Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

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Nach unserm Dafürhalten lässt sich die Inschrift aus Mangel
an sicheren Anhaltspunkten keinem bestimmten Alphabete ein-
reihen, und ich betrachte es auch als vergebliche Miihe, für das
Gefäss in der Entwicklungsgeschichte der aTchaischen Vasen-
malerei nach einem Platz zu suchen. Es stammt aus der Hand
eines späteren Nachahmers, der es mit der Paläographie der In-
schrift nicht zu genau genommen haben wird und schwerlich
unter archaischen Alphabeten nach einer Vorlage gesucht hat.
Zumal wenn wir das Gefäss, wie ich es, allerdings ohne An-
schauung der Originale, für richtig halte, nicht mit der Klasse
der melischen Gefässe in Verbindung bringen, denen es doch
stilistisch ziemlich fern steht, sondern mit einer anderen Gruppe
primitiver Vasen, die, aus verschiedenen Funden stammend, bei
mancherlei Dilferenzen im Einzelnen dennoch gewisse Eigen-
tümlichkeiten der Kunstweise mit einander gemein haben. Ich
nenne als Beispiele die sog. Olpai von PhaleTon (Dumont, Revue
archeol. N. 8. XIX, 1869, p. 213 If. und ))Les Ceramiques de 1a
GTece propretf p. 101 ff.; Böhlau, Jahrb. d. I. II, p. 44 lf), dann
die Berliner Amphora 56 vom Hymettos Jahrb. d. I. II, Taf. 5),
den Pithos von Eameiros (Salzmann, necrop. de Cam. pl. 39) und
das mykenische Gefäss (Furtwängler, myken. Vasen Taf. 42 u. 43).
In Stil und Technik scheint unser Gefass mit den genannten
übereinzustimmen (vgl. Klein a. a. O. und Furtwängler, Bronze-
funde von Olympia, Berl. Akad.-Abh. 1879, p. 45). Diese
nun sind sämtlich inschriftlos, so dass die Vase des Aristono-
phos sich schon in diesem Punkte von ihTen archaischen Mustern
unterscheidet. Künstlerinschriften gar ünden wir auf den ältesten
Vasen überhaupt noch nicht; dieselben treten erst im korinthi-
schen Stile vereinzelt auf. Da die Behandlung unseres Gefässes
im allgemeinen der der weiter unten zu besprechenden etrus-
kisch-korinthischen und ))pseudoattischen« Gruppen entspricht, die
olfenbar etruskisches Lokalfabrikat sind, und da es wie diese in
Oaere gefunden ist, so bin ich geneigt, Etrurien auch als seinen
Entstehungsort in Anspruch zu nehmen. Dafür spricht auch,
dass kein anderes der stilistisch auf gleicher Stufe stehenden Ge-
fässe in Italien zum Vorschein gekommen ist. Ueber sonstige
Bedenklichkeiten des Stiles vgl. die iiberzeugenden Ausführungen
Brunn's a. a. O., und die Bemerkung Woermann's (d. Land-
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