Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: Tafel 97-98
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W. ITleyer und fl. Stahl, Stettin
Bismarck-Schule in Stettin (Tafel 91-92)

Bismarck-Schule in Stettin

Von W. ITleyer und fl. Stahl in Stettin (Tafel 91-92)

Der Fleubau erhebt lieh auf dem Baublack, der uon der Deutfchen-
und Petrihofftraße einerfeits, der Kader Wilhelm- und Arndtftraße anderer-
feits umfchloffen wird. Das Schulgrundftück hat eine flache oon rund
6065 qm. Der Reft des Baublockes ift zur Anlage eines Spielplaßes beftimmt.

Das Gebäude erfcheint als eine langgeftreckte, der Arndtftraße folgende
und oon ihr durch einen Vorgarten getrennte Anlage mit oftroärts gerich-
teten Flügeln an der Deutfchen- und Petrihofftraße. Der Bau umfchließt
alfo oon drei Seiten den nach Often offenen Schulhof, der nur durch eine
niedrige Umwehrung oon dem künftigen Spielplaß getrennt ift. An der
ficke der Deutfchen- und Arndtfchule ift die Schuldiener-Wohnung als
kleiner Anbau der Schule oorgelagert.

Die äufjeren Wandflächen des Baues find bis zur halben Höhe des
Erdgefchoffes mit roten Ziegeln oerblendet und darüber gepußt. Die
oberften Gefchoffe und die Giebel find teilroeife durch farbige Puß-
oerzierungen und Antragarbeiten belebt morden; die Seite an der
Deutfchenftraße zieren figürliche Antragarbeiten, Kunft und Wiffen, Geroerbe
und Handel oerfinnbildlichend, die nach Entwurf des Bildhauers oon
Rüdorffer oon der Firma Jrnre & Kohrt-Stettin ausßeführt wurden. Den
Bauteil an der Ecke der Arndt- und Petrihofftraße bekrönt eine Flaggen-
plattform, die zugleich zur Beobachtung des Sternenhimmels dienen foll.
mit roten Dachfteinen gedeckte manfarddächer fchliefjen den Bau ab, deffen
Wirkung bei feiner dem benachbarten Landhausquartier Rechnung tragen-
den Anlage im roefentlichen auf der Silhouette ' und der Geftaltung der
Dächer beruht. Wertoolleren Schmuck zeigt nur die Vorhalle mit der oon
Bildhauer Lehmann-Borges-Stegliß in ITlutj-Keramik ausgeführten Portal-
umrahmung und den Köpfen des jungen und alten Bismarck. Die Umwehrung
der Vorgärten ift bereichert durch kleine Aufbauten für oerfchiedene Zwecke, die
zwilchen der ITlaffe des Schulbaues und den Landhäufern oermittelnd wirken.

Die Promenadenoerbreiterung an der Ecke der Deutfchen-und Arndt-
ftraße ift für das Publikum nußbar gemacht durch einen mit Sißpläßen
ausgeftatteten, in die Umwehrung eingebauten kleinen Wandbrunnen, deffen
Schmuck oon Bildhauer Wulff-Stettin modelliert und inKalkftein ausgeführt ift.

Die 23 Klaffenzimmer find größtenteils im Hauptbauteil an der
Arndtftraße untergebracht. Der Südflügel an der Deutfchenftrafje mit dem
Haupteingang und dem Haupttreppenhaus enthält außerdem die Räume
für den Phyfik- und Chemieunterricht und für den Lehrkörper; der Flügel
an der Petrihofftraße mit einem zweiten Eingang enthält zu ebener Erde
die Turnhalle und darüber die Aula. Der Bauteil an der Ecke der Arndt-
und Petrihofftraße ift um ein Gefchoß höher geführt zur Unterbringung
der Sammlungs- und Bibliothekräume und eines geräumigen Zeichen-
faales nach der Petrihofftraße. 3 m Keller befinden fich die Heizanlage mit
Zubehör, die Garderoben für die Turnhalle, Sowie ausgiebige Fahrradräume.

