Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 54
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zweifelhaft sein, was wir von den Inschriften zu halten hahen:
ähnlich wie bei der Aristonophosvase, die man ebenfaHs altio-
nischer Kunst zuschreiben zu diirfen geglaubt hat, verraten auch
hier die ionischen Zeichen vielmehr die Impotenz des Malers, die
Imitation eines archaischen Iiunstwerkes, die ihm schon bei den
Hildern schlecht genug gelungen ist, bis auf die Inschriften auszu-
dehnen.
22. Dem Gewichte dieser Thatsachen, zu welchen sich neben
Fundnotizen, die ichhier nicht näher berühren will, mancherlei sti-
listische Bedenken gesellt haben, hat man sich denn auch nicht
zu entziehen vermocht und in neuerer Zeit mehrfach die Existenz
eines ))s.-f. Stiles späterer Zeit« (Furtwängler), eines ))spätar-
chaischen Stiles« (Klein) zugegeben. Beide verbinden mit diesen
Bezeichnungen den BegTitf des unausgesetzten, allmählich sich
vertlachenden Weiterarbeitens in der alten Technik. Den Ver-
tretern dieser Ansicht, dass der s.-f. Stil sich in ununterbrochener
Flandwerkstradition bis in späte Zeit erhalten habe, möchte ich
vier Fragen vorlegen.
Wir haben in den panathenäischen Preisamphoren der Ky-
renaika (vgl. § 70) unzweifelhafte, durch die Archontennamen
gesicherte Erzeugnisse einer Jahrhunderte lang in den alther-
gebrachten Formen weiterarbeitenden echt attischen Töpfer-
kunst. Wie wil) man nun die stilistischen Unterschiede zwischen
dieser kyrenäisch-attischen Iiategorie, deren Besonderheiten Brunn,
Probl. p. 142 f. ausführlich dargelegt hat, und der Gesamtmasse
der in Italien gefundenen s.-f. Gefässe des ))spätarchaischen«
Stiles erklären?
Wie erklärt man sich ferner, möchte ich fragen, das Vor-
kommen s.-f. Vasen in Unteritalien mitten unter den allgemein
als italisch anerkannten Gelassen? Gleichfalls als attischen Im-
port? Dann wäre die Ilälfte der dortigen Vasen attisch, die Flälfte
italisch! Oderals Produkte frühererZeit? SoIIte man dieselben
Jahrhunderte lang aufbewahrt und erst dann in Gebrauch gesetzt
haben? Oder als Erzeugnisse des bis in späte Zeit weiterlebenden
archaischen Stiles? Aber wir wissen nichts von echt-altertüm-
licher Vasenmalerei auf süditalischem Boden, und das Fehlen der
streng-rotf. Gefässe spricht doch gegen eine historische Aufein-
anderfolge der Stilarten im dortigen Kunstbetriebe. Ich glaube,
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