Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 55
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Cinen lehr erfreulichen Ge-
winn, insbefondere für den ohne-
dies baulich benorzugten Stadt-
teil Schroabing, bedeutet der lleu-
bau des ITlaximilians-Gym-
nafiums, das mit einem Real-
gymnafium nach dem Cntrourf
non Bauamtsaffeffor K. Höpfel
zu einer ftattlichen Einheit uer-
bunden ift. Die Gruppe hat auf
den erlten Blick faft efroas
Kläfterliches, roeniger durch ihre
Abgefchloffenheit — fie öffnet
fich beifpielsroeife nach Horden
mit einem behaglich breitenTor—
als oielmehr dadurch, daß hier
die mannigfaltigen Bauglieder
über einem ettuas unregelmäßig gefchnittenen
Grundftück zu einem lebendig bewegten
Organismus zufammengefchloffen find, roie er
uns an alten Klofteranlagen fo häufig be-
gegnet. Jüan lieht große, ruhige Dachlinien
und mäßig eingekrümmte oder uorgeroölbte
Straßenfronten, die durch den unregelmäßigen
Zufchnitt des Geländes bedingt waren. Runde
Treppentürme treten heroor, über den Portalen
erheben fich, ein wenig oorgezogen, die Spiß-
giebel, hier und da Don einem hübfchen Dach-
reiter bekrönt, und das Realgymnafium rühmt
fich fogar eines ftattlichen Uhrturmes, der
Dielleicht nicht unbedingt nötig mar, aber doch
architektonifch ganz erfreulich roirkt. Bild-
nerifcher Schmuck in gediegener Ausführung
belebt die einzelnen Bauteile. Sie find an den
Straßengrenzen entlang geführt und frieden
derart einen ziemlich geräumigen Hof ein, der
architektonifch ebenfo forgfältig behandelt ift

Ornamentale füllung und Schlußftein in
Stein, ausgeführt in der Don K. Killer gelei-
teten fachfchule für Bildhauer inlTlünchen

roie die äußeren Schaufeifen. mit
feinen gelben Pußtoänden, dem
roten Ziegeldach, den roeißen
fenfterkreuzen und gelegentlich
uerroendeten grünen fenfterläden
iDahrt diefer moderne Schulbau
durchaus die gute Tradition, die
die ITlünchener ftädtifchen
Schulen fo uorbildlich begründet
haben. Der guten Haltung nach
außen entfpricht ein fehr geroähl-
ter Gefchmack im Innern. Die
Konferenz- undCehrerzimmer, die
Turnhallen, die mit ihren uer-
täfelten Wänden zugleich als feft-
räume dienen und alfo die Aula
überflüffig machen, laffen er-
kennen, daß ITlünchen ein Siß des modernen
Kunftgeroerbes ift.

Auf untere neuen ff ä d t i f ch e n S ch u 1 e n
einzugehen, fehlt es hier an Raum. 6s roerden
jährlich annähernd zroei große neue Gebäude
errichtet. In den leßfen Jahren ift neben den
bewährten Baumeiftern Bert Ich, Gräffel und
Schachner befonders R. Rehlen mit guten
Pöfungen hernorgetrefen. Inmitten der fchlecht
und recht zufammengeflickten Prolefarieroierfel
erfcheinen diele anmutig gegliederten hellen
Pußbauten mit ihren hohen Ziegeldächern, ge-
mütlichen Terraffen und einladenden Portalen
nicht nur geiftig, fondern auch äfthetifch roie
eine Zufluchfsftäfte; fie oerfinnbildlichen aufs
glücklichfte die mütterlichen Aufgaben einer
richtig geleiteten Anhalt für die Bildung und
Aufklärung unterer Uolksjugend. lAan kann
getroft behaupten, daß durch diefe oortreffliche
Baupalifik der Stadt für ihre Schulen der roeit

Bildhauer 0. Reich, ITlünchen
Keramifche Plaftik in dem Cafe fürftenhof in ITlünchen

konfernatiuere Staat ge-
nötigt rourde, mitzumachen
und feine Schulneubauten
gleichfalls auf ein höheres
gefchmackuolles llioeau zu
bringen.

Der umfangreichfte Bau,
den die Gemeinde in leßfer
Zeit nollendet hat, ift die
Groß markt halle Dan
R. Schachner.*) Der fehr
ausgedehnte dreifchiffige
Betonbau ift nach rein prak-
tifchen Crroägungen zroeck-
mäßig gegliedert, es roar
auf bequeme Zufuhr foroohl
üon den Straßen roie oon
den Schienen des Südbahn-
hofes her beim Grundriffe
Bedacht zu nehmen. Archi-
tekfonifch roill der Bau
nicht bedeutfamer fein, als
er feinem nüßlichenDafeins-
zroeck nach fein kann.

*) Anmerkung der
Redaktion. Wir roerden
dielen Bau zugleich mit einigen
anderen Arbeiten Schachners
in einem fpäteren Heft uer-
öff entliehen.

Bildhauer 0. Reich, ITlünchen
Keramifche Plaftik in dem Cafe' ?ürftenhof in ITlünchen

Archifektonifche Rundfchau 1915
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