp-Stiftung non Georg ITletjen-
dorf, die prioate Bautätigkeit, die ITlonumentalbauten uon Wilhelm
Kreis-Düffeldorf und Edmund Körner-Darmftadf haben der Stadt
eine ganz neue und hächft fympathifche Phyfiognomie gegeben.

In Köln liegen die Verhältniffe in den Vorortskolonien und
neuen Gartenanlagen ähnlich. Im Innern der Stadt regt lieh eine
bauliche Tätigkeit, die eine einheitlich geftaltende Hand leitet.
Die neue Bebauung am „Dau“, die Durchbrüche in der Zeppelin-
ftrafje mit monumentalen Verkaufshäufern und in der Hohen Strafje
zum Rhein find fehensmert.

Der grofje Wettbewerb für einen generellen Bebauungsplan
für Grofj-Düffeidorf und die im (vergangenen Jahre im Anfchlufj
daran ftattgefundene grofje Städteausffellung zeigen nun auch in

Düffeldorf ein neues baukünftlerifches Wollen. Düffel-
darf fteht uor umfangreichen Bauunternehmungen.
Reue ITlonumentalbauten, das Rathaus, das ITlu-
feum, das Theater, die Kunftgewerbefchule und
Kunftakademie, die Tonhalle ufw. werden in Zu-
kunft — hoffentlich — die heute ausdruckslofe
und langweilige Silhouette des Stadtbildes mit
ihren einfehneidenden Akzenten bereichern und
beleben!

Die erfte diefer llJonumentalanlagen, die zur
Ausführung kommen fall, ift der Reu bau der
Kunftakademie. Wenn fich im Jahre 1915 die
Pforten zu der im großen Stil geplanten Ausheilung
„Hundert Jahre Kunft und Kultur“ zur Erinnerung
an die hundertjährige Vereinigung der Stadt mit
der Krone Preufjens öffnen werden, fo halten die
Kunftjünger in den Reubau ihren Einzug.

Das neue Akademiegebäude ift non program-
matifcher Bedeutung. Akademiegebäude ift eigent-
lich nicht die richtige Bezeichnung. Alan miiljte
tagen Akademiebauten. Es handelt fich eben nicht
um einen einzigen repräfentatiuen ITlonumentalbau,
fondern um eine ganze Reihe uon Ateliergebäuden,
die fich auf einem ausgedehnten Gelände im Stile
englifcher oder amerikanifcher „Golleges“ um einen
Verwaltungsbau gruppieren, eine Kolonie uon
Kiinftlerateliers für Bildhauer, Candfchafts- und Tier-
maler, für kirchliche Kunft und die einzelnen ITlal-
klaffen. Das Programm wird uarausfichtlich noch
eine wefenfliche Bereicherung erfahren, da an die
Akademie noch eine auf breiter Bafis aufgebaute
Architekturabteilung angegliedert werden fall.

Die bisherigen Akademiebauten, die Vereinigung
der teilweife fehr umfangreichen Ateliers in einem mehrftöckigen
IRonumenfalbau, führen zu räumlichen und baukünfflerifchen Un-
zuträglichkeiten. Der Bildhauer fall doch die Wirkung feiner Plaftik
im freilicht prüfen, der Tier- und Eandfchaffsmaler auf dem Gelände
der Kunftakademie oor der Ratur malen können. Die Ateliers
für kirchliche Kunft und ITlofaikfchmuck uerlangen, um auch hier
die Wirkung der anzufertigenden Arbeiten prüfen zu können, nach
grofjen Räumlichkeiten. Das gab dem Reubau der Düffeldorfer
Kunftakademie ein nollkommen neues Programm: Das Hauptgebäude,
die einzelnen Ateliers und die Gartenanlage der Umgebung wollen
eine einheitliche baukünfflerifche Kompofition geben, die fich auch
einer benachbarten, gleichzeitig zu entwerfenden Villenkolonie im
Stadfplan anzupaffen hat.

Die Aufgabe, die der Reubau der Kunftakademie ftellt, ift in
hohem ITlafje intereffant und nerlockend, und es ift überrafchend,
wie wenig „Ramen“ fich an dem ausgefchriebenen Wettbewerb be-
teiligt haben, weder Behrens, noch Bonatj, Theodor fifcher oder
Wilhelm Kreis. Das Gefamtergebnis des Wettbewerbes war eine
überreichende Enttäufchung. Aus einer fülle mehr oder weniger
gefchickter Verfuche ragt eigentlich nur ein Entwurf heraus, der fich
in feiner architekfonifchen Reife und fachlichen Durcharbeitung zu
einer Ausführung empfahl und mit Recht an erfter Stelle preis*
gekrönt wurde, der Entwurf „Heros Akademos“ oon Karl Wach
und Heinrich Beck in Jfernhagen, der auch als Unterlage für
den nun bald in Angriff zu nehmenden Reubau beffimmf ift
(Abb. Tafel 151 — 140 und S. 41).

Die Zufahrt uon der Stadt, der Abfchlufj einer Gartenanlage
und Hauptzugang zu der Akademie ift oon groljer Wirkung. Die
front des Hauptgebäudes oerbinden Arkaden, elliptifch angelegt,
mit den feitlichen Paoillans der Dienftwohnungen des Hausmeifters
und Akademieinfpektors. Der fo gegebene Wechfel im Rlafjftab
begünftigt eine fehr oorteilhafte Steigerung des Hauptgebäudes.
Eine Gartenanlage, regelmäfjig zu der Hauptfront komponiert, und
Zierbrunnen teilen den Akademieoorplatj auf.

Das Hauptgebäude ift für die Verwaltung, die Bibliothek, Vor-

flrchitektonifche Rundfchau 1915
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