Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 71
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Menschcniacct erkcnnen (Brunn, Frobl. §. t6), sondern vielmehr
die Absicht einer Wiedergabe von Physiognomien, wie sic der
Maier täglich in seiner nächsten Pmgebung zu beobachten reich-
iich Gelegenheit hatte. Das erste Beispiel einer Barbarenbildung
in der Piastik ist die Statue des Mausoios aus dcr Mitte des
4. Jahrh., die aber noch frei von naturalistischer Charakterisierung
ist (Juiius bei Baumeister s. v. Barbarenbildungen p. 250 f.). Von
Polygnot rvird berichtet (Brunn, K.-G. II, 22), er habe die Perser
bracatos, mit Hosen dargestellt. Der Künstler kam also offenbar
noch nicht auf den Gedanken, den Barbaren durch eine beson-
dere Gesichtsbildung zu charakterisieren: er vermochte densciben
nur durch die äusserliche Zuthat fremdländischer Kleidung von
einem Hellenen zu unterscheiden. Ganz dieselbe Erscheinung
hnden wir auf dem Friese des Nikctempels (Julius a. a. O.). Dem-
nach dürfen wir den Aethiopenknaben, der auf der Nekyia des
Polygnot (Paus. X, 3), 7) dem Memnon als dem König der
Aethiopen beigegeben war, kaum für einen Negerbuben mit wul-
stigen Lippen, geÜetschten Zähnen und krausem Haare halten;
keinesfalls wenigstens kann die Physiognomie mit realistischer
Naturwahrheit durchgebildet gewesen sein. Charakteristisch ist
es ausserdem, dass Polygnot den Memnon selbst nicht als Aethio-
pen darstellt, sondern nur durch die Beigabe dieses Knaben ihn
als solchen bezeichnet, ndoch wohl, weil er die geistige Bedeu-
tung des Königs in dem fremden Typus nicht darzustellen wagen
magff (Brunn, K.-G. I, 448). Aehnlich ist noch auf einem bekann-
ten pompejanischen Wandbilde, das die Personiükation der drei
Weltteile darstellt (Raoul Rochette, peintures de Pompei, pl. 28)
und dessen Eründung von Helbig (Untersuchungen p. 219 f.) mit
grosser Wahrscheinlichkeit auf hellenistische Zeit zurückgeführt
wird, die Africa nur durch ihre dunkelbraune Farbe, nicht aber
durch abweichenden Gesichtstypus charakterisiert (Brunn, philostr.
Gem. I, p. 212). Auf dem Gemälde des älteren Philostrat (I, 7)
hat Memnon wohl gleichfalls nur schwarze Gesichtsfarbe. In
dem Perseusbilde (I, 29) wird nur rro zroü /pfjpurog urorroy der
Aethiopen erwähnt. Die interessanten Gemälde an den Metopen
der inneren Fassade eines Grabes aus Kyrene, die nach den Ab-
bildungen und Beschreibungen noch einer besseren Zeit anzu-
gehören scheinen, stellen ebenfalls Negerinnen mit schwarzer
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