Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 87
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und das sehr ähnliche Gefäss aus Vulci Caialogue Pourtales,
p. 29, Nr. 132, wo ebenfaHs der Adler auf der Iland des Zeus
sitzt. Ileydemann a. a. O. citiert ferner die s.-f. Amphora M.-
W. II, 21, 229 (— El. cer. I, 8; Gerhard, A. V. I, 6), auf wel-
chem die Eule als Beistand der Athene in der Luft Aattert, und
die streng-rotf. Vase Gerhard, A. V. 50, 4 (= Mon. d. I. I, 27,
35), wo der Panther zum Sprung bereit auf der Linken des
Dionysos sitzt, während die Schlange den Gegner bereits urn-
strickt hat.
Auch der Typik einzelner Göttergestalten wird man erneute
Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Wir vviesen bereits oben
darauf hin, mit wie grossem Lnrccht Furtwängler den schönen
attischen Aryballos Berlin 2471 (= Samml. Sabouroff, Taf. 55) in
die Jahre 440—430 versetzt. Die Bildung des jugendlichen Dio-
nysos mag ja schon im 5. Jahrh. sich vereinzelt ünden Thrämer
in Roschers myth. Iiex. s. v. Dionysos p. 1126 f.), aber in die
Kreise des Kunsthandwerks ist sie doch sicher erst seit der praxi-
telischen Epoche gedrungen. In welche Zeit unser Gefäss viel-
mehr gehört, mag Furtwängler die schöne Peruginer Amphora
Mon. d. I. VI u. VII, 70 (= Baumeister, s. v. Dionysos, p. 441,
Abb. 491) lehren. Die Zeichnung derselben ist noch bei weitem
strenger als die des ATyballos und wir Anden bereits auf ihr den
unbärtigen Dionysos. Das ist ungefähr der Stil der Vasenmalerei
zur Zeit des Praxiteles, und das Berliner Gefäss riickt demnach
etwa in die Periode Alexanders.
Eine jugendliche Bildung des Ilermes kennt zwar bereits
Ilomer (vgl. Baumeister s. v. Hermes p. 676); in der Kunst scheint
dieselbe jedoch erst seit Phidias (Parthenonfries) aufzutreten.
Aeltere Denkmäler zeigen ihn durchgängig bärtig. Ich richte
deshalb meine Zweifel gegen den jugendlichen Hermes des streng-
rotf. Parisurteiles Overbeck, Her.-Gall. X, 3.
Zeus mit dem Adlerscepter hndet sich (nach Sittl, Adler und
Weltkugel als Attribute des Zeus, p. 20 f.) erst auf Vasen des
malerischen Stiles. Die streng-rotf. Sosiasschale (Berlin 2278)
und die Amphora gleichen Stils Gerhard, A. V. I, 7 (= Miinchen
405) erscheinen deshalb verdächtig.
Wie eine echtarchaische Kunst Fliigel bildete, sehen wir an
den Kranichen und an einem der Dämonen der Francoisvase:
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