Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: Tafel 17-18
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Kgl. Hauptzollamt an der Candsbergerftrafje in ITUinchen (Tafel 7—13)

ITeubau des Kgl. Hauptzollamts an der Candsbergerftrafje in manchen

Die Ifeubauten Umfallen die Technifche Prüfungs- und Cehranftalt und
die eigentliche Hauptzollamtsanlage. Der Technifchen Prüfungs- und Cehr-
anftalt, die mit der eigentlichen Hauptzollamtsanlage räumlich oerbunden
ift, obliegt die Vornahme aller für zoll- und fteuerdienftliche Zwecke erfor-
derlichen Warenunterfuchungen und die Abgabe oon Gutachten hierüber,
dann die Abgabe fonftiger durch den Vollzug der Zoll- und Steuergefe^e
oeranlafjter technifcher Gutachten ; endlich die Abhaltung non praktifchen
Uebungen zur technifchen Ausbildung oon Anwärtern des Zoll- und Steuer-
dienftes, foroie oon Zoll- und Steuerbeamten. Dielen Zwecken entfprechend
enthält das Gebäude der Technifchen Prüfungs- und Cehranftalt einen Hör-
faal fowie eine grofje Warenmufterfammlung ; dann Räume für die bei den
Vorträgen benötigten Apparate, eine Dunkelkammer, die fonftigen benötigten
Clebenräume, die Wohnung des Caboratoriums-Dieners, der zugleich Haus-
meiftcr ift; die Caboratorien, ein Zimmer für die Präzifionswagen, ein
mikroskopierzimmer, die Arbeitszimmer der Beamten mit den erforder-
lichen nebenräumen, einige Referoezimmer; ferner die Dienstwohnungen
für den Vorftand der Anftalt und deffen Vertreter, und einen Hausmeifter.

Die Hauptzollamtsanlage umfafjt: 1.) die drei Beamtenwohngebäude und
2.) die Amtsgebäude nebft freilade- und Zollhof. Das Beamtenwohn-
gebäude A enthält aufjer der Wohnung des Amtsoorftandcs im ganzen
15 Wohnungen, das Gebäude B enthält 8 Wohnungen, das Gebäude C
fpeziell für die Oberauffcher beftimmt, enthält 26 Wohnungen. Die Amts-
gebäude umfallen die Zollhalle mit Anbau und das Verwaltungsgebäude.
Das Erdgefchofj der Zollhalle enthält zunächft den Cagerraum, in dem die
Auslandsgüter bis zur Verfügung über dieselben durch die Empfänger unter
Zollaufficht niedergelegt find — die „Dispofitionshalle —“. Die Dispofitions-
halle hat zur Einbringung der Güter 18 Schiebetore, zur Abfuhr der Waren
dienen an der Südfeite der Halle 14 Tore. Zur Dispofitionshalle gehört
auch der am weltlichen Ende der Zollhalle angebaute befondere Raum für
Cuftfahrzeuge und die Terraffe zur Cagerung übelriechender Gegenftände.
Automobile werden bis zur Zollabfertigung in der am Oftende der Anlage
errichteten Automobilhalle, feuergefährliche Waren in der behinderen feuer-
halle untergebracht. Im Anbau befindet lieh die Schalter- und Empfangs-
halle, um welche fich die Bureaus der Zollgüterftelle, frachtbriefausgabe-
Itelle, Eifenbahndeklarationsbeoollmächtigten, Zollbücherführung, Tageskaffe

(Tafel 15)

Architektonische Rundschau 1913.

und die Zimmer für die Parteien, Spediteure etc. gruppieren, ferner der Reoifionsfaal, an den
fich der Raum für die in diefem Saale tätigen Abfertigungsbeamten anfchliefjt. Das Verwaltungs-
gebäude enthält auljer dem Pförtnerzimmer im Erdgefchofj die Bureaus des Oberzollinfpekto'rs,
der Beamten, welche die Warenftatiftik des auswärtigen Handels bearbeiten, des Caboratoriums-
Beamten nebft Caboratorium und Sammlungsraum, im Obergefchofj die Zimmer des Amts-
oorftandes, der Kaffen- und anderer Beamten.

