Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 96
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))Giundzüge einer Geschichte Kampa.niensft in den Verh. d. 34.
Philol.-Vers. zu Trier 1879 fast in allen Punkten an die Resul-
tate angelehnt habe, die Mommsen in seiner römischen Geschichte
(7. Auflage) niedergelegt hat, dass ich sogai an vielen Stellen
seine eigenen Worte und Wendungen wiedergebe, wird man mir,
denke ich, nicht zum Vorwurf machen diirfen.
Als älteste Bewohner der kampanischen Landschaft gel-
ten die Aurunker, die Ausones der Griechen (M. I, 31), ein ita-
lischer und wahrscheinlich latinischer Stamm. Sie unterliegen
dem Aiidrange hellenischer Civilisation. Auf der Insel Aenaria
(Pithekussai, Ischia) erhebt sich die erste griechische Niederlassung
auf italischem Hoden. Die in späterer Zeit erfolgte Versetzung
derseiben auf die gegenüberliegende ICüste des Festiandes legt
den Grund zu der weithingebietenden Stadt liyme (M. 135; B.
148). Dikaearchia(Puteoli) undNeapolis, dievNeustadtff, nehmen
von Kyme aus ihren Ursprung (M. 135). tiber die Stammeszu-
gehörigkcit und Herkunft dieser östlichen Kolonisten gehen die
Ansichten wie irn Alteitum so in der neueren Forschung ausein-
ander. Den einen (Vergil, Statius, Vclleius, Livius, Dionysius
Ilalic., Strabo; Beloch p. 146 f.) gclten sie als Chalkidier und
Eretrier, anderen (Skymnos von Chios nach Ephoros von Kyme;
Beloch p. 147, Mommsen p. 128) als Kymäer der kleinasiatisch-
äolischen Kiiste, eine dritte Version (Strabo; Carolus Fricke, de
origine Cumaium, diss. Gott. 1869; Ilolm, Gesch. Siciliens I, 11 if.;
Beloch p. 147) nennt Chalkidier und Kymäer von Euböa vereint
als Gründer der italischen Kyme. Wie dem auch sein mag —
ein einheitlicher Stammescharakter bleibt diesen griechischen
Griindungen am Vesuv nicht gewahrt. Die Inschriften der
neapolitanischen Phratrien (Beloch p. 41 f. und 147 f ), die zu-
gleich die Verhältnisse der Mutteistadt widerspiegeln, lehren
uns die Teilnahme zahlreicher nicht-euböischer — thessalischer,
böotischer, attischer — Elemente schon an der Griindung Kymes.
Die Bürgerschaft Neapels wird durch Chalkidier, Pithekussäer
und Athener (diese in dei zweiten Hälfte des fünften Jahrhun-
derts; Beloch p. 30) verstärkt. Die Verbindung mit den dorischen
Städten Süditaliens begiinstigt das Eindringen dortiger Elemente
in die ionische Sprechweise der nördlichen Griechenstädte und
bringt deren reinen Dialekt zum Schwanken (M. 135 u. 20!).
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