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Die Decken find maffio, die Fuß-
böden der Klaffen haben Linoleum-
belag auf Zementeftrich. Die zum Teil
roeitgefpannten, eifenannierten Beton-
konftruktionen wurden nach den An-
gaben des Stadtingenieurs Weidmann
ausgeführt. Die Aula hat zur Er-
zielung einer möglichst guten Akuffik

eine Holzdecke und eine Wand- __

bekleidung aus Kiefernholz erhalten.

Die Bemalung der Aula erfolgte durch die Firma Adolf Dittmar-Stettin
nach ihrem zur Ausführung gewählten Vorfchlag. Die Fenfter haben
farbige Bleioerglafung, welche oon der Firma Balduin Schulze-Stettin aus-
geführt und oon Kunftmaler tlawothnig im Einoerftändnis mit der Bau-
leitung entworfen wurde. Die Orgel fertigte die Firma Grüneberg-Finken-
roalde. In den Fluren ift in jedem Gefchoß ein Trinkroafferbrunnen mit
Kachelausftattung angelegt. Die unter der Leitung des Stadtingenieurs

lAunßlaff ausgeführ-
te Heizungsanlage ift
eine Fliederdruck -
Dampfheizung in der
auch fürVolksfchulen
üblichen Weife. Für
Reinigungszroecke ift
eine befondere Warm-
roafferbereitung oor-
gefehen. Elektrifche
j, Beleuchtung haben
die Turnhalle, die
Aula, derZeichenfaal,
ferner die Räume für
den Lehrkörper, ln
den Klaffen und Flu-
ren ift Gasbeleuch-
tung oorgefehen.

Das Innere ift
durchweg einfach ge-
halten. Abgefehen oon der Aula haben nur die Eingangshalle und der
Vorraum zur Aula eine etwas reichere Ausstattung erhalten durch Wand-
beläge oon Fliefen.

Entwurfbearbeitung und Ausführung erfolgten unter der Oberleitung
des Stadtbaurats ITleyer durch den Stadtbauinfpektor Stahl, dem für die ört-
liche Bauführung der Bautechniker Züge und der Architekt Heuß, für die
Bearbeitung des JTlobiliars der Architekt Kirften zur Seite ftanden. Bei
der Cinzeibearbeitung war der Baukommiffar Koch tätig.


I.

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G. o. ITlayenburg,
Dresden

Landhaus Wunderlich in Lofch-
V0Ü3 bei Dresden (Tafel 94)

Landhaus Wunderlich in Lofchroifj bei Dresden
Von G. uon ITlayenburg, Dresden (Tafel 94)

Das an der mordgrundbrücke gelegene Landhaus reicht mit feiner
Rückfront etwa 2 m tiefer als mit feiner Vorderfront, fodaß die Wirtfchafts-
räume des Kellergefchoffes als oolles Gefchoß erfcheinen. Es fteht an der
Spiße einer Straßengabelung, demgemäß ift das Dach und der die Vorder-
front beherrschende Giebel entwickelt. Das Äußere ift mit gelbem Rauhpuß
ausgeführt, das Dach mit roten Biberfchroänzen eingedeckt. Oie Dach-
unteranficht ift Stark farbig dekoriert, desgleichen die grünen Fensterläden;
Sämtliche inneren Räume find dagegen in fchlichten Farben gehalten. Das
Kellergefchoß enthält Küche, Speisekammer, Wafchküche, Heizraum (Warm-
roafferheizung), Plättftube und zwei Kammern. Im Obergefchoß liegen,
alle oon der Diele aus zugänglich, oier Zimmer, ein Schrank-und Ankleide-
zimmer, Bad, Klofett und eine Kammer.

