Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: 59
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auf. Obgleich es ja nichts neues ift, überreicht es doch, zu iehen,
wie infolge der nerichiedenen Bauflucht der Ginzelhäufer gleichiam ein
künftleriicher fitem durch die itarren Baumaiien roeht, roie hier ein
Haus mit hübichem Grker unmittelbar an die Strafje herantritt, dort mit
feinem ITlittelbau oder mit der ganzen front bis in die Tiefe des Grund-
itückes zurückroeichf, um dem Garten den Vertritt zu laffen. Gin Doppel-
roohnhaus iteht da, mie ein kleines ländliches Schloß, und man ficht
ihm nicht an, dafj durch den ITlittelrifaliten die Scheidewand hindurch-
geht. mit ganz ähnlichen Hütteln haben die Architekten C. Jäger und
f. fehmann eine Reihe hübfeher, ungemein wohnlicher Ginfamilien-
häufer erbaut, zumeiif im fchlichten Rauhputj mit roten Ziegeldächern,
aber gut und klar in den flbmeiiungen. So iff es kein Wunder, wenn
auch in manchen der Drang nach dem Ginfamilienhaufe, der fich ja
überall in den Grofjftädfen bemerkbar macht, non Jahr zu Jahr zunimmf.

Um weitere Beiipiele für diele erfreuliche Tatfache zu bieten, miifjte
man freilich auf die Vo rorfe wandern, die den ohnedies weifgedehnten
Burgfrieden ITlünchens im großen Bogen umgeben. Dabei würde man
denn auch auf mehrere höchft gelungene ländliche Wirtshausbaufen
ffofjen, befonders im Jfartal, feit alters die beliebfeffe Ausflugsgegend
der ITlünchener. Doch diefes Kapitel heben wir beffer für eine fpäfere
Gelegenheit auf.

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Reuere ITlünchener Hrchifekfurplalfik

Von Alexander Heilmeyer-lTlünchen

Die tektonifche Bedingtheit plaftifcher Schmuckformen iff eine neuere
Grkenntnis. Sie wurde den Bildhauern eilt zuteil, als fie beim
Studium der alten Architekturwerke wieder die Bedingungen der
alten Ausdrucksformen der Architekturplaftik erkannten. Die mit Plaffik

Karl Killer, Bild- Karyatiden an einem

flauer, ITlünchen Hauseingange

Gruft Pfeifer, Bild- Portal am Aeubau des Kgl.

hauer, ITlünchen Polytechnikums in lllünchen

gefchmückten faffaden alter Häufer und Paläffe faljfen die
fkulpfuralen formen mit den archifekfonifchen nicht nur in
eine mafjftäbliche Ginheif, fondern auch in einen einheit-
lichen plaftifchen Grfcheinungszufammenhang zufammen, in
das, was wir Relief Wirkung der faffade nennen
wollen. Die ITlünchener Architekturbildhauer waren die
erffen, welche fich diefe Grkennfniffe nutzbar machten.

flicht weniger erfolgreich ftudierfen fie alte Arbeifs-
weifen und Techniken. Die Orientierung, welche Hildebrand
durch fein Problem der form den Bildhauern gab, wirkte
oor allem befruchtend auf die raumfchmückende Archifektur-
plaftik ein. Befandere Wirkfamkeif erlangte fie für die Gnt-
wicklung der Steinbildhauerei. Gs entftanden wie bei alten
Bauten wieder Sfeinme^hüften, in denen die Bauplaftik
wieder in unmittelbare Beziehung zur Architektur treten
konnte. Der ausgezeichnete Grfolg diefer Kunffübung iff heute
an allen guten münchener Bauten fichtbar. Hier wurde auch
die alte Stukkofechnik zuerff geübt und non Grnff Pfeifer
und Aidda Rümelin wieder in ihrem urfprünglichen Sinn
angewandt. Der non Aidda Rümelin im neuen Stuttgarter
Kunffausffellungsgebäude hergeffellte Cafernenfchmuck zeigt,
mit welcher Virtualität heute wieder falche Sfukkoarbeiten
ausgeführf werden (Seife 34 und 35 in Heft 8 und Seife 60).

Welch weiter und reicher Wirkungskreis der modernen
Architekturplaftik zukommf und welch reizuolle Aufgaben
fie im und am Haufe zu geffalfen hat, laffen die hier mif-
gefeilten Bilder erkennen. Gs finden dabei alle Arten non
Plaffik, Holz, Stein, Bronze, Sfukko und keramifche Plaftik,

flrchitektonifche Rundfchau 1915
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