Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: IX
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flrchitektonifche Rundfchau

1913,3

Seite IX

rechtzeitig eine bedeutende Verlängerung des
Bauplanes beantragt. Durch diete Verlänge-
rung ruürde die Kuppel den nötigen Abttand
non den Ecktürmen erhalten haben und zur
roirkungsuolltten Bekrönung eines unuer-
gleichlichen Baukörpers geworden fein. Da
aber die Verlängerung noch unter der Re-
gierung des alten Kallers abgelehnt wurde
und lieh dann der nötige Hbttand uan den
Türmen eben nicht mehr gewinnen lief;,
andererseits aber auf die Generalidee des
Bauplanes nicht mehr uerzichtet werden
konnte, to waren die grofjen möglichkeiten
ein für allemal abgetan. Der Kompromiß,
den Wallot in to peinlicher Tage nach end-
loten Vertuchen fand, oerdient nicht flngriffe,
tondern Bewunderung. Die landläufige Kritik
über die angeblich zu geringe Höhe der
Kuppel itt unzutreffend. Wäre tie höher,
to oerdürbe tie die Wirkung der Türme und
gäbe dem Getamtbilde etwas bombattitch
Überladenes, fetjt wirkt tie wenigttens uan
der Spreerückteite durchaus befriedigend.

Halte Wallot den lllittelbau der Rückfeite in
oeränderter form auch am Königsplalje
wiederholt, wie es in dem preisgekrönten
Projekte oorgetehen war, erhöbe fich alto
dort eine Bogenhalle ttatt des Säulenoor-
baues, to würde tich die Kritik oon Anfang
an mehr zurückgchalten haben. Die Spree-
rückteite findet nicht genügende Beachtung,
und daf3 für das tpäter aufgeführte Wohn-
haus des Reichstagsprätidenfen kein anderer
Plalj zur Verfügung gettellt wurde, als aus-
gerechnet der, auf dem es diete tchöne
Rückanticht teilweite oerdeckt und ttark be-
einträchtigt, itt zu allem übrigen tehr be-
dauerlich. Wenig beneidenswert waren
jedenfalls die Empfindungen, mit denen der
ITleitter daran ging, tich hier telbtt die Aus-
ticht zu oerbauen.

Es kam aber noch tchlimmer. Das
Haus des Deuttchen Reiches itt im niatjttabe
eines der gewaltigtten, die Deuttchland auf-
zuweiten hat, und als die frage des Bismarck-
denkmales gelöft werden mufjte, waren tich
alle Eintichligen darüber klar, datj es tehr
tchwer, ja fatt unmöglich tei, tich tolchen
Rietenmatten gegenüber mit einer allein-
ttehenden figur zu behaupten. Diete mütfe
tich, to tagte man, telbttoerttändlich dem Bau
anpatten; denn nur dadurch liefje tich an
dieter geweihten Stätte ein Getamtbild er-
möglichen, das tich dem aus großen Epochen
der Kuntt Überlieferten würdig anreihe. Begas
aber tah hier keine Schmierigkeiten. Er
türmte einen Bismarck auf, detten ITlaljtfab
tich zu dem des Reichshautes uerhält wie
ein Elefant zum Tomen, und der folcher-
gettalt das Symbol feines eigenen Tebens-

merkes unbarmherzig erdrückt. Die Verftändnislotigkeit für Getamtwirkungen
in der Kuntt, die hier ein als Porträtitt und Kinderbildner überragender Bild-
hauer, trotj der Eintprüche Wallots, in rücktichtslotetter Weite betätigte, be-
deutete für den ITleitter einen tchwer oerwundenen Schlag.

Die Enttäutchungen bewegten tich aber leider noch weiter in auftteigen-
der Tinie. Etwa zehn fahre nach der ferligttellung der Bauarbeiten äußerte
tich der Deuttche Reichstag über die fortführung der flustchmückungsarbeiten,
welche Wallot leitete, in einer form, die er ehrenhalber nicht anders als mit
dem telegraphitch mitgeteilten Verzichte auf dietes ihm allein zuttehende Amt
beantworten konnte. Er mufjte die Werkttatt feiner Tebensarbeit oerlaften!
Ausländitche Zeitungen tchrieben damals mit Recht, dafj es mit dem Idealis-
mus, den tich das deuttche Volk pathetitch beizumetten pflege, doch oft tchlecht
bettellt tein mütte. Ein Reichstag, der dem Gründer des Reiches den Glückwuntch

Drehbrücke

Restauralion

Carl ITlühlenpfordt, Tübeck

Erweiterungsbau des Zollamtes in Tübeck
Grundriffe fiehe Tafel 47/48

zum 80. Geburtstage oertage und den ertten, in der ganzen Welt bewunderten
Baumeitter des Reiches mit tchmählichttem Undank übertchütte, habe doch
gerade keine oerehrungswürdigen Grundtätje. Die deuttche Künttlertchaft
teilte durchaus diete Anficht und erwiderte die Schmähungen mit begeitterten
Huldigungen. Es itt ein Ruhmesblatt der deuttchen Künttler, dafj tie bei
keinem der oielen gegen Wallot gerichteten Angriffe unterlaßen haben, tich
offenkundig auf feine Seite zu Hellen. Sie ehrten damit nicht nur einen
grofjen Künttler, tondern auch einen ideal getinnten IRann, der teine pertön-
lichen Vorteile ttets mit teltener Uneigennüljigkeit hinter teine Arbeit zuriiek-
treten lief;.

ln der grofjen Reihe unerquicklicher Kämpfe, die Wallot aufgenötigt
wurden, erlahmte er nicht; teine Schaffenskraft blieb bis zuleljt erttaunlich.

Cvorife^ung Seife X)

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