Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

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flrchitektonifche Rundfchau

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1913,8

Alberf Eitel (B.D.A.) und Württemberger Kunffgeroerbehaus oon Johannes

Eugen Steigleder,; Stuttgart Rominger in Stuttgart. Eingang. (Vergl. Tafel 126)

Bücherbcfprechungen und Bücheranzeigen

ITlünchen und feine Bauten. Herausgegeben uom Bayerischen Architekten-
und Ingenieur-Verein. Verlag uon F. Bruckmann, A.-G., ITlünchen 1912.
Preis m. 24.

Die oorjährige Architekten- und Jngenieur-Verfammlung in ITlünchen fah
lauter heitere öetichfer. Ulan bewunderte, roas in Illünchen zu fehen ruar,
und felblt das böte Untuetfer, toodurch das zauberhaft fchön erfonnene Schleis-
heimer Feft infofern arg beeinträchtigt tourde, als es uns ins Schloß zwang
und die im Park getroffenen Vorbereitungen ungenützt liegen ließ, nermochte
der allgemeinen Freudigkeit nur geringen Abbruch zu tun. Allgemein herrfchte
das Gefühl aufrichtiger froher Dankbarkeit gegenüber den Gaftgebern oor.
Als fchönffes Gaffgefchenk aber nahm man eine Veröffentlichung mit heim,
mit der fich der Herausgeber, der Bäuerliche Architekten- und Ingenieur-Verein,

felbft das fchönfte Denkmal gefeßf hat: „ITlünchen und feine
Bauten“, Verlag uon 5. Bruckmann, A.-G., Illünchen 1912. Selbft
euer berufsmäßig mit tleuerfcheinungen zu tun hat und die Fülle
des TFlaterials, das er beroältigen muß, bisroeilen im ftillen oer-
ruünfcht: diele Veröffentlichung muß auch dem galligften Kriti-
kafter zur wahren Herzensfreude gereichen, denn fie ift nach
Form und Inhalt gleich oortrefflich, eine Bibel geradezu ITlünchener
Bau- und uermandter Kunft. Wer aber felbft zu der einzig trau-
lichen Stadt an der grünen Ifar in irgendwelchen engeren Be-
ziehungen ffeht, wird das Werk über ITlünchens Bauten mit zu
feinem koftbarften Befit3 rechnen, denn woran er einmal Herz
und Sinne erquickt hat, hier findet er es ganz oortrefflich ab-
gebildet, klar angeordnet, urkundlich datiert, knapp und fachlich
befchrieben. Und der größte Vorzug des Buches ift, daß alles
äfthetifierende Gefafel, das neuerdings wieder auch in die ernff-
hafte Kunftliteratur einzudringen droht, hier grundfäßlich ausge-
fchloffen war.

Das Buch gliedert fich nach einer „Einführung“ in die geo-
logifch-geographifchen Verhältniffe uon Prof. B. Oebbeke und die
klimatifch-meteorologifchen uon 0. Alt, Kuftos der meteorologifchen
Zentralftation, in einen kurzen gefchichtlichen und einen der Gegen-
wart gewidmeten, ungleich ausführlicheren Teil (172 + 598 Seiten).
Die Entwicklung der Stadt im Illittelalter —in der Renaiffance —
dem Barock und Rokoko „im Zeitalter des Klaffizismus und
der Abwendung uon der Tradition“ bis auf König JTlaximilian II.
wurde oon dem wohlbekannten wie wohluerdienten ITlünchener
Cokalforfcher Dr. Karl Trautmann begonnen und nach feiner Er-
krankung uon Prof. Dr. Hans Willich uom Polytechnikum zu Ende
geführt. Hier wird fchlicht in der Form, gehaltuall im Inhalt
Kunffgefchichte erzählt. Faft jede Seite ift durch eine Abbildung
geziert. Und wenn je einmal deren zwei auf einer Seite zu-
fammentreffen, fo find fie fo gefchickt zufammengeftellt, daß auch
dann die harmonifche Seitenwirkung nicht ausbleibt. Der ge-
fchichtliche Überblick erffreckf fich beiläufig bis zum Jahr 1880.
Damit feßt die Kunft des leßtoerfloffenen ITlenfchenalters, die Bau-
kunft der Gegenwart ein. Für ihre Darffellung hat man (wie es
fcheint grundfäßlich) auf die lllifarbeit uon Gelehrten gänzlich
oerzichtef und den praktifch tätigen Architekten allein das Wort
gelaffen. Es werden nach Prioat-, Staats-, Hof- und ftädtifchen
Bauten befondere Kapitel ausgefchieden. Die Prioatbaufen werden
wieder je nach ihrem Zweck als Kirchen, Theater, Wirtfchaften,
Vereins- und Gefchäfts-, lAiets- und Familienhäufer befprochen.
Der „Kleinwohnungsbauten“ wird befonders gedacht und fchließlich
weder die Gärten noch die Grabdenkmale uergeffen. Die Staats-
bauten find je nach den lllinifterien in Gruppen zufammengefaßt,
die ftädtifchen Bauten nach einer allgemeinen Einleitung wiederum
je nach ihrer Beftimmung als Verwaltungsgebäude, Gebäude für
Erziehung, Wohltätigkeit, fanifäre Zwecke, Feuerlöfchwefen und
Handel befprochen. Es gelangen die Stadterweiterung und Staffel-
bauordnung, die Parkanlagen, die Brunnen und Denkmäler, die
Wafferoerforgung, Kanalifation, der Waffer- und Brückenbau, Straßenbau, die
Gasanftalt, die Elektrizitätswerke und die Straßenbahn je in geländerten
Paragraphen zur Darstellung. Im allgemeinen ift nun die Anlage fo gehalten,
daß jeder Paragraph mit einer allgemein orientierenden Einleitung oon ein
paar Seiten beginnt. Diele Einleitungen, oon kompetenten Fachleuten aus
jahrelanger Erfahrung heraus oerfaßt, zeichnen fich durch gedrängte Gedanken-
fülle aus. mit dem Kunftmittel der deutfehen Sprache ift allerdings der eine
oder der andere der Baukünftler gelegentlich ein wenig forglos umgegangen.
Das ift fchade, aber nun einmal in deutfeher Art leider tief begründet. An
die Einleitungen fchließf fich dann in zeitlicher Reihenfolge eine Aufführung
charakteriftifcher Beispiele an, wobei im allgemeinen jeglichem ITlonument je
eine Seife eingeräumf wird. Oben ein Schaubild, in der mitte der Grundriß,
unten ein knapper Text, der lediglich die Jahreszahlen der Erbauung, den
IJamen des Baumeifters und eotl. des dekorierenden Bildhauers, ftefs die

(Sortierung Seite XI)


ABTEILUNG BELEUCHTUNG: Beleuchtungs-
körper für Gas und Elektrizität von einfachster Art
an bis zu feinster Ausführung. — Installations-
werkstätte für Licht-, Kraft- und Klingelanlagen.


WÜRTTEMBERGER

KUNSTGEWERBEHAUS

JOHs- ROMINGER

STUTTGART * Königstr. 35

= ** Besichtigung der drei Stockwerke erbeten ** l

ABTEILUNG HEIZKÖRPER und BRUNNEN:

Ausführung in Marmor, Fliesen, Keramik, Metall.

ABTEILUNG KUNSTGEWERBE: Dekorations-
gegenstände jeder Art. — Moderne Stoffe für Wand-
spannung, Möbel etc. nach Künstler-Entwürfen. -
Stilmöbel Louis XVI., Empire etc. - Stoffe und
Brokate nach alten Originalen. - Antiquitäten.


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