Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 90
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eines dieser Gefässe zur Stütze meiner Hehauptungen herbeizu-
ziehen. Bei Jahn, arch. Beitr. Taf. II, t ist eine Vase in Gestalt
eines Pygmäen publiciert, ivclcher auf seinem Rücken den mit
Figuren noch ziemlich strenger Zeichnung geschmückten Gefass-
hals trägt. Offenbar durch den Stil des Bildes bestimmt, versetzt
F. Winter (die jüngeren attischen Vasen, p. 72) das Gefäss zwi-
schen die Jahre 440 und 400. Eine genauere Betrachtung der
Gestalt des Pygmäen aber, seines komisch zwerghaften Wuchses,
seines langen Phallus, des für den Verivachsenen so trefi'cnd
charakterisierten Gesichtes lvürde ihn belehren, dass das ganze
Gefass und somit auch das ))streng-rotf.(( Bild nicht vor der
alexandrinischen Epoche entstanden sein kann. Auf den Werken
der hohen Kunst sind mir aus älterer Zeit keine hgürlich ge-
schmiickten Trinkhorner bekannt; das erste, ein in einen Ken-
taurenleib auslaufendes Rhyton, lindc ich auf einer elischen
Miinze, die den Dionysos des Praxiteles wiedergeben soll (Bau-
meister s. v. Praxiteles, p. 1402, Abb. 1553).
Die Rhyta sind nicht archaisch, und ebensowenig die Trink-
gefässe in Gestalt von Fiissen und Fussbekleidungen, die wir auf
der streng-rotf. Schale Mon. d. I. 111, 12 hnden. Dieselhen er-
innern sehi an die oStiefeltt, die auf unsein jetzigen Studenten-
kneipen piangen und deien ))iaffinieite(( Anlage mii jedei Kommi-
litone gewiss bezeugen wird. Der üppige Etrusker fand natüilich
an derartigen Scherzen auch Gefallen.
In den Ann. d. I. 1876, tav. D E ist ein Ruveser Bild stren-
geren Stils mit der Darstellung einer Vasenfabrik publiziert. Ist
es wahrscheinlich, dass die vor der Gestalt der Athena in einem
Kantharos stehende Kanne aus der Zeit stammt, auf welche der
Stil der Zeichnung weist? Dieselbp entbehrt oifenbar des Figuren-
schmuckes und schliesst sich wohl jener Klasse sschwarzgehinisster
und geiiefelteitf Gelasse verschiedenei, meist kleineier Foimen
an, *svelche Fuitwänglei im Berliner Katalog (Ni. 3789 ff.) einei
unbestimmten italischen Fabrik zuschreibt. In der Vermutung,
dass auch die anderen auf dem Ruveser Gefasse dargestellten
Vasen, der kelchformige Kiatei, die Amphoien mit Volutenhen-
keln einei späteren Zeit ihre Entstehung veidanken, treffe ich
mit Biunn überein.
49. Klügmann weist in einer Notiz dei Ann. d. I. 1875,
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