Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 79
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auch das von Biunn, Probl. §. 11 über die Ilaarbehandlung der
Aristonophosvase Bemerkte.
39. Wie geschieht in archaischer Kunst die Wiedergabe des
Wassers? Auf dcnr Streifcn der Francoisvase nrit dem Siegesreigen des
Theseus ist von dem SchifF desselben leider nur die Hälfte erhalten;
sorveit man erkennen kann, ivar das Meer überhaupt nicht und
die Kiiste nur durch einen Felsblock angedeutct, den der schwim-
mende Gefahrtc des Theseus mit der Rechten erreicht. Woet-
mann, die Landschaft etc. p. 113 giebt zwar an, das Meer sei
durch wohlausgeprägte Wellenlinien ausgedrückt; doch habe ich
auf keiner der drei Abbildungen etwas davon entdeckcn können.
Das Wasser, das auf dem echtkorinthischcn Gcfässe des Timoni-
das A. Z. 1863, Taf. 175 aus einem Löwenkopfc in die Hydria
der Polyxena rinnt, wird durch zwei nebcneinander laufende
Linien gegeben, ohne eine Spur malerischer Behandlung. Aus der
Beschreibung des Acheron auf der Nekyia des Polygnot (Paus. X,
28, 1) gewinnen wir kein recht klares Bild: ))Das Wasser scheint
ein Fluss zu sein . . . ., und Röhricht wächst in ihm, und so
dunkel sind die Gestalten der Fische, dass sie eher Schatten als
Fischen gleichen. Und ein Schiff ist irn Fluss, und der Fähr-
rnann an den Rudernat Ich enthalte mich einer Vermutung über
die Art und Weise der Ausführung des Wassers: jedenfalls erfah-
ren wir nichts von einer realistischen Darstellung desselben. Des-
halb beschränkt sich auch die Masse der s.-f. und streng-rotf.
Vasengemälde in richtiger Anlehnung an ältere Vorbilder auf eine
nur andeutende Wiedergabe des feuchten Elementes. So auch
noch späte Bilder: die schöne Amphora aus Kameiros (Wiener
Vorlegebl. II, 6, 2) bezeichnet das Meer durch die Küste und
einen Fisch, die Berliner Vase mit dem Parisurteil (2633; Over-
beck, ILer.-Gall. X, 5) durch tektonisch-stilisierte Wellen, über
denen ein Knabe auf einem Delphin rcitet. Demnach halte ich
den Versuch einer realistischen und zugleich perspektivischen
Wicdergabe des Meeres, wie ihn der Maler der s.-f. Hydria Ger-
hard A. V. II, 112 (= Baumeister s. v. Nereus, Abb. 1227, p. 1017)
unternommen hat, für ein Zeichen bedeutend späterer Zeit. Ahn-
lich El. cer. IV, 17 u. 18 (dagegen stilisierte Wellen auf einer
frei malerischenVase ebenda 39); GerhardA. V. II, 134; Dubois-
Maisonneuve, 70, 2; Gerhard, etr. und kamp. V.-B. 30, 3, sämtlich
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