Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: Tafel 66-67
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lleubau des Stadttheafers in Duisburg.

Von ITlartin Dülfer (B.D.R.), Dresden (Tafel 53—55 und Seite 17)

Der große und für ein Theater ideal gelegene Bauplaß gehaftete
folgerichtige Entwicklung und reichliche Bemeffung der Haupträume mit
den zugehörigen Vor- und nebenräumen, gute Anlage der Treppen und
Eingänge und oorteilhafte Vorkehrungen zur Abwicklung des Verkehrs.
6in mächtiger Portikus, ein uon 6 Säulen getragener Giebel beherrfcht die
Vorderfront; den Giebel fchmücken 6 fchtoebende Figuren, ntufen darftellend,
die der ITlittelfigur, der Pallas-Athene, der Schülerin der Kunft, huldigen.

Der obere zroeite Giebel toird flankiert oon zwei monumentalen figuren-
gruppen, die Idealismus und Hebe, ungebundene Wirklichkeit und Kampf
der Gegenfähe darftellen. dm Sockel der Rücklagen befinden (ich eingelaffene
Reliefs, Kinderfiguren, frohfinn destebens und Srnft des Cebens. Die 5 Kinder-
friefe im Portikus {teilen den Zug nach dem Jungbrunnen dar (Bildhauer
Wollftaedter, Ceipzig). Die oorhandenen mittel erlaubten nicht die Verwendung
uon Hauftein, alle faffaden rourden in Edelpuß ausgeführt, an einzelnen
Stellen beiebt durch Ornament und fchroarzgefärbte füllungen, die durch
Verwendung oon Gold etroas aufgelichtet find. Dadurch wurde, tuie bei
dem mit Kupferplatten oerkleideten Ventilationsturm, der auch mit Vergoldung

oerfehen ift, der ganze Baukörper mit
Gold leicht oerziert; der obere Giebel, der
in auffallenden goldenen Cettern einen
Spruch aus der Huldigung derKiinfte trägt,
in feiner Wirkung etroas gemildert. Cha-
rakteriftifch ift die Verwendung oon Stampf-
beton in der faffade. nicht allein die Kon-
ftruktion der hochaufftrebenden mauern
des Baukörpers ift in Eifenbeton durch-
geführt, fondern auch alle Zroifchendecken,
die in den fichtbaren Betongefimfen und
Architraoen ihren Ausdruck finden. Auch
die 12 m hohen Säulen mit fuß und Kapitäl
find in Stampfbeton gebildet, die Schäfte
muhten zur Vermeidung oon Anfähen in
einem Tag geftampft werden; fie roachfen
gleich gigantifchen Gebilden aus dem
Bafaltfockel heraus. Die fugenteilungen
fallen keineswegs Quaderfchichten zum
Ausdruck bringen, fie bilden nur die hori-
zontale Ciniatur zur groben Vertikalen.

Die Haupteingänge werden -gebildet
durch 7 breite, mit Doppeltüren gefchloffene
Öffnungen an der Hauptfront und je 4 eben-
folche Eingänge an den beiden Seitenfronten
nach der lllofel- und lleckarftraße und
zeichnen fich durch große Überfichtlichkeit
aus. Aber erft durch die Säulenanbauten
wird für den Beginn und befonders bei
Schluh des Theaters einerafche und fichere
Bewältigung der Alaffen ermöglicht. für
oollkommene Zugfreiheit forgen die
der Kaffenhalle oorgelagerten Windfänge;

Cängsfchriitt

ITlartin Dülfer (B D.D.), Dresden

Stadttheater in Duisburg

Paul (' V|Qg
T

Architektonifche Rundfchau 1915.

Erdgefchoß Cageplan

Carl Kuebart (D.W.B.), Barmen Wohnhaus Silier in Barmen (Tafel 58—59)

Erdgefchoß

Wohnhaus ITlolineus in Barmen, friefenffrafje 29 (Tafel 56-57)