Die Vielgeftaltigkeit des Programmes gab erwünfehten Anlalj zu einer fonft nur in
felfenen fällen erreichbaren Gruppierung der Bauteile, wobei einerfeits entfprechende Verteilung
der Klaffen, andererfeits Erzielung gefchloffener Gruppen und Höfe und tunlichfte Einheitlichkeit
der Gefamtwirkung ins Auge gefafjt wurde, für die Anordnung der Gebäulichkeiten waren
folgende Gefichfspunkte maßgebend: Vollkommene Trennung der Technifchen Prüfungs- und
Cehranftalt oom Hauptzollamte, mit welchem die Prüfungs- und Cehranftalt zwar räumlich, keines-
wegs aber organifch oerbunden ift, Trennung des amtlichen Verkehrs oom Prioatoerkehr zu den
Beamtenmohnungen und des fuhrwerksuerkehrs oom fufjgängeroerkehr, Regelung des fuhr-
werksoerkehrs in einheitlichem fortbewegungsfinn, Anordnung der Amtsräume in möglichft
ruhiger Cage und in tunlichff günftigffer Himmelsrichtung, Schaffung gefundheitlich einwand-
freier Amtsräume für die Abfertigungsbeamten, Herffellung oorbildlicher Wohnungen mit reich-
lichem Ausmafj der programmälpgen Clebenräume.

Das oerfügbare Gelände der Hauptzollamtsanlage hat einen flächenraum oon 35000 qm.
Hieoon find faft 14000 qm überbaut; oon der nicht überbauten fläche zu rund 21000 qm ent-
fallen 4400 qm auf den freiladehof, 3000 qm auf den Zollhof, 3400 qm auf Gleisanlagen,
6000 qm auf Strafen und 4200 qm auf gärtnerifche Anlagen.

Der Vorhof ift durch eine nur mit fparfamen Durchbrechungen oerfehene tTlauer aus
CClufchelkalk mit fchmiedeeifernen Gittertoren gegen die Strafe abgefdiloffen. Zwei Pappelbäume
weifen fchon oon weitem auf den Haupteingang hin. Inmitten des großen Hofes erhebt fich
die feuerhalle, an welche fich die Umwehrung des Rafenfpielpla^es anfchliefjt und nach der
Seite des Zollhofes eine Pferdefränke, nach der Seite des Rafenfpielplatjes ein Zierbrunnen
angegliedert ift. Den plaftifchen Schmuck zu beiden Brunnenanlagen fchuf Bildhauer Drexler
in ITlünchen. An der weftlichen Einfahrt, deren ITlittelpfeiler eine Arbeit des Bildhauers Riediffer
trägt, erhebt fich ein Torwärterhaus. Derfelbe Künftler hat auch den plaftifchen Schmuck
der Portale des Beamtenwohngebäudes A gefchaffen. Die Gartenanlagen dienen, oon dem
als reine Zieranlage gedachten Vorhof abgefehen, teils als gemeinfame Erholungs- und Rafen-
fpielplätje für die Beamtenfamilien, teils als Dienftgärten. — Entfprechend der Gruppierung der
Gebäude wurden die gärtnerifchen Anlagen in einfachen geometrifchen formen gehalten; oon
niedrigen Hecken und Schlingpflanzen wurde ausgiebiger Gebrauch gemacht. Ausgedehnte
Baumpflanzungen, fpenden reichlichen Schatten, für Sitzgelegenheit ift Vorforge getroffen.
Der mit zwei flaggenmaften ausgeffattete Haupteingang zu den Amtsräumen erfuhr eine befondere
Betonung durch einen hochragenden, oon dem kupferbekleideten Uhrtürmchen bekrönten Giebel.

Die oon einem mächtigen Kaffettengewölbe überfpannte und mit einem ITlofaikfufz-
boden ausgeftattete Schalterhalle oon 35 m Cänge, 14,5 m Breite und 14 m Höhe wird
durch hohes Seitenlicht beleuchtet und nach Einbruch der Dunkelheit durch oier mächtige Be-
leuchtungskörper erhellt. Hier haben oier Bänke aus Treuchtlinger marmor Aufhellung gefunden.
Wände und Gewölbe find oollftändig in Eifenbeton hergeftellt. Hier wie auch bei allen anderen,
in diefer Bauweife errichteten Gebäudeteilen war es das gemeinfame Beftreben des Architekten
und des Ingenieurs, für die Eifenbetonkonftruktionen eine äfthetifch befriedigende form zu
finden, die das nachträgliche Aufbringen oon Schmuckformen überflüffig machte. — Die Sfirn-
feiten der Halle werden durch Treppenanlagen aus poliertem ITlufchelkafk gebildet. Diefüdliche
diefer beiden Treppen trägt einen puttenbekrönten Treppenanfänger oon Profeffor Albertshofen
Das Beamtenmohngebäude welches in erfter Cinie die Dienft- und ITlietwohnungen der
höheren Beamten des Hauptzollamfes enthält, wurde am Vorhofe der Hauptzollamtsanlage
errichtet. Die 15 Wohnungen diefes Gebäudes oerteilen fich auf 2 Treppenhäufer. Die faffaden
zeigen reichere Puhausftattung mit Sockel und Portalen aus lAufchelkalk. Drei durch alle
Stockwerke gehende und über Dach geführte Erker find mit Kupfer eingedeckt. Die einfacher
gehaltenen Hoffeiten werden durch die rhythmifche Anordnung der Treppenhäufer und Wirtfchafts-
balkone, fowie durch einfach gegliederte Dachaufbauten belebt. Die innere Ausftattunq ift die
des bürgerlichen Wohnhaufes. In Anbetracht der großen Gebäudehöhe wurden Aufzüge zur
Beförderung oon Brennmaterial, Wafchkörben, Koffern etc. oorgefehen. Als fufjbodenbeläqe
Sind in den Wohnungen der beiden Hausmeifter fichtentafelböde'n, in den übrigen Wohnungen
Eichenriemenböden oerwendet worden. Entstaubungsanlage, elektrifche Beleuchtungsanlage und
Kochgaseinrichtung oeroollftändigen die innere Einrichtung.

