Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 54
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Gmil Tudwig, ITlünchen Getchäffshaus der JTlünchener Zeitung. (V7ergl. Tafel 180)

Beton mit Rauhpuß. Die Wandfarbe,
ein fein abgeftuftes Grau, kanfraffiert
rairkfam mit dem Rot der falzziegel-
dächer. Die Kotten betragen fatt
10 ITlillionen ITlark.

Der Porwurf einer klerikalen
Rückttändigkeit im Bildungsroeten,
den man der gegenwärtigen bayritchen
Staatsleitung fo häufig macht, trifft
mindeftens nicht auf die Bauten zu,
die den höheren Bildungsztoecken in
ITlünchen dienen. Der Ausbau unterer
Unioertität durch G.Bettelmeyer
hat der Retidenz zu einer Sehens-
roürdigkeit uon hohem Range oer-
holfen. Bei dem Grweiferungsbau
unterer T e ch n i t ch e n H o ch t ch u 1 e,
den Friedrich non Thiertch enf-
roorfen hat, mar die Aufgabe ein-
facher und mehr auf rein praktitche
Schulztnecke eingettellt als auf Zcnecke
der monumentalen Reprätentation.
Infolgedetten prätentieren tich die An-
bauten, die im Rücken der alten
italienitchen Renaittancepalattfattade
der Hochtchule kürzlich eröffnet rour-
den, als einfache graue Pußbeton-
fronfen. Tediglich an einer Schaufelte
ragt ein maftioer Treppenturm mit
angebautem Saal durch dekoratioe
Ausbildung heroor. Ginige nicht tehr
beträchtliche Plattik tchmückt das
Portal, eine Kupferhaube fchließf das
quadratitch durchgeführte niauerroerk
des Turmes ab, und im Innern fehlt
es nicht an einer getchmackoollen
Perroendung dunkelgrünen ITlarmors
im Treppenhaute. Die nier geräumigen
Hallen, in denen die Taboratorien mit
allerhand technitchen matchinen und
Geräten untergebracht find, liegen
im Hofe und kommen architektonitch
weiter nicht zur Geltung.

auch nicht immer zu den ITlonumentalbauten der Stadt gehört, doch zu beachten itt. Zunächtt
der Aeubau des Perkehrsminitteriums non Karl Hocheder. Gs liegt nicht gerade
günttig in der Tlähe des Hauptbahnhofes, nach dem Pierfel der Brauereien zu, und kommt
dort als baukünttleritches Zentrum nicht tehr in Betracht. Gbentowenig wie das oorfreffliche
Hauptzallamt tchräg gegenüber, non dem die Teter bereits durch Abbildungen unterrichtet
find (Heft 1 diefes Jahrganges). Die Tage des minitteriurns mar durch feine mannigfachen
Zwecke bedingt, denn es enthält zugleich das Zentralbriefpoftamt, das durch eine Unter-
grundbahn mit dem Hauptbahnhof uerbunden itt. Daher die tehr ttatfliche überbaute Grund-
fläche im Getamtmaße non 13 280 qm. Gs war nicht zuletzt eine gefchickte Sfraßenüberbauung
der Grund, weshalb Hocheder teinerzeit die Ausführung des Baues erhielt. Sein Grundriß
zeichnet tich auch tontt durch klare Zweckmäßigkeit aus. Die zahlreichen Bureauräume find
auf uertchiedene Bauglieder oerfeilt, der früher fo beliebte kompakte Baublock itt uermieden.

Gin tehr ftaftlicher Kuppelturm, in der Höhe oon offenen Säulengalerien umgeben, bekrönt
die Anlage in einer Höhe oon 70 m und über einem konttruktio interettanten elliptitchen
Grundbau (Durchmetfer 32 m). für die formen der Außenarchifekfur bediente tich Hocheder
der oon ihm befonders beoorzugfen Sprache des tüddeuttchen Barocks. Gs itt merkwürdig,
wie tehr die ziemlich ausgiebigen flügelbaufen durch die doppelt abgewalmfen ITlanfarden-
dächer, durch Simte, Grker und Dachbekrönungen einen Zug ins Gemütliche bekommen haben.

Die Haupffront, die mit abgetchrägfen und oorgemölbfen Giebeln, Polufen, reicher Porfalplaffik
(liehe Tafel 5) und fontfigen barocken JTlofioen ertichtlich einen wuchtigen Gindruck zu machen
beftrebf itt, wirkt eher unruhig als monumental. Das oerwendete JTlaterial itt tehr fchön und
auch wirktam angewandt; an den beuorzugten Teilen graue Werktfeine in Tuff, und an Bronze oom Kgl. Hoftheafer

einigen Portalen roter Kalk; fflutchelkalk für den getarnten Sockel, alle übrigen fronten find (Kleines Haus) in Stuttgart

flrchifekfonüche Rundkhau 1913
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