Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 31.1914-1915

Seite: 73
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Abb. 145 und 146. Konstantinopel, Hagia Sophia.

hier vorauszuschicken, daß unser unmittelbares Schätzungsvermögen sehr vielfachen
Größenunterschieden gegenüber auf ein nur geringes Vielfaches beschränkt ist und
daß daher mehr als zwei- bis dreifache Größendifferenzen nicht unmittelbar erfaßt
werden können, Soll daher ein um vielleicht das Zehnfache größeres Architekturwerk,
als unsere eigene Körpergröße, auf den Betrachter einen unmittelbaren Eindruck
machen, so muß es schon in seiner Unterteilung Gelegenheit dazu bieten, daß
der Mensch mit seinem Körpermaß anbinden kann an Größen, mit denen er
bereits vertraut ist, die er schon erlebt hat, zunächst an Stufen, Brüstungen, dann
im weiteren an Raumteilen, welche die gewohnte Größe von Wohnräumen, Lauben usw,
haben.

Außergewöhnlichen Größenabmessungen gegenüber genügt eine Anbindung mit Hilfe
von Stufen und Brüstungen natürlich nicht mehr, hier müssen schon gewohnte Raum-
größen den Schluß auf un-
gewohnte unterstützen hel-
fen, Das Seitenschiff einer Basi-
lika oder das untergeordnete Mez-
zaningeschoß eines Palastes sind
solche den gewöhnlichen Wohn-
räumen oder den Lauben alter-
tümlicher Straßen nahekommende
und daher sofort erfaßbare Größen-
erscheinungen, die dann zu einem
höheren Einheitsmaßstab werden,
mittels welchen die Größe der
ganzen Basilika oder des ganzen
Palastes gefühlsweise gemessen
und so lebendig erfaßt wird. Bei
gewaltigen Monumentalbauten
können solche Abmessungen mit
dem Auge bis in die dritte und

Abb, 147. Rom, St. Peter.

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