Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 67
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sich bekanntlich schwer, weil eine hestimmte dichterische Auf-
fassung, zumal wenn sie die Sage umgestaltet oder ihr neue He-
standteile hinzufugt, erst einige Zeit braucht, ehe sie in weitere
Schichten des. Voiksbewusstseins dringt. Vgl. Jahn, Einl. p. 232 f.;
Vogel, Scenen euripid. Tragöd. auf Vaseng. p. 14 f.
Die Hydria der jfälteren Hälfte des schönen Stilstf A. Z. 1884,
Taf. 13 (= Berlin 2380) mit der Darstellung des verfolgten Orestes
darf man nach der jetzigen Datierung nicht später als gegen das
Jahr 450 ansetzen. Die Sage von der Flucht des Muttermörders
nach Delphi hatte allerdings bereits Stesichoros erzählt; ihre aus-
führliche Gestaltung erfuhr sie jedoch erst durch Aeschylus (vgl.
Wernicke a. a. O. d. A. Z. p. 199), dessen Trilogie 458 aufgeführt
wurde (Argum. Aesch. Agam.). Also würden wir auch hier mit
grosser Wahrscheinlichkeit auf direkte Einwirkung deT Tragödie
gewiesen.
In gleicher Weise hat die Sage von deT Befreiung der An-
dromeda durch Perseus ihre Ausbildung erst in der Tragödie
erfahren, und in keinem echtarchaischen Kunstwerk ist eine
Darstellung dieser Scene erhalten. Wir hatten oben bereits Ge-
legenheit (§. 6), der Bemerkung Brunns zu gedenken, dass schon
aus diesem Grunde an der echten Altertümlichkeit der etruskisch-
korinthischen Vase Berlin 1652 (= Mon. d. I. X, 52, 1—3) zu
zweifeln ist.
Den Einüuss der Tragödie bekundet ferner nach meiner An-
sicht bestimmt die Gestalt der TPAAO)A)A auf einem streng-
rotf. Vasenbilde (Gerhard, A. V. I, 56 = Baumeister s. v. Per-
soniükationen, p. 1301, Abb. 1443), die wir doch kaum mit
Heydemann, Satyr- und Bacchennamen (5. hall. Winckelmanns-
progr. 1880), p. 15 K für eine blosse Bacchantin halten können.
Einer etwas freieren Stilgattung, die aber nach Furtwänglerscher
Datierung spätestens um das Jahr 450 geherrscht haben soll,
gehört ebenda p. 16 L (= Millin, gal. myth. 83, 336 etc.) an,
auf der wir eine KQMAtAtA ünden. Vgl. Thrämer bei Roscher,
myth. Lex. s. v. Dionysos, p. 1109. Wir werden dabei der Tra-
gödie und Komödie gedenken, die Aetion am Ende des 4. Jahrh.
malte (Brunn, K.-G. II, 245).
30. Ähnlich liegt vielleicht der Fall bei dem Ringkampf
des Peleus und der Atalante, von welchem wir in der Litteratur
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