Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 17
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habe ich ausgeschieden, da beide Inschriften nur wegen des Ge-
brauches von Q dem chalkidischen Alphabete zugeschrieben werden.
Dasselbe hndet sich indessen mehrfach auch auf attischen Inschriften,
und somit liegen keine epigraphischen Hedenken gegen den atti-
schen Ursprung der Gefässe vor. ^ — falls München 125 so zu
lesen ist — kommt ebenfalls auf attischen Inschriften bereits des
6. Jahrhunderts vor (Kirchhotf p. 94). Brunn Nr. 4 behält Klein
aus stilistischen Griindcji bei, während er Brunn Nr. 5 aus paiäogra-
phischen wie stilistischen Gründen von der chalkidischen Gruppe
trennt. Nr. 9 und 10 unseres Verzeichnisses sind bisher unpubli-
ciert und wir müssen deshalb die Frage nach ihrem echten
Archaismus olfcn halten. Nr. 11 des Klcin'schen Verzeichnisses
ist anepigraph und konunt daher für uns nicht in Betracht. Auf
Vollständigkeit hinsichtlich der Berücksichtigung neuester Litte-
ratur macht die von mir gegebene Zusammenstellung keinen
Anspruch.
Die beiden von Brunn als echt hier ausgeschiedenen Ge-
fasse Nr. I und 2 dürfen nicht länger auf diese seltne Ehre An-
spruch erheben, so dass demnach echt-chalkidische Vasen unter
dem bis jetzt bekannten und abgebildeten Voriatc nicht vor-
handen sind. Wie Brunn mir aus eigener Anschauung mitteilt,
hat nämlich die Geryoneusvase im Pariser cabinet des medailles
eine ganz elegante Technik, glänzenden Firniss und hochroten
Thon und de Witte (etudes sur les vases peints p. 48) bestätigt
dies auch für die oben an erster Stelle citieite Amphora mit dem
Tode des Achilles. Diese Eleganz der äussern Erscheinung muss
allerdings wohl Bedenken an der echten Altertümlichkeit der
Gefässe hervorrufen, und wir werden sie demnach für vorzügliche
Imitationen alter Originale (im Gegensatz zu andern ohne alte
Vorlage erfundenen Bildern erklären rnüssen. So auch de Witte
a. a. O.: oevidemment d'un äge plus recent que les vases corin-
thiens(t. Die Epigraphik dieser wie der übrigen aufgefiihrten
Gefässe unterliegt keinen nennenswerten Bedenken, so dass sich
daraus kein Verdacht gegen ihre echte Altertümlichkeit ent-
nehmen lässt. Das unregelmässige Auftreten der Aspiration auf
Nr. 7 und 8, an welchem Brunn (p. 116) Anstoss nahm, ündct
sich häufig auch auf Steininschriften und ist deshalb nicht zu
beanstanden. Doch sei hier nochmals nachdrücklich auf die


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