Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 57
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Julius Seidler, Bildhauer, manchen

Steinrelief an der Chirurgifchen Klinik in manchen

beleben, fine ähnlich gleichmäßige Abmeffung der Gefchoffe hat
dietelbe firma dem Reubau des altehrroürdigen Stufflerhautes
gegenüber dem Hoftheater gegeben. Als reine Stilarchitektur älteren
Schlages, an der fogar die künftlich gefugte Ruttika aus glattem
Puß nicht fehlt, [teilt [ich der Reubau der Bayerischen Ver-
ficherungsbank in der Tudwigftraße dar (Tafel 181), der, roie
der Grundriß zeigt, feine Hauptausdehnung nach der rückwärtigen,
nicht fichtbaren front erhalten mußte. Übrigens uerliert die ehr-
würdige Hudwigftraße ihren feierlichen Staatscharakter mehr und

mehr: die alten uerfchloffenen Palaftfronten find zwar noch da,
aber fie werden neuerdings immer häufiger durchbrochen, fchon
hat [ich ein Cafe aufgefan, hier und da fieht man das Palaftfenfter
zum Schaufenfter erweitert, und wie lange wird es noch dauern,
fo machen die öffentlichen Gebäude, Schulen, Konfulate ufw. oiel-
leicht modernen Warenhäufern Plaß. Vorläufig ift es ja noch nicht
fo weit, und es wäre gewiß auch fchade, wenn die zwar akademifch
kühle, aber doch unleugbare ITlonumentalität diefer Königftraße
unterbrochen würde; zu oerhindern wird es aber kaum fein.

Cin Gefchäftshaus wie „Der Tindmurmhof“
(Tafel 190) oon den Gebrüdern Rank wirkt in
Rlünchen faft fchon wie ein Wagnis. Wir find ja bei
uns keine fechs Stockwerke gewöhnt, und auch die
immerhin beträchtliche Ausdehnung des getarnten
Baublockes ift nicht eben häufig, befanders nicht in
der bereits oorftädtifchen Gegend, wo dies Gebäude
fteht. Durch die Bahnunterführung der lebhaften
Verkehrsftraße war es möglich, einen Baukö'rper oon
diefer beträchtlichen Höhe zu errichten. Die Archi-
tekten haben die Häufung der Stockwerke gefchickt
zu korrigieren gefucht durch Aufteilung der Wand-
flächen in oorkragende Horizonfalmaffen und ein-
gezogene Giebelwände. Dementfprechend wechfeln
die fenftermaße. Der leichten Unruhe, die durch diefe
mannigfaltige Bewegung und Profilierung der Schau-
feiten entfteht, wirken die betonten Spißgiebeldächer
kräftig entgegen, die über das zurückgefeßte oberfte
Gefchoß energifch herabgezogen find.

Daß ITlünchen eine fremdenftadt ift, merkt
man am beften im Bahnhofsoiertel und auf dem
Wege oon hier zur inneren Stadt. Hier find gerade
im leßten Jahre manche Häuter in den Staub gefunken,
die eigentlich noch gar nicht altersfchwach waren,
freilich, gealtert find fie, troßdem fie erft oierzig bis
fünfzig Jahre ftanden, ziemlich rafch. Sie repräfen-
tierten den Gefchmack der Gründerzeit, alfo ift es
nicht fonderlich fchade um ihr frühes Cnde. Was an
ihre Stelle kommt, pflegt architektonifch gefittefer
aufzufreten, man baut nreiftens Hotels, auch Wirts-
häufer und Cafes. Befonders in den Hotelunter-
nehmungen werden ganz beträchtliche Summen an-
gelegt. So wandert man heute oom Hauptbahnhof

Diill & Pezold, Bildhauer, ITlünchen

figuren oor dem Haufe des
Kunfthändlers Drey in ITlünchen

flrchitektonifche Rurtdfchau 1915
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