Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: VIII
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Seife VIII

flrchitektonilche Rundfchau

1913,10

papierdünnen, Itellenroeile mallenhaft auffretenden Abblätterungen nur an
ganz belfimmten Ziegeln zu beobachten roaren, Ziegeln, die einen Anflug
oder Überzug non ockergelber Farbe befaßen. Aus den chemifchen Analyfen
geht nun heroor, dafj die äuljerlte Schicht dieler Ziegel nicht weniger als
lieben mal mehr zum eilt an Kalk gebundene Schroefeltäure
enthielt als das Innere der nämlichen Ziegel.

Da der obenerroähnte abgeblätferte gelbliche Überzug einen ganz
anormalen Gehalt an Kalk-, Alagnelia- und Alkalilulfaten enthielt, diele Salze
aber bei ihrer Hydratilierung bzro. Kriltallilation ihr Volumen oergröljern,
fo ilt leicht uerltändlich, dafj lie an der Ziegeloberfläche ähnliche Wirkungen
heroorbringen konnten wie der Froft. Solche lind übrigens auch anderwärts
beobachtet morden.

Wenn mir in unterem Fall lediglich die durch 5roltroirkung heroor-
gerufenen Ablplifterungen ins Auge fallen — und dieler Fall dürfte in der
Praxis roeit häufiger uorkommen als die durch Sulfate bewirkten Zer-
ttörungen — lo bemeilt er uns, dafj die Glalur durchaus nicht unter
allen Umltänden eine Gewähr für die Froftbeftändigkeit eines
Ziegels bietet; ja lie kann, wie es aus untrem Beitpiel deutlich heruor-
gehf, direkt tchädlich wirken, weil tie bei porölem Ziegelmaterial die
natürliche Ventilation des Scherbens hindert. Von unten eingetretene Feuchtig-
keit kann nämlich in dietem Fall nicht nach aufjen uerdunttcn, fondern wird
im Ziegel längere Zeit zurückgehalten und bewirkt bei Hinzutritt non Frott
unter Umttänden die Zerttörung des Ziegels. Das uorliegende Beilpiel bietet
tomit einen guten Beleg zu einem Austpruch non Breymann, der in feinem
Werk über Baukonttruktionslehre empfiehlt:

„Bei allen Bauten, bei denen zwitchen Aufjen- und Innentemperatur fo
grolle Unterfchiede herrlchen, dafj ffarke lliederfchläge zu befürchten find, ift
zu empfehlen, nur naturfarbene unglalierte Ziegel aus beftem material
zu uerwenden.“

Biichvrbefprechungen und Bücheranzeigen

Sduväbilches Heimatbuch, herausgegeben uom Bund für Heimatfchufj in
Württemberg und Hohenzollern. Verlag oon Wilhelm Aleyer-llfchen, Stutt-
gart. Preis Al. 5.40.

Das fchöne Buch ift fo recht dazu geeignet, feinen feiern die Schätje
unterer Heimatkultur zu öffnen, Heimaffinn und Heimatfreude bei ihnen zu
wecken. Cs enthält zahlreiche kurze Auffätje aus den Federn bekannter
fchwäbifcher Verfaffer, wie Cgelhaaf, Gradmann, Güntler, fampert und Schaffen.
Vor allem aber will das Buch durch einen reichen Bildfchmuck uon künft-
lerifchem Charakter feine Cefer erfreuen: reizende Dorfbilder nach farbigen
Zeichnungen uon K. Stirner, Friedhöfe uoller Schönheit, oberfchwäbifche Städte-
bilder, ferner der ehrwürdige Schwabenkopf unferes Alalers Julius Kornbeck
und zahlreiche Abbildungen feiner Werke, mehrere Farbenbilder uom Blau-
topf und uom Gelände des künftigen Ausftellungsparks. Cs ift lehr zu be-
grüben, dafj das Buch befonderen Wert darauf legt, Kunftmerke, die Dielleicht
dem Untergang oerfallen find, abzubilden und fo alte, liebgemordene Heimat-
bilder zu uerewigen. Jch denke hier befonders an die Cfjlinger neckarbrücke
mit dem Pliensauturm, die feit über fechs Jahrhunderten dem Wetter, dem
Waffer und dem Cife getroljt hat und jetjt in Gefahr ift, uon lAenfchenhand
zerftört zu werden. Seit langen ITlonaten tobt fchon der Kampf um die
eng damit oerknüpfte Frage der Hoch- oder Tieflage der Staatsbahn, und das
Cnde ift noch nicht abzufehen. Sch.

Paul Wallot und feine Schüler. Sonderheft der „Berliner Architekturwelt“.
Text uon Dr.-lng. W. Alackowski, Dresden. 123 Seifen mit 158 Abbildungen
und 6 extratafeln in Dicht- und Farbendruck. Verlag uon Crnft Wasmuth,
A.-G., Berlin. Preis 11t. 10. Vorzugspreis für Abonnenten 111.5.

Bei der Deutfchen Verlags =AnItalt in Stuttgart find foeben erfchienen:

DIE STUTTGARTER KUNST
DER GEGENWART

Herausgegeben mit Unterltützung S.M. des KönigsWilhehn 11. vonWürttem-
berg, derK.Württ. Minilterien d. Kirchen- u. Schulwefens u. der Finanzen, der
kunftfördernden Vereine Stuttgarts u. zahlr. Kunftfreunde, in Gemeinfdiaft mit

MAX DIES, EUGEN GRADMANN, GUSTAV
KEySSNER, GUSTAV E. PAZAUREK, HEINRICH
WEIZSÄCKER BEARBEITET VON JULIUS BAUM

Mit 3Qfarh. Tafefn, 12 Gravüren, 36 Kunftdruchtafehn u. zahhreichen Text*

/'fhilftrationen. Vornehm ge Bund, nach Entwurf von Prof.J. V. Cijfarz M15■ -

Zu den literarifdien Mitarbeitern diefesWerkes geboren die führenden Perfön-
lidikeiten im württembergifchen Kunltleben,- das ilt eine Gewähr für die Be-
deutung des Textes. Vielleicht noch wichtiger allerdings bei einem Buche diefer
Art ilt wohl der illuftrative Teil des Werkes, denn aus feinen Hunderten
von Abbildungen gewinnen wir ein Bild vom künftlerifchen Leben der
Gegenwart nicht nur in Württembergs Hauptltadt, fondern im ganzen
Lande und über deflen Grenzen hinaus. Das Werk ift gewifiermaßen ein
Gefdienk der württembergifchen Kunfifreunde und künlE
lerifchen Vereinigungen an das kunltliebende Publikum,
denn der Herltellungswert eines jeden Exemplars ilt etwa doppelt fo hoch
als der Verkaufspreis des Werkes, und nur dadurch, daß Kunftfreunde,
Kunltvereinigungen und der Staat hohe Beiträge zu den Llerltellungskolten
zahlten, wurde es möglich, diefes Prachtwerk im beiten Sinne des Wortes
dem Publikum zu einem fo geringen Preife anzubieten.

DAS

STUTTGARTER KUNSTGEBÄUDE

Von Dr. GUSTAV KEySSNER. Gebunden Ml,

TheodorFifchers Kunltgebäude erfährt in diefer Schrift eine eingehendeWürdF
gung. Wie Fifcher an feine fchwierige Aufgabe herantrat, in welch intereflanter
Weife er fte lölte, dem geht der Verfaffer hier in den wichtiglten Einzelheiten
nach, und er fucht in diefer mit Abbildungen reich gefchmüdtten Schrift zum
Verltändnis diefer bedeutfamen Schöpfung beizutragen.
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