fertiggeftellt wurde das Gebäude der Technifchen Prüfungs- und Cehranftalt zum
1. nouember 1910, das Wohngebäude zum 1. lull 1911 und die Hauptzollamtsanlage zum
1. luli 1912.

Vom K. minifteriurn der Finanzen wurde der K. minifterialrat Guftao freiherr
oon Schacky auf Schönfeld mit der Bau-Oberleitung beauftragt. Die Bearbeitung der Ent-
würfe und die Bauleitung wurde dem K. Regierungs- und Bauaffeffor Hugo Kaifer als
Spezialkommiffär übertragen. Bei der künftlerifchen Bearbeitung der Projekte war der Regierungs-
baumeifter Otto Ceitolf, in technifcher und adminiftratioer Hinficht der Regierungsbaumeiftei
lofef Allefcher beteiligt. Bauführer firmkäs leitete oon Anfang an die umfangreiche
Bauausführung.

Die Gesamtausgaben belaufen fich auf rund 8 170 500 m. Daoon find Gefamtgrunder-
merbungskoften 176000 ITl. Die reinen Baukoften der einzelnen Gebäude betragen: a) Zollhalle mit
Bureaugebäude 2 946 000 Hl, b) Automobilhalle 247 000 ITl, c) feuerhalle mit elektrifcher Unter-
ftation 23 000 ITl, d) Torwarthaus 1 8100 Al, e) Tormarthaus II 5400 Al, f) Beamtenmohn-
gebäude A 394 000 m, g) Beamtenwohngebäude B 144 300 ITl, h) ßeamtenmohngebäude C

350900 m, i) Technifche Prüfungs- und Cehr-
anftalt 279 400 m, Summa der reinen Bau-
koften 4 175 800 ITT, k) aufjcrgemöhnliche fun-
dationen 62 000 in, 1) Aufwand für befondere
Einrichtungen in den oorgenannten Gebäuden,
wie : Heizung, Beleuchtung, Installation, Ent-
laubung, Rohrpoft, Aufzüge, Kranen, Wagen,
innere Einrichtung, Baureinigung und Ge-
bühren 811200 Ol, m) Aebenanlagen (Ein-
friedigungen, gärtnerifche Anlagen', Kanal-
anlagen und Wafferleitungen) 490 000 ITl,
zufammen 5 559000 m.

Die Koften der Ausführung betragen fomit
für 1 cbm umbauten Raumes und unter
Berechnung des Rauminhaltes bei der Zoll-
halle mit dem Bureaugebäude oom Keller-
fufjboden bis zu ‘/3 der Dachhöhe (mit Rück-
licht auf die ausgebauten Dachgefchoffe) bei
den übrigen Gebäuden uomKellerfufzboden bis
Hauptgefimsfolgendermafjen: 1) Zollhallefür
1 cbm 15,89 m, 2) Automobilhaile für 1 cbm
10,29 Hl, 3) feuerhalle mit elektrifcher Unter-
Itation für 1 cbm 20,24 ITT, 4) Toi marthaus I
für 1 cbm 13,66 IA, 5) Torwarthaus II (nur
teil weife unterkellert) für 1 cbm 16,60 ITl,

6) Dienftwohngebäude A für 1 cbm 19,00 m,

7) Dienftwohngebäude B für 1 cbm 17 45 ITl

Gefdläftshäufer flnton Ontfl (links) und 3j

Oskar Schmidt (rechts) in ITlünchen (Tafel 6) l cbm 18,30 m.

Theodor fifcher Wohnhaus o. maller

(B.D.fl.), manchen in manchen (Tafel 4)

Theodor Sifcher Wohnhaus Schah in

(B.D.fl.), manchen manchen (Tafel 4)

(Aus „Theodor Sicher, Wohnbauten“. Verlag uon 3. 3. flrnd in Ceipzig.)

Honig & Söldner
(B.D.fl.), manchen.

Viag inTax Schreiber) in Efjlingen a. TI.
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