Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 24
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ziehen diufen. Die Mehizahl der in Naukratis aufgefundenen &e-
fässscherben trägt eingekratzte Weihinschriften an hellenische
Gottheiten, zum Teil an die Dioskuren, hauptsächlich jedoch an
Apolion. Herodot nun herichtet (II, 178), odassdenHellenendie
Erlauhnis zur Niederlassung in Naukratis und zur Errichtung von
Kultusbezirkcn und Altären für ihre Götter daselhst erst durch
Amasis erteilt worden ist und dass zu den in Folge und auf
Grund dieser Eriaubnis in Naukratis stattgefundenen Gründungen
dieser Art auch die Stiftung eines Temenos für Apollon durch die
Milesier gehört hat. Weihungen in diesem Temenos können also
frühestens während der Regierung dieses Königs vorgekommen
sein und selhst die ältesten unserer Inschriften dürfen demzufolge
nicht üher das Jahr seines Regierungsantrittes, also Oi. 54 (= 564
bis 561 v. Chr.) hinaufdatiert werden<f Kirchhotf p. 47.) Nun
will ich die Möglichkeit der WarnungKirchhotf's (p. 44) nicht
lcugnen, dass xdasDatum der Weihinschrift nicht notwendig immer
mit dem der Fabrikation des geweihten Gegenstandes identisch
ist, vielmehr unter Umständen beträchtlich später sein kanntf,
aber wir werden doch einen solchen Fall, vor allem hei so ge-
wöhnlicher irdener Waare, immer nur als Ausnahme hetrachten
dürfen. Daraus entspringt also für uns die Erkenntnis, dass man
noch in der zweiten Hälfte des 6. Jahrh. nehen einander im
xgeometrischenK, im amelischen<f, j)kyrenäischen« und ))korinthi-
schen« Stile gearbeitet hat und dass demzufolge der Versuch, die
einzelnen Stilgattungen zeitlich einander sich ablösen zu lassen,
grossen Bedenken unterliegt. Wir müssen uns also hüten, etwa
eine Vase des geometrischen Stiles unhedingt für älter zu halten
als eine solche des melischen oder korinthischen; in der fortgesetz-
ten Tradition des Kunsthandwerks führten die verschiedenen Stil-
gattungen nehen einander ein ruhiges Weiterlehen. Noch ein
Anderes springt hiernach sofort in die Augen: dass wir es bei sti-
hstisch verschiedenen Gefassen nicht immer mit Verschiedenheiten
der Zeit, sondern wohl ehen so oft mit Verschiedenheiten des
Ortes, der Fahriken zu thun hahen, ganz ehenso wie bei
den Erzeugnissen der vattischen« s. f. und rotügurigen Geiäss-
malerei (vgl. Brunn, Certosa § 31). Den weiteren Schluss, dass
die einzelnen Stiigruppen altertümlicher Vasenmalerei, wie die
melische, kyrenäische, korinthische, nicht auf die Gegenden he-
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