Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 58
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mides (Klein, M.-8. p. 194, 1 = Sehöne, Museo Bocchi tav. IV, 2,
Nr. 372) schreiht ebenso: EV8VM! .... Die auf der glei-
chen Stilstufe stehende Krösosvase (C. I. &. 7756 = Mon. d. I.
I, 54, und 55) hat EV8VMO, BESEVS:, rEPKSOS:. Ebenso
die streng-rotf. Schale Mon. d. I. V, 35 = C. I. G. 8350:
PPOMEGE^ (neben HPA, wo H allerdings möglicherweise = e
ist; vgl. oben § 18).
Vielleicht dürfen wir auch annehmen, dass Hieron mit seinem
0AtfBVB!0^ eigentlich einen GAI'OVBtO^ beabsichtigt habe.
Denn der auffallende Gebrauch des schon seit der 2. Hälfte des
6. Jahrh. (v. Schiitz p. 62) von attischen Steininschriften ver-
schwundenen Zeichens B — das uns zuletzt auf der Francois-
vase begegnet — auf einem um ca. 70—80 Jahre jiingeren Mo-
nument erklärt sich wohl am leichtesten durch die Annahme,
dass der der altattischen Huchstaben unkundige Maler ein vor-
euklidischesAIphabet alsVorlage vor sichgehabt hat') und beim
Schreiben sein Auge von einem Huchstaben zum anderen abge-
irrt ist (vgl. Urunn, Probl. p. 96 und oben § 19).
Ilier müssen wir auch des häuügen Fehlens der Kon-
sonantengemination gedenken. Dieselbe wird auf Steininschriften
nach Meisterhans p. 38 seit der Mitte des 6. Jahrh. regelmässig
durchgefiihrt. Da indess die Francoisvase und andere eeht at-
tische Denkmäler noch jiingerer Zeit, wie die Berliner Pinakes,
dicselbe noch nicht verwenden, so wird die aus dem monumen-
talen Gebrauche entnommene Datierung etwas zu modihcieren sein.
Jedenfalls aber diirfen wir doch annehmen, dass der rotf. Vasen-
malerei der Mitte des fünften Jahrh. die Konsonantenverdop-
pelung vollkommen geläufig gewesen ist, und ich kann keine
echt altertiimliche griechische Vase dieser und der folgenden Zeit '-)
nachweisen, wo dieselbe fehlt. Wenn wir sie deshalb auf zahl-
reichen Inschriften — griechischer oder italischer — streng-
rotf. Gefässe vernachlässigt ünden, so können wir, meine ich,
hierin nichts anderes als einen missverstandenen Archaismus er-
blicken (vgl Brunn, Probleme p. 103). Beispiele kann ein Jeder
') Etwa der Art: AAA &B A A I BH CSO ! tK L MMM M<VN O P Ot^
>!>DPPP T VfY Y Ot}) X .
Berlin 2689 (Theben): APOAON ('sgchönerStil, spätereHälfte") istnacti
der Abbildung bei Heydemann I, 3 ganz unsicher.
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