Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 75
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leicht eine Duichsicht von K. Langes üMotiv des nufgestützten
Fussesy.
86. Im Vorheigehen, da. wir gerade von Lysipp sprachen, ge-
denke ich hier der Berliner streng-rotf. Schale mit der Darstel-
lung einer Erzgiesserei (2294; Gerhard, Trinksch. u. Gef. XII
u. XIII; Baumeister s. v. Erz, p. 506; Blümner, Leben u. Sitten
d. Griechen III, p. 162), die man vielleicht auch ivegen der dem
Berliner hetenden Knaben ähnelnden Statue, deren Guss daselbst
vorbereitet wird, in Verdacht ziehen könnte. Doch scheint mir,
dass Helbig (Untersuch. etc. p. XI, Anm. 1) mit Recht es fiir
möglich hält, ndass dieses Motiv bereits von der älteTen Kunst be-
handelt wurde«; werden wir doch nicht sowohl durch die Stel-
lung und Haltung des Knaben, als vielmehr durch seine Propor-
tionen und die Behandlung von Einzelheiten, wie des Haares,
auf lysippische Kunst geführt (vgl. Friederichs, kleinere Kunst
und Industrie, p. 378). Auch scheint. mir die Vermutung (vgl.
Gerhard a. a. O.), dass die Knabenstatue der Schale mit der auf
der anderen Hälfte des Rundes in Arbeit beündlichen Figur eines
ausschreitenden Kriegers zu einer Gruppe zu verbinden und dem-
nach der Knabe als liegender Schutzüehender aufzufassen sei,
schon wegen der Haltung der Füsse gesichert zu sein. — Ich
führe das Gefäss vor allem an, um an einem Beispiel zu
zeigen, wie diametral verschieden die stilistische Auffassung eines
Bildes von Seiten zweier anerkannter Autoritäten auf dem Ge-
biete der Vasenkunde sein kann, und wie lax, wie schwankend
und unbestimmt deshalb unsere heutige Auffassung von der histo-
rischen Entwicklung der Vasenmalerei ist. Während nämlich
Furtwängler die Schale unter die Abteilung ))attisch rotügurig,
strenger Stil« eingereiht hat und sie mit den Worten preist:
))Alle Figuren von grosser Lebendigkeit; Variation des Ausdruckes.
Augenkontur immergeschlossen; Stern ganz an den innerenWinkel
gerückt. Komposition, Stil und Detailbehandlung sind dem Brygos
aufs nächste verwandttt, äussert sich Helbig in folgender sehr ab-
weichenden Weise: ))Allerdings zeigt die Schale in den Inschriften
das voreuklidische Alphabet und in der Zeichnung allerlei Forrnen
gebundener Kunstweise. Doch spricht, wenn irgendwo, so
hier alle "Wahrscheinlichkeit dafür, dass die betreffende Vasen-
fabrik, vermutlich aus merkantilen Riicksichten, archaische Eigen-
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