Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: IX
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flrchitektonifche Rundfchau

1913,6

Seite IX

Bücherbefprechungen und Bücheranzeigen (^ortfetjung)

So ift es mahl Zeit, daß die ?rage öffentlich behandelt und ausgefragen
wird. Die oorliegende Schrift ift ein nüßlicher Beitrag dazu. Der Verfaffer
fcheint bei der Wiederherffellung der im Titel genannten Kirche beteiligt ge-
rnefen zu fein, die unter Leitung des Baurats Rauchheld in Oldenburg uor
fich ging, und fo fühlte er die Verpflichtung, die da gemachten Erfahrungen
mitzuteilen und der Cöfung der getarnten 5rage zugute kommen zu lallen.

Zuerft gibt er nun eine Überficht der uerfchiedenen Richtungen in der
Behandlung der Herftellungen im «ergangenen Jahrhundert und bleibt bei
der jüngften ftehen, die ihm die richtige zu fein fcheint. Es fei gleich gefagt:
uns auch. Wenigftens in fällen, roo fie anroendbar ift, und das dürften
gerade derartige fein, roo zum Beifpiel wie in Wildeshaufen, eine noch im
Gebrauche befindliche Kirche notroendig zurechtgemacht und ganz oder zum
Teil neu ausgeftattet »erden muß. Da ift es ficherlich das richtige, roenn die
neue Zeit die neu zu befchaffenden Teile im öefchmacke der öegenroart ge-
ftaltet, aber es auch uerfteht, fie in den alten Raum und die noch bleibende
Umgebung künftlerifch hinein zu paffen und das Ganze gut zufammen zu
ftimmen. Zu letzterem diene dann färbe und gemalter Schmuck. — Wie
gefagt, unter folchen Vorausfeßungen ift dem bezeichneten Verfahren aus
oollfter Überzeugung zuzuffimmen, und es ift oon hohem Intereffe, an einem
ausgeführten Beifpiel feine offenbar glückliche Verwirklichung zu fehen. Diefe
neue Richtung bereitet fich ja fchon lange oor, und feit Baurat Gräbner die
Dresdner Kreuzkirche nach dem Brande innen in wahrhaft genialer Weife
modern ausbaute und damit einen der roeiheoollften kirchlichen Innenräume
der Gegencoart fchuf, fodann in freiberg am Dom den eigenartigen Schulbau
für die goldne Pforte erftehen ließ — Bruno Schmiß’ freiberger Domentrourf
ift nur eine Weiterbildung daoon —, mar die Idee bereits mehrfach Wirklich-
keit geworden. Vielen auf diefem Gebiete tätigen Künftlern ift ein ähnlicher
Wunfch gekommen, auch der Unterzeichnete hat gelegentlich ähnliche Vor-
fchläge gemacht, die leider an dem Widerftande noch herrfchender Richtungen
fcheiterten. Aber fie wird fich Bahn brechen und uorausfichtlich bald maß-
gebend fein.

Hoffentlich aber — nicht allein maßgebend! Denn die fälle find ja gar zu
oerfchiedener Flatur. Wir Deutfchen neigen leider zu tödlichem Doktrinarismus
und wie feinerzeit die unglückliche Reinftilifierung unzählige unterer alten Bau-
werke geradezu ruiniert hat — alles aus befter Hbficht —, fo häuft gegenwärtig
die trübfeligfte Konferuiererei jeder Torheit oder üotdurft, die die Vergangen-
heit einem Bauwerke zugefügt hat, die oielen neueren Schleppdächer, denen
in unterem Schriftlein auch eine wenig oerdiente Sympathie bezeugt wird,
gehören meift auch dazu. Und fo könnte cs wohl kommen, daß, falls die
neuefte Richtung fich durchringt, fie uns plößlich den Strom der modernen
Kunftjünglinge in unfere alten Kunffdenkmäler hineinlenkte, um diefe der
neueften Richtung gründlich anzupaffen. Bedrohte uns nicht fchon die Kan-
feroiererei des gefchichtlich gewordenen im Verein mit dem bereits manchmal
zum Zerrbild gewordenen „Denkmalfchuß“ genugfam? War es nicht fchon
faft notwendig, auszuwandern, um Flatur- und Kunffdenkmäler oor weiterer
Benagung oon JTlenfchenhand und FIFenfchennotdurff geficherf zu wiffen?
Efeu und Unkraut, fäulnis und Ruin, — khließlich überwuchernder Urwald
hätten eigentlich allein das feld behalten müffenl

Flein - alles mit Fllaß! Und wo es angebracht ift! Jene neuefte Rich-
tung hat eine gute Zukunft und oiele Berechtigung, doch natürlich nicht über-
all. FFlan muß es den Italienern wohl danken, dafj fie das JTlailänder Kaftell
wieder herrichtefen, wie es einft in den Tagen der Sforza glänzte — auch wenn
der treffliche Beltrami hie und da etwas nicht ganz richtig gemacht, etwas
oon anderswoher hierhin kopiert haben follte. Es bleibt doch das ge-
waltige, zum Teil gründlich erneuerte Bauwerk der herrlichfte Hintergrund
für das FFlailand der Gegenwart und Zukunft. — Und wir wollen uns unferer
gefchichtlichen Kenntniffe und Befitjtümer keineswegs entäußern, auch wenn
fie, wie öfters, nur noch wiffenfchaftlich aufgebaut find. Wir haben auch nicht
den geringften Zwang dazu, bloß etwa weil die Stuckkünftler des 17. und
18. Jahrhunderts eine lllaffe unferer alten Bauwerke mit faft fabrikmäßig her-
geffellten Vergipfungen „fchon gemacht“ haben — fürs Aachener ITlünfter
war das fraß aller Anbeterei des Hiftorifchen das größte Unglück — was

GebrüderSebaffian und friedhafanlage in Traunftein.

Jofef Polz, Traunftein Kapelle. (Vergl. Tafel 95)

wir noch aus der Vergangenheit haben, im Charakter des 20. Jahrhunderts
ebenfo zu modernifieren.

Alfa — ein wenig langfam ooran! Es kommt oermutlich rafch genug,
und fchicßt wie gewöhnlich in unzähligen fällen übers Ziel! Darum ift es

(fortfefjung Seite X)

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