Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 28
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Athen um die Mitte des 5. -laliih. fiii piivate Aufzeichnungen
auf Stein veiwandt worden ist; es könne nicht wohl andeis ge-
dacht werden, als dass es in den litterarisch gebildeten und thä-
tigen Kreisen schon in der vorhergehenden Epoche im Gebrauch
gewesen sei; alles dränge zu dem Schluss, dass es spätestens seit
dem Anfang des peloponnesischen Krieges in Attika allgemein
in den Grabinschriften angewendet worden seia; (p. 378 f.) Kirch-
hoif (p. 92 tf.) stimmt diesen Ergebnissen bei: ))Das ionische Al-
phabet hatte im Privatgebrauch schon seit den Perserkriegen
Verwendung zu hnden angefangen; privatelnschriftenzeigen die
jüngere Form des Sigma ^ vereinzelt bereits im 6. Jahrh.G)
Die Wichtigkeit dieser Resultate fiir die Vasenkunde leuchtet
ein. Die Gefässinschriften sind gleichfalls privaten Charakters
(etwa mit Ausnahme der ofüciellen Signaturen auf den panathe-
näischen Preisamphoren, soweit dieselben wirklich attischer Pro-
venienz sind; vgl. §. 70) und unterliegen den gleichen Bedin-
gungen wie die Inschriften der Grabsteine. V ir haben im Ver-
laufe dieser Erörterungen zu untersuchen, ob die aus den Stein-
inschriften gewonnenen Resultate auch für die Aufschriften wirk-
lich archaischer, griechischer Gcfässe zu gelten haben. Zunächst
haben wir es hier mit der Grenze nach oben, dem frühesten
Eintreten des ionischen Alphabetes zu thun; über die Grenze
nach unten, das Schwinden der attischen Zeichen aus den In-
schriften werden wir später zu handeln haben. Fiir die Entwick-
lungsgeschichte des attischen Alphahetes haben wir eine wert-
volle Grundlage in v. Schütz's historia alphabeti Attici, Berlin
1875, die aber immer durch die neueren Forschungen zu kon-
trolieren ist. Für uns sind von besonderer Wichtigkeit seine Be-
merkungen über die Wandlungen in der Gestalt der einzelnen
Zeichen.
14. Zu einer ungefähren Datierung der Francoisvase haben
wir zunächst die drei ältesten der vorkommenden Zeichen, Q B
und in Betracht zu ziehen. Das Auftreten des ersteren lehrt
uns nur das hohe Alter der Vase, da wir keinen hestimmten Anhalt
für die Zeit des Verschwindens von Q aus dem attischen Alphabete
besitzen (v. Schtitz, p. 25). Jedenfalls gehört unsere Vase in die
t) Warum allerdings die Hydria aus Phaleron bei Heydemann, gr.
V.-B. p. 14. a. E, noch dem 6. Jahrhundert angehören soll, ist mir nicht klar.
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