Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: IV
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Hrchitektonilche Rundkhau

1913,8


Das Hlonument des Cifens. Preisgekrönter Entwurf non Breelt & Co., Cifen-
hoch- und Brückenbau, Berlin, in Gemeinlchaft mit den Architekten Taut &
Hoffmann, Berlin. Getamtausführung: Breett & Co.

Das ITlonument des Ofens*)

Von Architekt ?ranz Hoffmann, Berlin

Hls im frühjahr des Jahres 1912 der Sfahlroerksnerband in Verbindung mit
dein Verein deutlcher Brücken- und Cifenbaufabriken und den deuttchen
Cifenbaufirmen einen allgemeinen Wettberoerb austclnieb, rourden oon den
dreizehn eingegangenen Cntroürfen durch das Preisgericht drei gleichwertige
zur engeren Auswahl gefleht und ein zweiter engerer Wettbewerb für ein
repräfentatioes Gebäude auf der Bauausftellung unter den drei ausgewählten
firmen oeranftaltet. Dieter zweite Wettbewerb wurde am 17. Juli 1912 ent-
fchieden und deffen Preisträger die Ausführung des Gebäudes übertragen.

Der Pauillon toll in feiner ganzen Struktur und durch feine Abmeffungen
ein würdiges Repräfentationsgebäude des Stahlwerkoerbandes und des Vereins
deutfeher Brücken- und Cifenbaufabriken fein, der beiden grofjen Vereinigungen,
die den ganzen Cifenmarkt des Deutfchen Reiches beherrfchen.

Das Bauwerk, das in der rein geometrifchen form einer achteckigen
abgeftuften Pyramide aufgebaut ift, befteht im wefentlichen aus T-Trägern,
die, entfprechend den kleiner werdenden Stufen der Pyramide, nach oben
leichter werdend, uon einer 9 m großen goldenen Kugel gekrönt werden und
in der ganzen Art und Weife ihrer Gruppierung die Wucht und die Schwere

*) Aus: „Bauen und Wohnen“, der offiziellen JTlonafsfchrift der Internationalen Bau-
fachausltellung mit Sonderausftellungen, Leipzig 1913. Herausgeber: Heinrich Pfeifer.

des ntaferials zum Ausdruck bringen, eine Wirkung, welche noch durch die
befondere Art der Verbindung mit Glas unterftütjt wird.

Betritt man, uon der Hauptinduftriehalle kommend, den Cingang des
Gebäudes, fo gelangt man in ein großes Veftibül, das in feiner reichen und
uornehmen Ausftattung einen würdigen Cmpfangsraum für die Befucher dar-
ftellt. Der fufjboden befteht hier aus echtem Skyrosmarmor mit maffioen
Bronzeeinlagen, die Wände find mit fchwarzen maftgiafierten Platten oerkleidet
und mit auf das Cifen bezüglichen Sinnfpriichen in Schriftzeichen uon Gold-
glafur geziert. Dem Cingang gegenüber ift eine grolle teppichartige Dekoration,
eine feuerfprühende Beffemer Birne darftellend, in bunter Keramik eingelegt.

Die Decke wird durch ein ornamentales lTetj uon eifernen Trägern ge-
bildet, zwifchen die reich oerzierte Platten in farbiger Keramik und ftark
profilierte Putjflächen gefpannt find.

An die Cmpfangshalle Ichliefjen lieh links und rechts uom Cingang 8 in
breite und 7 m hohe Wandelgänge, in deren Ilifchen Photographien und Zeich-
nungen über die Cntftehung und Bearbeitung des Cifens angebracht find.
Hier fallen auch intereffanfe lllontagen uon Brücken- und Cifenbauten im Bild
gezeigt werden.

Diefer Raum erhält durch die hohen, bis an die Decke reichenden fenfter
eine oorzügliche Beleuchtung.

Der fuf^boden des Wandelganges wird aus Terrazzo hergeftellt, die Wände
werden mit geftrichenem Kiinftlerleinen befpannt, und mit Schriften, die auf
die angebrachten Bilder Bezug nehmen, und Ornamenten belebt. Die Decke des
Raumes ift als Steineifendecke bis 6 in freitragend aus roten Backfteinen her-
geftellt und erhält eine Übermalung in roten, goldenen und grünen färben.

Der „Diaphanieraum“, welcher in der ITlifte des Gebäudes angeordnet
ift, dürfte eine befondere Anziehungskraft auf die Befucher ausüben.

Der Raum ift achteckig, 10V2 m im Durchmeffer grofj und wie alle Räume
des Crdgefchoffes 7 m hoch.

Die Wände find aus Holz und tragen in breiten Rahmen photographierte
Abbildungen oon ausgeführten Brücken- und Cifenhochbaufen auf Glas.

Die Diaphanien, welche oon der Rückfeite her durch indirektes Cicht
erleuchtet werden, bilden die eigentliche Lichtquelle des Raumes, welche durch
den oon oben matt beleuchteten Behang der Decke noch unterftütjt wird.

Sin f m hoher fries oon künftlerifch auf niattglas gemalten Silhouetten aus
den Betrieben der Cifeninduftrie oollendet die bildliche Ausftattung des Raumes.

Diefer Raum trägt einen intimen Charakter und fall den Befuchern einen
Ruhepunkt bieten.

Über bequeme, breite Treppen gelangt man in das im Obergefchofj be-
findliche Kinotheafer, welches ganz im Gegenfah zu dem oorigen Raum kom-
poniert ift. Der Raum ift durch drei Türen, welche auf einen oberen Umgang
und oon dort auf die erfte Terraffe führen, zugänglich und ift oon den Cnt-
wurfsoerfaffern als allgemeiner Sammelraum gedacht, in dem man fich auf
bequemen Stühlen ausruhen, die ausliegenden Zeiffchriften, Bilder und ITlodelle
ftudieren kann und in dem man Gelegenheit hat, die kinematographifchen
Vorführungen zu genießen. Um all diele Zwecke zugleich zu erfüllen, fallen
die kinematographifchen Vorführungen bei Tageslicht ftattfinden. Die fenfter
werden zur Hinderung der Sonnenftrahlen mit gelblichem Kathedralglas oer-

(Sortierung Seife V)

Unter dem Protektorat

Sr. Majestät des Königs Friedrich August von Sachsen findet in

Leipzig 1913

von Anfang Mai bis Ende Oktober die „INTERNATIONALE BAUFACH-
AUSSTELLUNG MIT SONDERAUSSTELLUNGEN LEIPZIG 1913

(E. V.)“ statt, die erste

Welt-Ausstellung

für Bau- und Wohnwesen

Wissenschaftliche Abteilung: Ingenieurbauwesen, Städtebau, Architektur, Arbeiterschutz.

Industrie-Abteilung: Baumaterialien, Baumaschinen, Bauindustrie, Ausstellung von Städten,
Bau-Einrichtungen und -Hygiene, Raumkunst, Turn-, Spiel- und Sportwesen.

Sonderausstellungen: Landwirtschaftl. Bauwesen, Gartenvorstadt Marienbrunn, Krankenhausbau,
Deutscher Werkbund, Kunstausstellung.

Sehenswürdigkeiten: Altstadt Leipzig 1813 zur Zeit der Völkerschlacht, Dörfchen, Erholungs-
park usw.

Auskunft erteilt das Direktorium der „Internationalen Baufach-Ausstellung Leipzig 1913 (E.V.)“

Briefadresse: Internationale Bau-Ausstellung, Leipzig :: :: Telegramme: Bauausstellung Leipzig :: :: Telephon Nr. 20280—89.
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