Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 29.1913

Seite: VIII
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Seife VIII

flrchifekfonifche Rundfchau

19]3,n

Kolo Alofer, Wien

Innenraum des Haules Kolo ITloler in Wien

Patentfenfter u. -Türen auf der Int. Baufachausftellung

Von Friedrich Huth, Charlottenburg

s ift eine alte Erfahrung, dafj man auf Husftellungen niemals die Dinge,
welche zufammengehören, beieinander findet. Cs darf uns daher nicht
wundern, daß mir auch auf der Internationalen Baufach-Ausftellung, die man
übrigens zutreffender als Deut!che Baufach-Husltellung bezeichnet hätte, in
der Abteilung „Baukunlt“ neben Architekfurmodellcn der fchönen alten Stadt
Hildesheim Drahtleilbahnen und Fenftcrkonftruktionen finden; und es darf uns
ferner nicht ttmndernehmen, dal] mir den Fenfter- und Türkonftruktionen auch
in der Halle „Bauftoffe“ und in den ITlalchinenhallen begegnen. Wer allo über
engere Fachgebiete eine Überlicht gewinnen roill, braucht uiel Zeit, und er kann
dennoch Wichtiges überfeinen.

eine Reihe interellanter, durch Deutfehes Reichspatent gefchütjter Kaften-
fenfter mit herablaßbaren Oberflügeln fah ich in der Kollektiuausftellung der
Sächfifchen Bauglafer (Bauftoffabteilung); fie find oom Glafermeiffer ITT a r iI3
Herlfh, £eipzig-Go., ausgeftellt. Gs werden uerfchiedene zroeiflügelige Doppel-
fenfter und einfache dreiteilige Fenfter oorgeführt, bei welchen je nach Bedarf
die Oberflügel zum Zwecke des Cüftens heruntergelaffen werden können, und
zwar bei gefchloffenen Unterflügeln. Bei dem zweiflügeligen Kaftenfenftcr
wird z. B. gezeigt, wie der innere Oberflügel (nach Öffnung des inneren
Unterflügels) herabgelaffen und nach innen zum Pußen umgelegt werden
kann. Das Pußen der Obcrflügel kann alfo lehr bequem und ohne Gefahr
erfolgen. Gbenfo bequem ift die Behandlung des heruntergelaffenen äußeren
Oberflügels. Bei dem einfachen dreiteiligen Fenfter wird zunächft gezeigt,
wie die drei Oberflügel zum Hüften bei uerfchloffenen Unterflügeln in jede
beliebige Stellung heruntergelaffen werden können. Ferner fehen wir, wie
man alle drei Oberflügel nach dem Heruntcrlaffen und nach dem Öffnen der
Unterflügel nach innen zum gefahrlofen Pütjen umlegen kann.

ln derfelben Gruppe wird das patentierte Freitagfche Schiebefenfter oor-
geführt. Patentinhaberin ift die Firma Freitag & Schlautmann, Ham-
burg. Das Fenfter befteht aus zwei Teilen, einem oberen und einem unteren
Flügel. Der Unterflügel kann nach innen ausgerückt werden, fo dafj eine
Spaltlüftung bewirkt wird. Bei diefer Anordnung kann auch der obere Flügel
etwas heruntergelaffen werden, wodurch Zirkulationslüftung entffehf. Alan
oermag aber auch beide Teile ganz nach unten oder ganz nach oben zu
fchieben, fo dafj man eine oöllig freie Öffnung oon der halben Fenftergröße

erhält. Das Umlegen der einzelnen Flügel zum Zwecke der Reinigung kann
leicht und gefahrlos oon einer Perfon ausgeführt werden, da beide Flügel in
jeder Hage oom Drahtfeil gehalten werden können. Beide Flügel können nach
innen umgefchlagen, alfo auch an der Außenfläche oom Dienftboten ohne An-
wendung einer Heiter gepußt werden.

Wegen der Schlichtheit der Konftruktion gefiel mir namentlich das oon
Robert Kinne, Ceipzig-Tleuffadt, ausgeftellfe leipziger Patentfenfter, das
Sich oon den fonft gebräuchlichen, d. h. allgemein üblichen Wohnungs-
fenftern fehr wenig unterfcheidet. Hier können die Oberflügel auf die ein-
fachfte Weife herabgelaffen und unten zum Zwecke des Pütjens umgelegt
werden. Jm übrigen können aber die Obcrflügel wie bei jedem anderen
Fenfter in der oberen Hage gelüftet werden. Das Herablaffen und Umlegen
der Oberflügel wird faft allein durch den eigenartigen Befchlag erreicht, denn
die Holzkonftruktion weicht oon normalen Fenftern kaum ab. ]m übrigen
wird die Konftruktion auf einfache wie auf Doppeltester angewendet und
auf zweiteilige Fenfter cbenfogut wie auf drei-, oierteilige Fenfter ufw.

Gin kleiner, mit drei Türen oerfehener Paoillon oeranfchaulicht Konftruk-
tion und Anwendung der oon der Kunftfchmiede A. Al. Kraule, Berlin-
Pankow, ausgeftellten feuerficheren Triumphtüren. Die patentamtlich gefchiißte
Konftruktion befteht im wefentlichen aus zwei äufjeren, in Rahmen gefafjten
Blechplatten, welche Tafeln unoerbrennbaren Ifolierungsftoffes einfchliefjen.
Zwilchen den Ifolierungsplatten befindet fich noch eine ifolierende £uftfchicht,
diele wirkt durch ftändige Verbindung mit der Außenluft abkühlend. Die
Blechplatten find fugenlos aus einem Stück und oertieften Füllungen gepreßt.
Die ausgeftellten Türen find in der Farbe und Alaferung wie Holztüren be-
handelt. Dazu liegt aber keine Veranlagung oor; es wäre richtiger, eine
Atetalltür auch in der Dekoration als folche zu kennzeichnen ; fie kann darum
doch fehr gefällig wirken. Gine derartige Tür hat die oom Kgl. Alaterial-
prüfungsamt in Groß-£ichferfelde angeffellfe Feuerprobe gut behänden. Sie
wurde eine Stunde lang dem Feuer ausgefeßt, und daoon 50 Alinuten lang
einer Hiße oon über 1000 Grad Celfius. Sie hat fich während diefer Brand-
probe weder oerzogen noch geworfen.

Derfelben Aufgabe dienen die feuerficheren, gepreßten und gefalzten
Imperial-Aletalltüren, welche die Deutfchen Aletalltüren-Werke,
Brackwede i. W., ausgeftellt haben. Wir fehen einen Kunftftein-Paoillon mit
fünf Türen oerfchiedener Ausführung. Die Türen wirken fehr gefällig, und
die Fabrik legt offenbar Wert darauf, daß diefe gepreßten und gefalzten Aletall-
türen auch in oornehmen Häufern an den Stellen Verwendung finden, wo

(?artfeijuna Seite IX)
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