Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 58
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recht überhäufte dekoratiue Ausffaffung im Innern, die nur in Einzel-
heiten gelungen itt, den Getchmack eines Unternehmertums, das Sich
zroeifellos auf die Inttinkfe feines Publikums uerffehf.

Das Ulaffenmiethaus hat auch in Ulünchen feine bäten
Spuren hinferlaffen. Ganz grolle Viertel, die im Stil der fiebziger
und achtziger fahre mit ihren billigen Palaftfronten öde genug die
Stral^enzüge füllen, zeugen dauern. Aber fchon feit einer Reihe
uon fahren haben unfere beiten Architekten, der uerftorbene Gabriel
uon Seidl Daran, an einer Befferung diefer Zuftände gearbeitet,
lleuerdings ift befonders R i ch a rd Berndl, uon dem das heutige
Heft mehrere infereffante Enfroürfe für andere Aufgaben zeigt
(Tafel 182—185), mit fehr gelungenen Höflingen auch für diefes
Gebiet heruorgefreten. Alan rühmt feinen ffattlichen Aliethaus-
gruppen in Aymphenburg eine klare Anlage der Wohnungsgrundriffe
nach. Durch reizuoll geffaltefe faffaden nehmen fie äußerlich für
fich ein und tuchen auch durch die liebeuolle Ausbildung der uor-
gelagerten Terraffen mit Garfenhäuschen dem fammer der ITliet-
kaferne enfgegenzumirken. f. uon Thier Ich ftrebt in feinen
Wohnhäufern (Tafel 186) mit Erfolg eine roürdige Palafthaltung an,
zu der die uermutlich fehr ausgiebigen Raumuerhältniffe der Etagen-
roohnungen auch berechtigen dürften. Bürgerlich fchlichter hat
0 s tu a 1 d S ch i 11 e r feine miethausgruppe in Bogenhaufen
(Tafel 188—189) geftalfef. Die ausgerundeten Erker und Taggien
roirken nicht als dekoratiue Zutaten, fondern als konftruktiue Raum-
elemenfe, befonders die originelle Art, tuie die Toggien zur Be-
lebung der Schaufeite benutjt und in die behaglichen Erkerformen
des Dachgefchoffes übergeführt find, ift erfreulich. Durch die Ver-
doppelung der Sirnfe cuird die Höhe der fünf Gefchoffe für das
Auge gemildert. Sparfam uerfeilfer bildnerifcher Schmuck belebt
die Wandflächen und Portale.

Die Vorftadt Bogenhaufen fcheinf auch fonff trofj der gegen-
roärtig geringen Bauluff eine gute bauliche Zukunft zu haben. Es
bildet fich hier, begünftigf durch uortreffliche Verkehrsuerbindungen,
ein elegantes Wohnuiertel aus, das aus fogenannten herrfchaft-
lichen miethäufern und Einzeltuohnhäufern fich zufammen-
feljt. Unter den letzteren fallen befonders die Bauten uon Theo-
dor Veil & Her ms durch uollendefen Gefchmack angenehm

Teilanfichf der miethausgruppe W. Weigand
in münchen. (Vergl. Tafel 188)

Osroald Schiller,
münchen

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Portal an der miefhausgruppe W. Weigand
in münchen. (Vergl. Tafel 188)

zum alten niarienplai], durchs Karlstor hindurch und an der lllichaels-
kirche uorbei durch eine richtige fremdengaffe.

Zuerff fällt das neue Hotel Excelfior auf, ein ftumpfgelber
Betonbau mit ganz anffän-
digen faffaden, uon der firma
Heilmann & Tittmann er-
baut, die auch den Aeubau
des Hotels Belleuue nach
dem Enfruurf uon ITlüIler-
Erkelenz am Karlsplatj aus-
geführt haben. Die Aeuheit
befteht hier freilich in einer
uergröfjerten Wiederholung des
buntbemalten alten Baues mit
feinen Doppelgiebeln. Schön
mar er nicht, und fo hätte es
nichts gefchadet, cuenn gerade
an diefer exponierten Stelle
des inneren Stadtbildes eine
andere Tötung gefunden mor-
den märe. Indeffen hat man
menigftens die allzu prunk-
haft imitierende Verroendung
uon Sfucco lustro im Innern
uermieden und einmandfreiere
Alaterialien beuorzugt. Auf
dem roeiteren Wege zur Innen-
ftadt begegnen uns uerfchie-
dene moderne Cafes, in denen
mit mehr oder roeniger Eleganz
nach Berliner ITlufter „Be-
trieb" gemacht mird. Archi-
tektonifch unbeträchtlich, kenn- Osroald Schiller,
zeichnen fie durch die zum Teil münchen

flrchitekfonifche Rundfchau 1915
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