Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 63
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das Tierische streift und uns in archaischer Kunst hefremdlich
herührt.
Ganz hesonders hedenklich erscheint es mir deshalh. wenn
der Gott selbst in das ausgelassene, oft sinnlich-iohe Treiben
seines Gefolges gezogen wird. So z. B. auf den streng-rotf. Ge-
fassen Panofka, Musee Blacas, pl. XIII und München 273 und
auf der einer etwas späteren Stiigattung angehörigen Vase Bau-
meister s. v. Dionysos p. 434, Ahh. 4S3, zu der Baumeistei ganz
richtig hemerkt: ))Die weihische Kieidung des härtigen Gottes
und die sonst ungewöhniiche Tanzbewegung drücken ihn fast zu
der Schaar seinerFoiger herab.n Wennirgendwo, so ist es doch
hei dieser Vase k)ar. dass hellenistischer Geist sie erfiillt. Man
sehe nur das halborientalische Kostiim des Gottes, das geneigte
Haupt mit den wallenden Locken! Müssen wir nicht des soge-
nannten Platokopfes gedenken, der doch sicher alexandrinischer
Zeit angehört? Ich erinnere hier an die Bemerkungen Brunns
üher die nämliche Erscheinung auf der Miinchener Vase 745
(tekton. Stil I, 319): ".die weiche Beugung des Nackens
und Neigung des Hauptes, welche in ihrem sentimentalen An-
hauch selbst iiber das Emphnden etwa im Parthenonfriese hinaus-
geht und mindestens an die Eirene des Kephisodot, wohl noch
richtiger aher an den sogenannten Platokopf in Neapel oder den
Dionysos der Henkelgruppe einer pränestinischen Ciste (Mon. d.
I. VI, 64) erinnert.tt Man wird gerade dieser Spur eines wei-
cheren Empündens auf den mannigfachsten Gcfässen hegegnen.
Bei den genannten wird man vielleicht den Ausweg vorschlagen,
der Maler hahe darnit die ekstatische Tanzbewegung oder die
Trunkenheit des Gottes hezeichnen wollen. Aher muss nicht —
ahgesehen von der Schwierigkeit, dass wir dahei einem archai-
schen Kiinstler die Darstellung eines Trunkenen zutrauen müssen
— ein solcher Versuch irn 5. Jahrh. unser Befremden erregen?
Wie fasst denn die hohe Kunst dieser Zeit ihre Göttergestalten
auf? Doch wohl nicht als sinnlich erregte, von Leidenschaften
getriehene Wesen, wie sie erst die Epoche nach Skopas kennt,
sondern als hoheitsvoll abgeklärte, irdischem Getriebe entriickte
Gestalten — ich denke an die Parthenos, den Zeus des Phidias,
an die Eirene des Kephisodot und speziell an den Sardanapal
des Vatikan. Und wie streng noch die zweite attische Kunst-
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