Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: VIII
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flrchitektonilche Rundfchau

Seife VIII

1913,o

Bus dem Gesamtplan des
Rusftellungsgeländes find die
beiden Hauptachsen leicht zu
erkennen, die eine im Zuge der
Straße des 18. Oktober, die andere
rechtminklig dazu uom Eingang
an der ReißenhainerSfraße nach
derBetonhalle (Abb.S.41). KünSt-
lerifch roertuoller und klarer iSt die
erftere, die, uom Eingang A aus-
gehend, ihren Point de uue im
Völkerfchlachtdenkmal hat. Der
Eingang A itt in der mitte frei,
um den Blick nach dem Denkmal
nicht zu ftören ; leine wunderbar
monumentale Wirkung ruird noch
gehoben durch den dicht dahinter
angelegten ZypreSSenhain, an den
lieh tiefer liegende, in Strengen
Tinien gehaltene Gartenanlagen
anSchließen. Der, durch den das
Gelände zerteilenden EiSenbahn-
einfehnitt bedingte, Höhenunter-
schied im Zuge diefer Strafe ruird
Sehr glücklich durch eine der
über die Bahn führenden, archi-
tektonisch wie konStruktio gleich
interessanten Brücke uorgelagerte
TerrafSenanlage ausgeglichen, die links uom Hauptcafe, rechts uon der Aus-
stellungshalle für Architektur noch besonders betont wird. Vielleicht hätte
Sich der HluSikpaoillon in der Achte der Strafe des 18. Oktober am Ende der
gärtnerischen Anlagen oermeiden laSSen. An den rechten flügelbau des Haupt-
eingangs Schließen Sich Vortrags- und KongrefjSäle Sowie die Hallen für Bau-
liferatur und BauStoffprüfung an.

Zur Seite der großen Straße liegt rechts der nächst der Betonhalle
bedeutendste Bau der InduSfriehalle, der aus einem ITlittelbau für Raumkunst
und KunStgewerbe und zwei uorgezogenen flügelbauten für Baukunst und
Baustoffe befteht, die einen Ehrenhof einfchließen. Es würde zu weif führen,
auf die fülle des hier Ausgestellten näher einzugehen; besonders erwähnt
feien nur im ITlittelbau die Empfangshalle, die Sich an diele anschließende
Ausstellung der Kaiserlichen majolikawerke Cadinen und der VortragsSaal der
firma Hupfeid, in dem flügel für Baukunst die Ausstellung bedeutender Prioat-
architekten. Das HauptreStaurant bildet links das Gegenstück zur InduSfriehalle.

Die zweite Hauptachse, rechtwinklig zur uorgenannfen, führt uon dem
durch die zwei flügel des Verwaltungsgebäudes (Abb. 5. VII) eingefaßten Eingang B
an derReißenhainerStraße nach derBetonhalle. Flach ihrem gärtnerischen Schmuck
als Tindenallee bezeichnet, hätte Sie oielleicht zur Straße der Rationen werden
können, aber die Beteiligung des Auslandes in abgeschlossenen Sonderaus-
Sfellungen blieb aus, mit Ausnahme uon Österreich, das links am Anfang
diefer Allee einen in Seiner Herstellung ebenSo interessanten wie architektonisch
Schönen großen Pauillon errichtete. An dielen Schließt Sich der Sächfifche
Staafspauillon an, bei dem man ungern eine Rücksicht auf hiStorifche Tra-
ditionen aus der Blütezeit SächSifcher Baukunst uermißt, die bei dem jenfeits
der Straße des 18. Oktober liegenden Ausftellungsgebäude der Stadt Dresden
bei aller modernen Eigenart desselben Sa überaus liebeooll gewahrt ift.

Zwilchen die beiden erstgenannten Gebäude fügt Sich, bescheiden zurück-
trefend, das Haus des SächSiSchen HeimatSchutzes ein, ganz anfpruchslos in
Seiner äußeren form, aber gerade damit trefflich die Bestrebungen des Vereins
kennzeichnend, für die in den einzelnen Räumen des Gebäudes erschöpfendes
und lehrreiches material ausgestellt ift.

