Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 10
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bietet keinen Anstoss. Wohl abei' haben die paläographischen Zu-
thaten der anderen hierher gehörigen Gefasse Bedenklichkeiten. Es
handeit sich hier uin den Gebrauch von Q. Wir hnden dasselbe auf
archaischen Inschriften nur vor o u. v; ausnahmsweise fauf Miinzen
von Kroton und anf der Inschrift der ozolischen LokTer I. G. A. 321)
auch vor o mit darauffolgendem o. Die Beispiele, wo es vor
anderen Buchstaben erscheint, (I. G. A. 183, Böotien:
372,98, Styra: EPIQREeEO^, tl3A. Elis: KEQATONBAM),
sind keineswegs sicher und können deshalb ausser Betracht bieiben.
Damit wir nicht hyperkritisch erscheinen, möge auch der auf
Vasen mehrfach sich hndende Gebrauch des 0 Yor einer andern
Liquida als o (I, u, ^) mit darauffolgendem o oder v unbeanstandet
bleiben, obwohlsich derselbe auf keiner echtarchaischenlnschrift
nachweisen lässt. Vor einem anderen Konsonanten als einer Liquida
iiberhaupt ist 0 beispiellos. 8o schreibt die lokrische Inschrift iiberall
NAVTAKTO/^. Wir miissen deshalb an dem H &Q*TOP Mon.
d. I. II, 38a und an dem MOMQdAT")$E, mit dem doch otfen-
bar M:7ir7r<xA(^aog gemeint ist (Mon. d. I. X, 4 und 5; Berlin
1655), Anstoss nehmen. Das ) für t neben X Rir e aufder Vase
Mon. d. I. II, 38, b (= Berlin 1147) dagegen wird jetzt durch
den Hinweis auf I. G. A. 21, 27a und 27cvon jedem Verdachte
befreit*).
Für den Fabrikationsort dieser Gefässe ist es von Bedeutung,
dass eines derselben (M.-W. I, 18, 93) in Capua gefunclen worden
ist. Wir diirfen deshalb die Entstehung dieser italisch-korinthi-
schen Gruppe schwerlich wie die der gleich zu besprechenden
etruskisch-koi'inthischen Gefässe in Etrurien vermuten, sondern
rnüssen ihre Fabrik in den Griechenstädten Kampaniens suchen,

') Hiei'durch wird ^uch dertüdellose E.orinthicismus dervielbesprochenen
Inschrift XPAINxTOM MxAOKXN tAPOPOI (Brunn, Probl. p. 95; Kirchhoff
p. 104)bestätigt. Weitergehende Schlüsse aher über das Alter der eriialtenen
korinthischen Inschriften daraus zu ziehen, wie es z. B. Kirchhoif a. a. O.,
.Röiil zu I. G. A. 22 und Löschcke, Ann. d. I. 1878, p. 308 a. E. thun, halte
ich für falsch, so lange noch die Frage über die Entstehungszeit der s. f. Ge-
fässe im Flusse ist. Für mich beweist die Inschrift weiter 'nichts, als dass
man noch irn 3. Jaiirh. v. Ciir. das altkorinthische so gut wie das voreukli-
disch-attische Alpiiahet zu imitieren verstand.
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