Architektonische Rundfchau 191

MÜS

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Gebrüder Sebaffian und Jofef Polz, Traunftein

Friedhofanlage in Traunftein (Tafel 95)

Breite einnehmende Vorhalle, über, der eine Alufikempore fich befindet.
Die Gewände Sämtlicher Türen, der Sockel und das Abfchlußband des
dunkelgetönten blaufchimmernden, 2 m hohen Wandftreifens lind aus blauem
belgifchem ITlarmor. Der Fußboden ift in marrnor-ITlofaik ausgeführt.
Unter der Ausfegnungshalle find neun Ehrengrüfte eingebaut und darüber, an
denLängsroänden desTrauercerfammlungsraumes, können die dazugehörigen
Epitaphien eingefeßt werden. Die Aufbahrungshalle hat durch Einbau in
den Dachftuhl eine lichte Höhe oon 6 m erhalten. Rundbogenfenfter bringen
oon oben durch dunkelgelb gefärbte Gläfer gedämpftes Licht auf die auf-
gebahrten Toten. Drei Entlüftungsfchächte führen oon der Decke in die drei
Dachreiter. Jn der Achfe der Ausfegnungshalle führt ein breiter, beiderfeits
mit Laubbäumen bepflanzter Weg in die mitte des Gräberfeldes, das ein
hohes Kreuz mit Tannenhintergrund ziert.

Die Baukoften betragen rund 200 000 Ulk.

Friedhofanlage für Traunftein (Tafel 95)

Von Gebrüder Sebaftian and Jofef Polz, Traunftein

Der im Haidforfte neu errichtete Friedhof umfaßt eine Fläche oon
6,28 Tagwerken. Die fchräg zu den Langfeiten des Grundftückes laufende
Straße nach Troftberg, Sowie die Rückficht auf Erhaltung einer mächtigen
alten Eiche in der Südoftecke des Bauplaßes bedingten die ftaffelförmige
Gruppierung des Grundriffes.

Den ITlittelpunkt der ganzen Anlage, welche oon der Straße durch
eine niedere Rlauer abgegrenzt ift, bildet die Ausfegnungshalle, der weftlich
eine kleine dreibogige Eingangshalle oorgelagert ift. Die Ausfegnungs-
halle umfaßt einen 9x12 m großen Raum für die Traueroerfammlung
und anschließend eine nach Often durch drei Bogenftellungen offene, die ganze

Obergefchoß

J. H. W. Lehman,
flmfterdam

Landhaus Dennenrode in
Hiluerfum (Tafel 93)

Landhaus Dennenrode in Hiloerfum
(Tafel 93)

Von 1. H. W. Lehman, flmfterdam
Das Landhaus wurde 1911 in der
Villenftadt Hiloerfum bei Amfterdam am
Waldesrand erbaut. Das Äußere wurde
anfpruchslos und einfach gehalten. Die
roeißgetünchte, oerpußte Faffade hebt fich
kräftig ab gegen den dunklen Hintergrund
der Tannen. Der Garten ift in ftrenger
gradliniger Anlage nach dem Entwurf des
Ärchitekten ausgeführt. Flach rückwärts
öffnen fich die Zimmer mit großen Fenftern
auf den Rofengarten, der in den besteh-
enden Wald übergeht. Das Jnnere wurde
einheitlich behandelt, alles mit einfachen
FIFitteln aber den Bedürfniffen einer bel-
feren holländifchen Familie entsprechend.

Landhaus Ooft-Duyne in Zandooort
(Tafel 93)

Von ]. H. W. Lehman, flmfterdam
Das Landhaus dient hauptsächlich zum
Sommeraufenthalt. Die unmittelbare Flöhe
des FTleeres hat die Wahl der Bauftoffe
Sowie der Architekturformen beftimmt.
Alles Sollte einfach und gediegen fein, damit
das auf kahler Sanddiine liegende Haus
dem zerftörenden Einfluß der Winter-
ftürme möglichft wenig Angriffspunkte
bietet. Das Innere des Haufes ift mit
einfachen Rütteln wohnlich eingerichtet.
Reichlicher Zutritt oon Licht und Luft
waren Hauptbedingungen. Speife- und
Wohnzimmer - wegen der Lage auf der
Rückfeite des Haufes — haben gebeizte
Holzoertäfelungen, Balkendecken, Kamine
für offenes Feuer und teilweife eingebaute
ITlöbel; Solche befinden fich auch in den
im Obergefchoß gelegenen Schlafzimmern.
Die Baukoften betrugen etwa RI 18000.

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J. H. W. Leliman,
flmfterdam

Landhaus Ooft-Duyne
in Zandooort (Tafel 93)

in Eßlingen a. II.
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