Auf der rechten Seite der Tindenallee ift als architekfonifch auffallendes
Gebäude nur die Halle des Werdandibundes zu erwähnen, ich maße mir
keine Kritik an, aber ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß die
form dieSes Baues nicht So gewählt ift, daß man das WeSen des Bundes aus

dem namen lefen könnte, und daß Sie geeignet wäre, mit dauernden Ge-
danken zu befestigen, „was in Schwankender Erscheinung Schwebt“.

Jenfeits der Straße des 18. Oktober wird die Tindenallee in ihrer ganzen
Hänge uon der zum Induftriepalaft gehörenden Halle für BaukunSt ab-
gefchloSSen, deren charakteristische Wirkung durch kleine uorgeSeßfe Aus-
Stellungsbauten etwas beeinträchtigt wird. Demgegenüber zeigen Sich die
links der Allee liegenden Gebäude uoll und ganz in ihrer Schönheit,
zunächst die durch einen Säulengang gleich dem Hauptcafe mit der großen
Brücke uerbundene Halle für Architektur, dann das bereits ermähnte Dres-
dener Haus mit einer durch plattifchen Schmuck ausgezeichneten reizenden
Gartenanlage, weiter die mächtige Halle für hygienische Baueinrichtungen
und endlich die in einem besonderen Gebäude untergebrächte Sonderausstellung
für Krankenhausbau. Die Halle für Architektur enthält noch nicht das ganze
Ausftellungsmaferial der Gruppe Hochbau, Sondern in Zeichnungen, Photo-
graphien und modellen nur eine besondere Auswahl der betten und neuesten
Werke unterer bedeutendsten Architekten, die zur Beschickung der Ausstellung
besonders geladen wurden; daneben eine kleine hiStorifche Abteilung, die
aber aus ITlangel an Plaß nicht mehr erweitert werden konnte und für die
manches wertuolle material leider zurückgeftellt werden mußte, und endlich
in einem größeren Anbau in der Hauptsache gefchloSSene Ausstellungen
Städtischer Hochbauämter.

Das rumänische Cafe mit Kinematograph neben der Halle für Bauhygiene
hätte oielleicht beffer jenfeits der Bahn im Vergnügungspark untergebracht
werden können.

Den Abschluß der Tindenallee bildet der über den Rahmen eines uor-
übergehenden Ausstellungsbaues in architektonischer Komposition wie in Seiner
Ausführungsweife bedeutend hinausgehendc Bau der Belonhalle, heruorragend
als Ausstellungsgegenstand an Sich, indem er alle Verwendungsmöglichkeiten
des Betons und Eisenbetons in ebenSo geistreich durchdachter wie künstlerisch
oollendeter form zeigt. An den mit einer Kuppel überdeckten IThttelbau oan
30 m DurchmeSSer Schließen Sich zwei Seitenflügel an, in deren rechtem die
Stadt feipzig ausSfellt, mährend im linken das preußische ITliniStenum für
öffentliche Arbeiten durch zahlreiche, aus allen Gebieten des BauweSens ent-
nommene Gegenstände uertreten ift. Zwei im rechten Winkel an den linken
flügel anschließende Hallen enthalten den Hauptanteil der Ausstellung der

(fortfe^ung Seife IX)

WÜRTTEMBERGER

KUNSTGEWERBEHAUS

JOH- ROMINGER

STUTTGART , Königstr. 35

[ ** Besichtigung der drei Stockwerke erbeten ** -

ABTEILUNG KUNSTGEWERBE: Dekorations-
stücke in Marmor, Bronze, Elfenbein, ferner Leder-
waren, Stoffe, Stickereien etc.

ABTEILUNG ALTE STILE: Empire, Louis XVI.,
und andere Stile: Möbel, Vitrinen, Brokate, Stoffe.

ABTEILUNG JAPAN, CHINA: Porzellan,

Bronzen, Elfenbein, Stoffe, Stickereien.

ABTEILUNG GARTENKUNST: Wetterfeste

Terrakotten u. Majoliken: Figuren, Palmentöpfe,
Blumentische, Bänke, Tische, Brunnen etc. nach
Entwürfen bekannter Künstler, sowie nach griech.
und römischen Vorbildern.
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