Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 77
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arndt1887/0093
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
77

lebhaftes Misstmuen crrcgen, und noch mehi die Hrust- und
Hauchhaaie dei Giganten auf dei stieng-iotf. Tiinkschale Gei-
haid, gi. u. eti. Tiinkschaien X u. XI (Beiiin 2293). Tbenso
kann, wcnn wii uns dei Satyibildung in voipiaxiteiischei Zeit
eiinnein und z. H. den myionischen Maisyas als ungefähi gleich-
zeitiges Weik ins Auge fassen, die zottige Biust dei Satyin auf dci
Satyrvase des Duiis (Kiein, M.-S. p. tül, 23) nicht längei unbe-
anstandet bleiben. Vgl. auch den Satyi auf dem Innenbild dei
Schale des Iiieion, Wienei Voilegebl. A, IV (Haaie an Biust
und Bauch), und so bei Hieion noch öftei selbst an gewöhn-
lichen Männein, z. B. a. a. O. C, IV.
In dei Mitte des 5. Jahih. weiden wir wohl auch an dei
lealistischen Wiedeigabe dei weiblichen Schamhaaie auf dei
Beteisbuigei Kottabosvase des Euphionios Anstoss nehmen miissen
(Klein, Euphionios p. 105; M.-S. p. 138, 2)*). Ich fieue mich
und eiachte es als einen Beweis dei Richtigkeit, dass Hen
Di. L. Julius, wie ei mii mündlich äusseite, zu deiselben
Beobachtung gelangt ist. Dass die Daigestellten Hetäien sind,
ändeit nichts an dei Thatsache; ich glaube nicht, dass ein
Maler in diesei Zeit es wagen durfte, die Scham auf deiaitig
lohe Weise zu verletzen. Man muss hier lecht wohl zwischen
den Geschlechtern scheiden. Was beim Manne uns natüilich
erscheint, was an Männein der Grieche täglich in dei Palästra
wie im Bade zu sehen Gelegenheit hatte, das war damals wie
heute beim weiblichen Geschlecht unberufenen Augen zu er-
blicken verwehit. Soweit meine Kenntnis reicht, hat die giie-
chische Kunst die Angabe der weiblichen Schamhaare überhaupt
veischmäht. Hnd wii haben keinen Grund anzunehmen, dass
man dieselben bei weiblichen Statuen duich Faibe andeutete, wo
doch bei männlichen ihie Wiedergabe in dei Regel plastisch ge-
schah. Noch die etiuskischen Kunstwerke der jiingeren Zeit,
wie die Spiegel, stellen zwai die Spalte zwischen den Scham-
lippen des weiblichen Leibes, nicht abei die Schamhaaie dai.

') Nach Jahn, Dichter nuf Vasenbildern, p. 707, Anm. 20 sollen auch hei
dcr Ariadne der Berliner streng-rotf. Vase 2179 die Schamhaare angegehen
sein. Die neueste Publikation in den Wiencr Vorlegebl. (III, 6) und der Ivata-
log sagen indessen nichts davon.
loading ...