Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 31.1914-1915

Seite: 35
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profilierung und niedrigem Holzpaneel. Die Fenster- und Türumrahmungen sind aus Holz
ausgeführt, hier ermöglicht eine Holzgittertür mit Traillen den Einblick in den benach-
barten Raum. Der Fußboden ist ein quadratisch geteilter kieferner Stabboden in Asphalt
(Abb. 86). Im zweiten Obergeschoß ist der entsprechende kleine Raum der Vorraum
zur Aula. Sie ist gewölbt, ihr Vorraum wurde deshalb gegensätzlich mit gerader Decke
versehen und durch eine durchbrochene bronzene Tür nach der Aula abgeschlossen. Dieser
Tür entspricht die kleine bronzene Ringkrone inmitten des Raumes. Die Säulen, sowie
die Fenster- und Türumrahmungen wurden aus Cottaer Sandstein ausgeführt. Die orna-
mentierten Rosetten der Decke und Fensterlaibungen sowie die ornamentierten Kapitäle
und Basen der Säulen deuten auf die reichere Ausbildung der Aula hin. Der Fußboden
ist ein eichener Parkettboden (Abb. 92 u. 93). Der darübergelegene Raum im dritten
Obergeschoß ist zugleich die Empore der Aula und wurde dieser entsprechend gestaltet
(Abb. 91).

Über der Bücherei befindet sich im ersten Obergeschoß das Konferenzzimmer.
Das den ganzen Raum umziehende Schrankwerk ist olivgrün, die Wand darüber ist gelb
gestrichen, ihr Abschlußgesims ornamentiert. Die mittlere Ringkrone wurde in Bronze
geschmiedet (Abb. 94). Die Auditorien-, Sammlungs-, Modell- und Verwaltungsräume sind
sehr einfach durchgebildet worden. In den verschiedenen Stockwerken wurden die Holz-
teile in verschiedener Weise profiliert, die Wände erhielten verschiedene Farbentönungen
und andere schablonierte Abschlußgesimse. So zeigen die Räume im Erdgeschoß eine
grünliche, im ersten Obergeschoß eine gelbliche, im zweiten Obergeschoß eine rötliche und
im dritten Obergeschoß eine bläuliche Tönung.

Der Querflügel enthält in den verschiedenen Stockwerken im wesentlichen vier
größere Räume. Sie sind in ihren vorderen kurzen Seiten durch verschieden ausgebildete
kleine Erweiterungsräume indirekt und an den gegenüberliegenden Seiten direkt zugäng-
lich. Es sollen so den Schülern verschiedene Raumeindrücke beim Eintritt in einen Raum
gezeigt werden. Im Untergeschoß dient der fünfachsige Raum als Erfrischungsraum
für Schüler, Er hat eine gerade, geputzte Decke mit geraden Unterzügen, die geputzten
Wände sind hell, das niedrige Holzpaneel etwas dunkler gestrichen und mit ockergelben
Linien abgesetzt. Drei schmiedeeiserne Ringkronen belichten ihn, die Wandflächen wurden
mit Piranesibildern geschmückt. Der Fußboden ist ein in Asphalt quadratisch verlegter
eichener Stabfußboden (Abb, 77, 82, 96 u, 97). Die darüber im Erdgeschoß und ersten Ober-
geschoß gelegenen Räume dienen als Sammlungsräume. In ihnen wurden Ausstellungs-
schränke für Baustoffe und Architektur aufgestellt, welche innerhalb elektrisch belichtet
werden können. Der Raum im Erdgeschoß zeigt eine einfach ausgebildete Holzbalken-
decke. Die unprofilierten Tragebalken werden durch geschnitzte Konsolen und Zapfen
belebt. Die Wandflächen erhielten einen graugrünen Anstrich (Abb. 78, 82, 97, 98, 99 u. 102).
Der entsprechende Raum im ersten Obergeschoß wurde etwas reicher ausgebildet.
Hier sind die Deckenfelder zwischen den Tragebalken kassettiert, mit geschnitzten Rosetten
geschmückt und mit Leimfarbe in grauen und rötlichen Tönen gemalt worden. Die Wände
erhielten einen blaugrauen Ton (Abb, 82, 97,100, 101 u, 103). Darüber die Aula ist mit einem
Tonnengewölbe und Stichen zwischen Gurtbogen überwölbt worden, die Decke und die
Wände wurden dann mit ornamentierten Stuckgliederungen versehen. Besondere Schmuck-
teile bilden einerseits der Einbau unter der Empore und andererseits die Portalarchitektur.
Hier sind die Säulenschafte, die Balusters, die Vasen, Muscheln und Knöpfe aus Veroneser
Marmor, die anderen Architekturteile aber aus istrischem Kalkstein ausgeführt worden.
Über der Tür lesen wir einen alten Spruch: „Wer etwas kann, hat Lobes viel. Ein Schand
ist, wer nichts lernen will.“ — Die Stimmung des Raumes ist hell, die Wand-, Pfeiler-
und Deckenflächen erhielten eine leichte rötliche Tönung, die Stuckgliederungen wurden
in den Ornamenttiefen durch etwas Ocker belebt (Abb. 79, 80, 82, 97, 105—110).

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