Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 85
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schen Zeit unterscheidet. Ich eiinneie an die zahlieichen s.-f.
Vasen mit dei' Daistellung des mit Heiakles lingenden Ti'iton,
z. B. Mon. d. I. XI, 41, 3, an den Iiekiops dcr schönen Eiich-
thoniosvase Wienei Voilegebl. B, XII (oschöner Stil, älteie Hälfte«),
und an Schlangenbildungen, wie Stackelbeig, Giäbei d. Hell. 39,
odei Gcihaid, A. V. II, 95 u. 96 (= Baumeistei s. v. Heiakles
p. 657, Abb. 724). Wähiend ivir nämlich doit deutlich das Unge-
schick einei älteien Zeit eikennen, die es, ähnlich ivie bei den
Gestalten dei Kentauren, noch nicht veistand, die heterogenen
Foimen des Menschen- und des Thieileibes oiganisch zu veibin-
den, ist hiei das Ungelenke und Steife jenei aichaischen Bil-
dungen duichaus veischwunden. Wii werden unwillküilich an
die Gestalten des Münchenei Poseidonfrieses eiinneit, dei dei
Kunstweise des Skopas entsprungen ist. Die nämlichen schön
geschwungenen Foimen, dei gleiche ausgespiochen dekoiative
Chaiaktei dei Bewegungen dieselbe geschmeidig-schlüpfiige Ei-
scheinung, die den Bewohnein des feuchten Elementes zu eigen
ist. Eine aichäologische Piüfung dei numismatischen Datieiungen
diiifte, wie nach andeien, so auch nach diesei Seite hin sehi
gewinnbiingend sein. Den Ansatz der agiigentinischen Münze
Luynes, choix pl. VII, Nr. 2 (= Baumeister s. v. Münzkunde
p. 958, Abb. 1133) mit dei Daistellung einei elegant geschwun-
genen Skylla (vgl. ebenda p. 956, Abb. 1121 u. 1122, Münzen
von Thurioi) in die letzten Dezennien des 5. Jahih., also in die
Zeit voi Skopas, muss ich wenigstens nach den oben gegebenen
Dailegungen bezweifeln.
Seepfeide kommen in aichaischei Zeit nui auf etiuskischen
Bionzen etc. voi (vgl. die Münchnei aus Peiugia, M.-W. I, 59
und Fiiederichs-Wolteis Ni. 196), die mit ihren vielfachen Be-
zügen zum Orient fiii griechische Kunst nicht beweisend si.nd.
Auf giiechischen Weiken kenne ich sie, nachdem die Hippo-
kampen des Paithenongiebels durch Oveibeck beseitigt sind, zu-
eist auf dem Münchnei Poseidonfiies. Auch ünde ich keine
litteiarische Nachiicht, die uns übeiliefeit, dass älteien Zeiten die
Voistellung von Seerossen, Seestieien u. s. w. beieits geläuüg
gewesen sei, und im platonischen Kiitias (p. 116 E) z. B. fähit
Poseidon mit sechs geüügelten Rossen, nicht mit Seepfeiden. Es
ist nicht unmöglich, dass die Veimischung zweiei Thieifoimen zu
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