Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 37
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Im Anschluss an Brunn (p. 122) errvähne ich hier kurz eine
Gefässgruppe, fiir die aus Griechenland die Analogien fehlen,
die aber von Wichtigkeit fiir die Fabrikation von Vasen in Italien
ist. Jahn, der mit Gerhard (Ann. d. I. III, p. 22 f.) die absicht-
liche Altertümlichkeit dieser Kategorie anerkennt, bemerkt nämlich
Einleitung p. CLXX.1) dabei Folgendes: ))In der Auffassung und
Behandlung der Gegenstände tritt das Fremdartige ebenso sehr
wie im Stil hervor, es fehlen die charakteristischen Ziige,
wie sie aus dem unmittelbaren Vertrautsein mit grie-
chischer Sage und Sitte hervorgehen; andere ab-
rveichende sind dafrir eingemischt.K Dieser Gruppe eigen-
tümlich sind auch die gefiiigelten Dämonen, über deren vermutlich
italischen Charakterunten § 67 zu vergleichenist. Inschriftenhaben
sich — mit Ausnahme von im Felde verstreuten buchstaben-
ähnlichen Zeichen, z. B. München 81 — bisher nicht gefunden
(Jahn a. a. O.).
17. Die zuletzt behandelten Gruppen haben uns bereits zum
Gebiete der eigentlichen s. f. Vasenmalerei übergefiihrt. Unsere
bisher fast durchgängig befolgte Gegenüberstellung von Gcfässen
griechischen und italischen Fundorts als archaischer und späterer
Waare müssen wir hier einschränken. Ein grosser, ja wohl der
grösste Teil auch der griechischen s.-f. Gefasse ist jüngern Ur-
sprungs und deshalb zum Vergleich mit den italischen Vasen
zunächst nicht verwertbar. Ein genaueres Studium dieser Ge-
fässe nach ihrer Epigraphik, ihrem Stil und vor allem ihrer
äussern Erscheinung, welches mir ohne Anschauung einer ge-
nügenden Menge von Originalen nicht möglich ist, wird in Zu-
kunft zeigen, nach welcher Richtung hin auch diese jüngeren
griechischen Gefässe s.-f. Technik sich von den in Italien ge-
fundenen unterscheiden. Zunächst vermag ich hier nur an das
künstlerische Gefühl des Einzelnen zu appellieren. Man mache
sich z. B. die Mühe, die Furtwängler'sche Publikation der Samm-
lung Sabouroff zur Iland zu nehrnen und daselbst die beiden
Gefässe Taf. 48, 3 (= Berlin 3996; Aegina) und Taf. 49 und 50, 1
(= Berlin 3988; Tanagra), die zu den besten mir bekannten
archaisierenden Werken s.-f. Stiles aus Griechenland gehören,
genau zu betrachten. Lässt sich diesen beiden Vasen auch nur
ein Gefäss gleicher ATt aus italischen Funden zur Seite stellen?
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