Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

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fiemd wa,i. Plus intelligitur quam pingitui'. Der nämliche Fali
wie in dcr PlfLStik*).
41. Es erscheint mir iiherhaupt fraglich, oh wir in alter
Zeit ein so starkes Hervortreten des landschaftlichen Elementes
annehmen dürfen, wie es auf einigen s.-f. Vasen sich hndet. ))Po-
lygnot verfuhr ganz nach der idealen, um getreue Wiedergahe
der Realität unhekümmerten Ahkürzungsmanier. Wie er eine
ganze Flotte durch ein Schitf, ein ganzes Lager durch ein Zelt,
so hezeichnete er einen ganzen Hain durch einen Baum und den
Meeresstrand durch ein paar Steine . . . Polygnot hätte die Grösse
seines Stiles heeinträchtigt, wenn er die untergeordneten Reize
von Busch und Baum seinen Bildern hinzugefügt hätte<f (Friede-
richs, die philostr. Bilder p. 182. Vgl. auch Brunn, K.-G. II, 39).
Die echtarchaischen Vasenbilder, hesonders die korinthischen,
stehen hierin durchaus in Einklang mit der hohen Kunst. Durch
die Entwicklung der Skenographie tritt allerdings in jener ein
Umschwung zu schärferer Betonung der Landschaft ein, wie ihn
die Gemälde des Zeuxis, Pausias, Nealkes zeigten (Brunn, philostr.
Gemälde I, 292). Der zeichnende Charakter der monochromen
Vasenhilder hat dieselben indess auch in jener Zeit vor rein male-
rischer Durchführung dcr Landschaft hewahrt. Man vgl. z. B. die
drei Parisurteile Overbeck, Her.-Gall. X, 2 u. 5 u. XI, 1, und he-
sonders die schöne Peruginer Amphora Mon. d. I. VI u. VII, 70
(= Baumeister s. v. Dionysos p. 441, Abb. 491). Zu letzterer
sind die Ausführungen Brunns (tekt. Stil I, p. 322) zu beachten,
der darauf hinweist, wie dort der eine der drei Bäume nicht
realistisch, sondern ornamental stilisiert gehildet ist, damit ))das
ganze Bild nicht zu malerisch, zu landschaftlich erscheint, sich
gewissermaassen loslöst von der Fläche des Gefässes, mit dem es
doch seiner Bestimmung nach auf das Innigste verwachsen sein
soll.ft Die von Woermann (Landschaft p. 128) angeführten poly-
chromen Lekythen aus Athen, auf denen die landschaftlichen
Andeutungen stärker hervorzutreten scheinen, verlangen als viel-
farbige Gemälde auf weissem Grunde die Beurteilung der Ge-
') Vgl. Bnll. d. I. 1863, p. 85 (Brunn): ". . . . ln scultura antica, che mette
ogni cura nel mostrar le forme caratteristiehe del tronco, de' rami, delle fo-
glie e dei frutti, ma riguardo all' insieme si contenta, di rappresentar tutto
l' albero con una certa astrazione in una forma, per cosi dirc, abbreviata."
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