Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 95
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arndt1887/0111
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
IV. Kapitel.

51. Im ersten Teile dieser Studien, bei Betrachtung der der
))attischen(t Vasenmalerei vorhergehenden älteren Gruppen wurde
uns bereits an mehreren Stellen der Gcdanke an die Entstehung
dieser Gefässe in Italien nahegelegt. Für die chalkidischen Va-
sen glaubc ieh den Ursprung in den kampanischen Griechenstädten
am Vesuv nach dem Vorgange Kirchhoff's mit Sicherheit nach-
gewiesen zu haben. Ist es wahrscheinlich, dass die Vasenfabri-
kation daselbst und der Export von dort nach Etrurien sich in so
bescheidenen Grenzen gehalten haben? Gewiss nicht, und wir
werden dadurch zur Umschau aufgefordert, ob nicht auch bei
anderen Gefässklassen Erscheinungen epigraphischer, stilistischer
wie allgemeiner Art auf italischen Ursprung derselben hinleiten.
Ich mache im Folgenden den bereits friiher mit unzureichenden
Mitteln unternommenen Versuch, denselben für die Gesamtmasse
der auf italischem Boden gefundenen Gefässe des schwarz- und
rotügurigen Stiles zu begründen.
Bevor wir jedoch hierfür den epigraphischen Nachweis an-
treten, auf welchen man das Hauptgewicht legen wird, ist es
notwendig, zu untersuchen, ob aueh die Iiulturverhältnisse ,Kam-
paniens den Erfordernissen unserer Behauptung entsprechen, und
zunächst die Aufmerksamkeit den politischen und socialen Wand-
lungen zuzuwenden, die das Land bis zu der Zeit erfahren hat,
in welcher die Gefässe entstanden sind. Ich hoife, dadurch zu-
gleich eine erneute Begründung der Brunnschen Datierung der
Vasen ins dritte Jahrhundert zu geben. Auf eine vollständige
Prüfung und Sichtung des dabei in Frage konimenden historischen
Materials habe ich selbstverständlich verzichtet; dass ich mich
ausser an Belochs ))Kampanien<t (Berlin 1879) und an von Duhn's
loading ...