Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 31.1914-1915

Seite: 111
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Bauten des städtischen Hochbauamtes in Stuttgart-

Architekt: Städt. Oberbaurat Pantle,

Vorstand des städt. Hochbauamtes Stuttgart.

Die Schickhardtschule in Stuttgart

Diese Schule ist ganz aus den eigenartigen Geländeverhältnissen Stuttgarts hervor-
gegangen, die bei dem zur Verfügung gestellten Bauplatz neben der Überwindung von
Höhenunterschieden bis zu 14,5 m noch auf einen Teil des Platzes eine künstliche Fundation
erforderten, da guter Baugrund unter dem derzeitigen Gelände erst in weiteren 8 m Tiefe
anstand.

Die Höhenunterschiede führten zu einer abgestuften Anlage für die Schulhöfe und
die verschiedenartigen Untergrundverhältnisse zur Auflösung der Gebäudeanlage in einzelne
Teile, wobei dann die verlangte Realschule, die Bürgerschule und die Turnhalle je in be-
sonderem Gebäude untergebracht wurden.

Statt einer Anfüllung der Terrassen wurden im untersten Teil große Hallen einge-
baut, die als Umformerstation des Elektrizitätswerkes und zur Unterbringung der Geräte
des städt. Straßenreinigungsamts zweckmäßige und willkommene Verwendung fanden. Die
über dem schlechten Baugrund erstellte Realschule ist auf einer Eisenbetonplatte gegründet,
der Verbindungsbau mit der auf gutem Baugrund stehenden Turnhalle wurde erst nach
eingetretenem Stillstand in den unvermeidlichen Setzungen erstellt.

Der Schulhauskomplex enthält zusammen 42 Schulsäle, 2 Schulvorstandszimmer,
Lehrer- und Lehrmittelzimmer, Konferenzzimmer, einen Physiksaal mit Vorbereitungs-
zimmern, einen Musiksaal, Bibliothekräume, Schülerarbeitssäle usw. Die Hausmeister-
wohnung befindet sich im tief gelegenen Teil der Realschule an der Beerstraße, Die
2 Zeichensäle mit Nebenräumen sind über der Turnhalle eingebaut mit Zugängen von
jedem Schulhaus, so daß sie von beiden Schulanstalten nach Bedarf benutzt werden
können. Zum Aufenthalt der Kinder in den Pausen sind außer den Schulhöfen im Freien
Unterstandsgelegenheiten geschaffen, außerdem enthalten die Gebäude im Innern vor den
Haupttreppen und namentlich im I, Stock über den Verbindungsgängen sehr geräumige
Hallen. Die Aborte sind auf den Stockwerken untergebracht, außerdem befinden sich
solche in den Untergeschossen, von den Schulhöfen aus zugänglich; sie sind mit Wasser-
spülung versehen, die Abwasser werden in einer Kläranlage geklärt. Die Beheizung
erfolgt durch eine Niederdruckdampfheizung mit selbsttätigen Fernthermometern, die Frisch-
luftzuführung nach dem Schreiderschen System, Das Kesselhaus ist unter der Turnhalle
in der Mitte der Anlage eingebaut. Die Abluft wird in besonderen Kanälen nach dem
Dachraum und nach außen abgeführt. Die Gebäude sind durchaus massiv ausgeführt mit
Eisenbetonzwischendecken. Besondere Vorkehrungen sind auch gegen die Fortpflanzung
des Schalls durch die Decken getroffen.

Die Wirkung der Anlage im Stadtbild wurde vor allem in einer guten Gruppierung
bei einfacher Formgebung gesucht.

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