rechts und links oon der Kaffenhalle führen reichlich bemeffene Treppen
nach den breit angelegten Wandelgängen der oberen Ränge, während
com Wandelgang des Parketts nach bewährter Anordnung des Seeling’fchen
Grundriffes Prachttreppen die direkte Verbindung mit dem !. Rang herftellen.
Jede Treppenanlage ift aus Sicherheitsgründen mit Ausgängen direkt in’s
freie oerfehen. Als material fürdiefe Prachttreppen, wie auch für die Vor-
räume ift polierter grauer Schnöll-ITlarmor oerroendet worden. Die oor-
nehmften Pläße im I. Rang haben Vorräume, manche bilden zu drei oder
oier kleine Abteile. 3m übrigen find die 1652 Siße in Reihen angeordnet,
für höchftens 6 folcher Reihen ift beiderfeits je eine breite Ausgangstüre
zur rafchen Entleerung nach den Wandelgängen oorhanden. Der Eindruck
des Zufchauerraumes ift ruhig und oornehm in der färbe und Stimmung,
die im ganzen gebrauchten mitteltöne mit einer Schattierung in’s dunkle
find nur an einzelnen Stellen, aber um fo roirkfamer, belebt durch Bilder oon
fatter färbe (oon Salzmann, Dresden), den reich applizierten Hauptoorhang
(frau Kunftmaler Kraule), alles intenfiu beleuchtet durch oon der Decke zu
beiden Seiten herabhängende kriftallene Beleuchtungskörper und mehrere
Cichtgirlanden. Aus akuftifchen Gründen find die Wände mit Stoff befpannt
und ift bis in Höhe des I. Ranges Holzoertäfelung angebracht. für die Befucher
des Parketts und 1. Ranges dient das in Höhe des I. Ranges angelegte,
durch grolle Öffnungen zugängliche Hauptfoyer, deffen dunkler geblümter
Teppich und die oon dem kaffettierten Tonnengewölbe herabhängenden
Kriftallkronen im Gegenfaß zu dem kräftig gelben Ton der Wandflächen
ftehen. Eine 12 m breite und 8 m hohe Öffnung der Profzeniumsroand
ftellt die Verbindung her zwilchen dem Zufchauerraum und der eigent-
lichen Bühne, um die in überfichtlicher und gefchickter Weife die ITlagazine,
Werkftätten, Aufenthaltsräume für Arbeiter oollftändig getrennt oon den
für die Darfteller erforderlichen Räumen angelegt find. Durch eine finnreiche
Konftruktion ift es hier möglich, die Bühnenöffnung bis zum ITlindeft-
maß oon 8 m Breite und 4 m Höhe durch fahrbare Bühnenmäntel zu

oerringern und gefchloffene Scenenbilder, wie Säle, Zimmer ufw., durch das
mit Stoff oerkleidete Bühnenportal gleichermaßen einzurahmen. Außer dem
eifernen, hydraulifch betriebenen Vorhang dienen 2 feitliche ziehbare Stoff-
oorhänge zum Schließen der Öffnung. Der 24 in breiten und 20,50 m tiefen
Bühne find beiderfeits 2 große Seitenbühnen mit Arbeitsräumen angegliedert,
die fonft übliche Hinterbühne, die eben beim Atangel der Seitenbühnen
erforderlich war, aber niemals den Zweck fo zu erfüllen oermochte, fehlt
ganz. Was die Wirkung in die Tiefe anbelangt, fo wird der Rundhorizont,
in Verbindung mit der bei diefem neubau uermendeten indirekten Beleuchtung
durch Bogenlampen nach dem Syftem fortuny, weit belferen Erfolg erzielen.
Die in unmittelbarer nähe der Seitenbühnen befindlichen großen Dekorations-
magazine fn Verbindung mit den hydraulifch betriebenen Caftenaufzügen
nach allen Stockwerken geftatten ein bequemes und rafches Herbeifchaffen
der erforderlichen Dekoratiansftücke auf kürzeftem Wege. Einer diefer Auf-
züge führt ooin Kellergefchoß bis zu dem etwa 40/20 m großen im Dach-
gefchoß liegenden ITlaler- und Ausfteifungsfaal. Der Aufzug hat eine
Größe oon 9 m tauge und 2,50 m Breite, fo daß die größten ausgefteiften
Dekoratiansftücke befördert werden können. Die reichlich bemeffenen Gar-
deroben, Soliftenziinmer und Konoerfationsräume haben günftige tage mit
Rückficht auf die Bühne. Der Zu- und Abgang der Darfteller nach und oon
der Bühne ift mit Rücklicht auf die Verroendung des die Bühne nach
rückwärts abfchließenden Rundhorizontes durch große feitliche Öffnungen
ermöglicht, die, entgegen der fonft üblichen Anordnung, nach der Vorderfeite
der Bühne oerlegt find. Diefe Öffnungen führen unmittelbar nach je einer
dreiläufigen Treppe, die die Verbindung mit den im Sockelgefchoß liegenden
Konoerfations- und Soliftenräumen und mit dem freien herftellen, zugleich
aber nach einem ebenfalls im Sockelgefchoß angelegten 2,50 m breiten
Umgang um die Bühne führen, wodurch die Kläglichkeit gegeben ift,
größere Anfammlungen oon ITlenfchen für Umzüge auf der Bühne oder
für ITlaffenentfaitungen oorzubereiten und durchzuführen.

- min

Kurt Hager, Dresden

Bandhaus Stapf-HTöbius in Greiz (Tafel 62)

Wohnhausgruppe in 5alkenftein i. V. (SeiteY)

v Schreiber) in Eßlingen a. 11.
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