Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 80
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arndt1887/0096
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
80

s.-f.; Panofka, Tod d. Skiron etc. — Berlin 2288, strcng-rotf. Ygl.
auch Brunn, philostr. Hiider I, p. 232.
40. Auch die Bildung der Bäunie in archaischer Zeit sei
hier kurz berührt. Altere plastische Werke, die in Frage kom-
men könnten, sind nicht erhalten; das Fragment des Olbaums
aus dem Westgiebel des Parthenon (i\Iichaelis VIII, 15) ist zu
geringfügig. Von echt-altertümlichen Vasen rveiss ich nur die
beidcn korinthischen A. Z. 1863, Taf. 175 und A. Z. 1859, Taf.
125, 3 anzufiihren. Beide Male sehr lebendig und naturwahr ge-
zeichnetc Bäume, die ebensoweit von allem trocknen Schematis-
mus rvie von malerisch freier Behandlung entfernt sind. Wie
hölzern und nüchtern dem gegeniiber trotz der späteren Ent-
stehung- der Gefasse die Bäume auf der Mehrzahl der s.-f. Vasen!
Von Leben und Frische keine Spur: archaisierend eben und nicht
archaisch. Und andcrerseits, wie sehr unterscheidet sich von der
hei aller Naturwahrheit noch strengen Zeichnung der Bäume auf
den echtkorinthischen Gcfässen der durchaus malerisch behandelte
Kranz auf dem Schulterbilde der pseudokorinthischen Busirisvase
(Mon. d. I. VIII, 17) oder gar die Bäume auf der Würzburger
Phineusschaie (Mon. d. I. X, 8 = Wiener Vorlegebl. C, VIII, 3).
Gerade bei dieser sehe ich in der vollkommen freien WiedeTgabe
des landschaftlichen Elements, die nicht an das 6., sondern an
das 3. Jahrh. erinnert, den stärksten Bcweis fiir ihre spätere Ent-
stehung (vgl. oben §. 21). Auch auf den gewöhnlichen s.-f. und
streng-rotf. Vasenbildern sind derglcichen verdächtige Bäurne
häuhg, z. B. Gerhard A. V. I, 15; II, 132.—133, 1 u. 4; Mus.
Greg. II, 46, la; II, 49, 2a = Brunn, Vorlegebl. 19; Gerhard,
etr. und kamp. V.-B. D, 1; München 563, sämtlich s.-f.; Wiener
Vorlegebl. D, VIII, 2 = Mon. d. I. XI, 20, streng-rotf. AIs be-
sonders auffallend sei die Zeichnung dcr Palmen auf der Troilos-
vase des Euphronios (Wiener Vorlegebl. V, 6) erwähnt, die, be-
sonders in ihrenr Schuppenstamme, ganz realistisch behandelt sind.
Sehr lehrreich ist hier der Vergleich mit der Wiedergabe dcr
Palme auf dem einer jüngeren Zeit angehörigen echtgriechischen
Vasenbilde der Kritn, Wiener Vorlegebl. II, 7: frei und natur-
wahr, aber im Detail nur andeutend; keine minutiöse Wicder-
gabe der Einzelheiten, die der guten Zeit der griechischen Kunst
loading ...